Aufsatz 
Über den direkten Beweis / von Karl A. F. Knabe
Entstehung
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Wissenschaftliche Beilage zum Programm

der Realschule zu Kassel dwigstrassey Ostern 1890.

Uni--Piol.

Giessen

1890. Progr. No 391.

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Uber den direkten Beweis.

Von

Dr. Karl A. F. Knabe.

Einleitung.

Her menschliche Geist strebt nach der Wahrheit, d. h. nach der Gewissheit seines Erkennens. Freilich haben gegen die Möglichkeit, die materiale Wahrheit zu erreichen und derselben gewiss zu werden, sowohl der Skepticismus, wie auch der Kriticismus gewichtige Bedenken erhoben. Während ersterer in der antiken Scholastik die Möglichkeit der Er- kenntnis völlig leugnet und in seiner modernen Richtung sich auf die Empfindung als einzige Quelle aller Erkenntnis beschränkt, bietet letzterer etwas Positives dadurch, dass er alles Erkennen aus der Wechselwirkung der Erfahrung mit geistigen Principien, die in uns liegen, ableitet. Der Empirismus dagegen und der Rationalismus gehen von bestimmten ursprüng- lichen Quellen der Erkenntnis aus und kommen somit deduktiv zur Gewissheit. Wenn wir uns nun die Frage vorlegen, was ist Gewissheit? so müssen wir zunächst festhalten, dass von einer solchen nur peim Urteile, nicht schon beim Begriffe die Rede sein kann, wenigstens beim letzteren nur in so weit, als wir ihn mit unserm Vorstellungsvermögen selbst in Zu- sammenhang bringen. Einem Urteile aber schreiben wir Gewissheit zu, wenn wir es für wahr halten, d. h., wenn wir bei diesem Urteile uns in einem Zustande befinden, in welchem kein Antrieb mehr zu einem Zweifel oder zu einer Frage vorhanden ist. Offenbar ist dies jedoch nur eine subjektive Gewissheit, die für ein anderes Individuum bei demselben Urteile durchaus nicht mehr vorhanden zu sein braucht, ja die selbst für uns zu andern Zeiten verschwinden kann. Für uns selbst scheint sie objektiv zu sein, aber sie braucht es dennoch nicht zu sein, auch wenn wir die stärkste Ueberzeugung von ihrer Wahrheit empfinden. Daher ist es ein weitverbreitetes Streben der Menschen, für ihre Ansicht eine allgemeine Anerkennung zu finden. Die Übereinstimmung der Menschen wird somit meist für eine Gewühr A2 Wieh tiven Gewissheit angesehen, oder da diese selten zu erreichen sein wird: 4 Mehrheit; aber sie ist es keineswegs. Die Geschichte und die tägliche Erfà