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Juan!— das Herz der eben noch auf ihre Sprödigkeit ſo ſtolzen Tisbea, nur um ihr Vertrauen bald darauf ſchnöde zu mißbrauchen.— Im folgenden erſtattet Don Gonzalo ſeinem Herren, dem Könige von Spanien, Bericht über den Erfolg ſeiner Sendung nach Liſſabon, von deſſen Herrlichkeit er dem Könige eine überaus glänzende Schilderung entwirft. Zur Belohnung erbietet ſich dieſer, eine Heirat zwiſchen Donna Anna, der Tochter Gonzalos, und Don Juan, ſeinem Schützling, zu ſtande zu bringen— ein Anerbieten, das Don Gonzalo dankbar annimmt. Kurz darauf jedoch ſieht ſich der König, auf die Kunde hin, daß nicht der Herzog Oktavio, ſondern Don Juan der ſchuldige Teil geweſen ſei, genötigt, ſein Verſprechen zurückzunehmen, den unſchuldig berfolgten Herzog Oktavio durch die Hand⸗ Donna Annas zu entſchädigen und Don Juan zu verbannen. Doch Don Juan weiß den Befehl zu umgehen und unterhält ſich bereits in der nächſten Szene wieder mit ſeinem Freunde de la Mota über neue galante Abenteuer, wobei er ſchließlich erfährt, daß ſein Freund die vielumworbene Donna Anna liebe, aber— wie der Liebhaber fürchtet— vergeblich, da über ihre Hand bereits von dem Könige verfügt ſei. Zum Unglück für de la Mota fällt nun Don Juan ein Billet Donna Annas in die Hände, worin dieſe von ihrem Geliebten Abſchied zu nehmen verſpricht und ihm als Erkennungszeichen einen rothen Mantel anzulegen empfiehlt. Vor der Ausführung dieſes neuen Streiches läßt der Dichter den Vater Don Juans, Don Diego, ſeinem Sohne noch einmal ernſtlich ins Gewiſſen reden. Da alles umſonſt, ſtellt jener die Strafe für ſolchen Frevel Gott anheim. In der nächſten Szene weiß Don Juan— ähnlich wie zu Beginn der Handlung— ſich an Stelle ſeines Freundes zu der Wohnung Donna Annas Zugang zu verſchaffen, wird jedoch bei Zeiten erkannt und erſticht den ſeiner Tochter zu Hilfe eilenden Gonzalo. Der König läßt dem Ermordeten auf ſeine Koſten ein Grabmal mit dem ſteinernen Bildnis des Erſchlagenen errichten. Ehe aber das göttliche Strafgericht, durch die Vermittelung des ſteinernen Gaſtes, Don Juan erreicht, vollführt er noch ein Abenteuer. Er täuſcht Aminta, die im Begriffe iſt, ſich mit ihrem Geliebten, einem ſchlichten Ackersmann, zu vermählen, indem er ihr hohe Ehren an ſeiner Seite, als Gattin eines Mannes aus ſo angeſehener Familie, verſpricht. Doch der Sturm zieht ſich dichter und dichter über Don Juans Haupt zuſammen. Jſabella kommt aus Italien und erfährt von Tisbea, die wie jene bei dem Könige Klage erheben will, von Don Juans erneutem Verrath; auch Herzog Oktavio und de la Mota vernehmen, daß Don Juan es gegweſen ſei, der ſie verraten. Während nun Don Juan ſich über die daraus für ihn entſtehende mißliche Lage mit⸗ ſeinem Diener unterhält, erblickt er plöglich Don Gonzalos Grabmal mit der Inſchrift: „Hier liegt der bravſte Rittersmann; von Gott“ „Erwartet er die Rache am Verräther. 4
Keck faßt er das Standbild am Bart und lädt es für den Abend zum Eſſen ein. Und der Geladene erſcheint. Zunächſt reibt ſich Don Juans Diener mit allerhand ſchlechten Späßen an ihm, ohne daß die Statue ein Wort erwiedert. Dann aber gibt ſie ein Zeichen, daß ſie mit Don Juan allein gelaſſen zu werden wünſche. Die nun folgende Szene iſt zu charakteriſtiſch für die Behandlung dieſes Gegenſtandes durch Tirſo, um nicht eine wörtliche Wiedergabe zu verlangen:
„Don Gonzalo: Wirſt du ein Wort als Edelmann mir halten? Don Juan: Ich bin ein Mann von Ehre; und mein Wort Erfüll' ich, denn ich bin ein Edelmann. Don G.: So reiche deine Hand mir, zittre nicht. Don J.: Das ſagſt du mir? Ich zittern? Wärſt du auch Die Hölle ſelbſt, ich gäbe dir die Hand. (Gibt ſie ihm.) Don G.: Bei dieſer Hand und deinem Worte, morgen Erwart' ich dich um zehn zum Abendeſſen; Wirſt du erſcheinen? Don J.: O, ich meinte wohl, Du würdeſt Größeres begehren. Morgen Bin ich dein Gaſt. Und wohin lädſt du mich? Don G.: In meine Gruftkapelle. Don J.: Soll ich dich Allein beſuchen?


