schätzung des Beweises getadelt, indem er an der Geometrie Euklids besonders tadelt, dass sie ihre Sätze zwar beweise als über allen Zweifel erhabene Wahrheiten, aber keine eigentliche Einsicht gewähre in die Gesetze, als deren Ausdruck sie erscheinen, und dass sie die einzige mögliche Quelle, aus der diese Einsicht geschöpft werden kann, aufs strengste verschliesse, nämlich die unmittelbare Erkenntnis durch reine Anschauung. Andere Logiker schätzen dagegen nach dem Vorbilde des Aristoteles¹) die obersten Grundsätze, d. h. diejenigen Urteile, denen unmittelbar objektive Gewissheit innewohnt, weit höher,„weil wir erst dureh diese Grundsätze das weitere wissen“. Dies ist jedoch schon aus dem Grunde hinfällig, weil das Wissen, d. h. die Erkenntnis der Wahrheit, gar keiner Steigerung fähig ist wie die Meinung oder die Überzeugung..
Der sogenannte subjective Beweis(Beweis ad hominem, auch ex concessis) hat gar keinen logischen Wert, da er nämlich nur Giltigkeit für gewisse Individuen liefert; er weist also keine objektive Gewissheit auf und ist somit im logischen Sinne kein Beweis.
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§ 2. Wesen und Formen des direkten Beweises.
Die erste Aufgabe eines Beweises besteht, wie oben(S. 3) erwähnt, in der Aufsuchung des Beweismaterials; hierunter versteht man die nächsten Beweisgründe, die sich stufenweise pis zu den letzten und höchsten fortsetzen. Naturgemäss wird man nicht jedes Urteil bis zu den letzten Gründen verfolgen, man wird vielmehr schon bewiesene Sätze als Schlussstätzc, bis zu denen man zurückgeht, gelten lassen. Dies Material?²) wird nun in der Weise angeordnet, das sich die Behauptung als logische Schlussfolgerung ergiebt. Häufig ist jedoch ein solcher Schluss nicht möglich; es lässt sich die Behauptung nicht als Conclusio aus vorangehenden Prämissen folgern. Oder auch die Natur der Behauptung selbst zwingt zu einem andern Beweisverfahren, wie die des negativen Urteils. Denn dieses ist keine Erkenntnis selbst, sondern nur ein methodisches Mittel. Jedes negative Urteil ist im Denkprocess ein limitierender Fortschritt, es ist der Abschluss eines Weges, auf dem sich nun die Scele klar gemacht hat, zu einer Vereinigung ihrer Vorstellungen nicht gelangen zu können, und es enthält somit stets die Aufforderung, einen anderen Weg einzuschlagen.¹) Deshalb setzt man hier wie im ersteren Falle das kontradiktorische Gegenteil des Urteils und entwickelt dies in seine Folgen, d. h. man benutzt den indirckten Beweis in einer seiner drei Formen4) und gewinnt hiermit die angestrebte Gewissheit durch den Widerspruch, auf den man stösst. Der indirekte Beweis begrenzt somit die Gewissheit, der direkte erzeugt sie, deshalb nennt man jene auch die zwingenden, diese die aufhellenden Beweise.
Die direkten Beweise beruhen auf dem logischen Satze vom Grunde in seinem ersten Teile:„Mit dem Grunde ist die Folge gegeben, und mit der Folge ist der Grund aufgehoben,“ während der zweite Teil dieses Princips die Grundlage der indirekten Beweise bildet. Fast allgemein wird der direkte Beweis dem indirekten vorgezogen, sein Wert wird deshalb höher
¹) Aristoteles, Zweite Analytiken, von Kirchmannsche Ausgabe, S. 5. ²) Uber die Auffindung der Beweisgründe vergl. Lotze, S. 298—335.
³) Windelband, a. a. O. S. 14. Anm.
⁴) Knabe, die Formen des indirekten Beweises. 1885. Kassel, Klaunig.


