Don G.: Nein, kommt alle beide; Und halte mir dein Wort, wie ich's gehalten. Don J.: Glaub' mir, ich halt' es, denn ich bin Tenorio. Don G.: Und ich Ulloa. Don J.: Pünktlich, zweifle nicht, Find' ich mich ein. Don G.: Ich glaub' es; Gott befohlen. Don J.: Geduld, ich will dir leuchten. Don G.: Leuchte nicht; Ich bin im Stand der Gnade.“—
Nach Don Gonzalos Weggang rafft ſich Don Juan auf und ſchüttelt die Furcht mit der Erwägung ab, daß, wer Lebende nicht fürchtet, Tote noch viel weniger zu fürchten habe. Die nächſte Szene führt uns an den Hof. Der König geſtattet de la Mota, nachdem er ſich als an dem Morde Don Gonzalos unſchuldig erwieſen, Donna Anna die Hand zu reichen und ſuchte ferner durch die Vermählung Don Juans, den er aufs Neue zu Gnaden aufgenommen, mit Jſabella den italieniſchen Handel aus der W zelt zu ſchaffen. In dem Augenblick aber, wo dem Könige ſo die glückliche Löſung des Knotens gelingen zu wollen ſcheint, tritt mit dem ploftzlichen Auftreten der Opfer Don Juans— Tisbeas, Iſabellens, Amintas und Herzog Octavios— ſowie, in der folgenden Szene, ihres gemeinſamen Rächers, des ſteinernen Gaſtes, ein unerwarteter und deßhalb um ſo wirkungsvoller Umſchwung ein. Und nun geht es raſch dem Ende zu. Don Juan erſcheint in der Grabkapelle, wo auf ſchwarzbedecktem Tiſche ein aus Scorpionen und Schlangen beſtehendes Mahl, deſſen Würze ein aus Eſſig und Galle gemiſchter Wein iſt, ſeiner harrt. Unheilverkündend ertönt, als Gegenſtück zu der frivolen Tafelmuſik des vorhergehenden Gelages bei Don Juan, der Geſang:
„Merk' es, wer da gegen Gottes“ „Straf gerichte ſtolz geprahlt:“ „Jede Friſt kommt an ihr Ende;“ „Keine Schuld bleibt unbezahlt.“
Und zur ffürchterlichen Beſtätigung reicht der Geiſt Don Juan die Hand. Dieſer ergreift ſie und nun, angeſichts des Todes, bricht ſein frivoler Leichtſinn in ſich zuſammen. Sein Mut verwandelt ſich in Feigheit, ſeine Feigheit in ſpäte— zu ſpäte Reue.
„Don Juan: Ich brenne. Laß die Hand Mir frei; ich töte dich mit dieſem Schwert. Weh, weh! umſonſt! Ich treffe nur die Lüfte. — Ich habe deine Tochter nicht beleidigt, . Denn ſie entdeckte den Betrug zuvor. Don Gonzalo: Die böſe Abſicht zählt gleich der That. Don J.: Geſtatte einen Prieſter mir, daß er Mich beichten hör' und mir die Sünd erlaſſe. ¹) Don G.: Es kann nicht ſein; du denkſt zu ſpät daran. Don J.: Ich glüh', ich brenne! Weh! Ich bin des Todes. — Don G.:—— Das ſind des Herren Gerichte; wie die Thaten, ſo der Lohn.“
Don Juans Diener eilte hierauf an den Hof, wo er dem Könige und den um ihn verſammelten Anklägern Don Juans mitteilt, daß Gottes Strafgericht ſoeben dem irdiſchen vorgegriffen habe. Ueber Don Juans Graß erfolgt hierauf die Verſöhnung aller der von ihm im Leben Beleidigten.—
Eine Beſprechung dieſes Dramas behalten wir uns für ſpäter vor, wo ſich dieſelbe an die Ver⸗ gleichung einer zweiten Bearbeitung desſelben Stoffes anſchließen wird. Hier nur einige Bemerkungen über die Sprache Tirſos. Bei allem Reichtum nämlich an Stellen von unmittelbar packender Wirkung, muß uns auch in den am zarteſten empfundenen Partieen, vor allem in dem lieblichen Monologe Tisbeas,
¹) Dieſe Wendung hat man voreilig als Symptom einer Sinnesänderung ſeitens Don Juans aufgefaßt, während ſie eine dem Dichter ſelbſt vielleicht unbewußte, jedenfalls in dieſen Rahmen nicht paſſend? Conceſſion an Sitte und Herkommen oder, wenn man will, Chriſtenpflicht iſt.


