Aufsatz 
Mitteilungen über die Michelstädter Kirchenbibliothek / von Adam Klassert
Entstehung
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der Linie, Graf Georg Auguſt, begründete Bibliothek mit etwa 700 Bänden, meiſt theologiſchen Werken namentlich der Spenerſchen Zeit, wurde 1789 von Graf Chriſtian zu Erbach⸗Schönberg der Michelſtädter Bibliothek geſchenkt; dieſe Bücher ſind kenntlich an dem hübſchen in Kupferſtich ausge⸗ führten Exlibris: über dem gekrönten von Löwen gehaltenen Wappen von Erbach und Breuberg in einem Blütenkranze die WorteErbach-Schoenbergische Bibliotheck, angefangen 1717. von, unter dem WappenGeorg Auguſt Graf zu Erbach.

Auf Antrag des Bibliothekvorſtandes, Oberpfarrer Simon, wurden im Jahre 1852 mit Ge⸗ nehmigung des Großherzoglichen Oberkonſiſtoriums eine Anzahl Dubletten veräußert, wofür u. a. neuere, beſonders heſſiſche Geſchichtswerke eingetauſcht wurden. Am 3. März 1882 begann Ober⸗ pfarrer Geoorg Adam Wagner(am 8. XI. 1900 im Ruheſtand in Darmſtadt verſtorben) das ſchwierige, aber ſehr notwendige Werk einer Neuordnung und Aufnahme der noch vorhandenen 2068 Bände; dabei iſt zu beachten, daß die Anzahl der Bände keinen Begriff gibt von der Reichhaltigkeit der Bibliothek, da einzelne Sammelbände, namentlich mit Flugſchriften der Reformationszeit, über 30 einzelne Nummern umfaſſen. Manches Buch war trotz der Fürſorge des Stifters im Laufe der Jahrhunderte abhandengekommen, manches von dem im Holzwerk der Geſtelle und der Einbände hauſenden Holzwurm, durch Feuchtigkeit, Staub und Mäuſefraß zerſtört worden. Im Jahre 1883 wurde die ſeit 1828 nicht getünchte Sakriſtei nach dem Entwurf des Vorſtandes des Darmſtädter Gewerbevereins, Baurat Buſch, würdig hergeſtellt, die Geſtelle gereinigt und angeſtrichen, die In⸗ kunabeln, deren Buchenholzdecken zerfreſſen waren, neu gebunden, die Bücher nach dem Standort durch Buchſtaben und durch fortlaufende Nummern kenntlich gemacht und ein Verzeichnis nach der Reihenfolge der Nummern angelegt, während ein alphabetiſcher Katalog leider noch fehlt. Beſondere Mühe wurde auf die Beſtimmung der unter A eingetragenen 90 Inkunabelbände und deren Be⸗ nennung nach Hain, Repertorium bibliographicum, verwandt, aus welchem Wagner 97 Nummern feſt⸗ ſtellen zu können glaubte. Bei der Prüfung des Beſtandes, die ich, angeregt durch die Gutenberg⸗ feier und das Jubiläum der Kirchenbibliothek, in den letzten Jahren mit Erlaubnis ihres Vorſtandes vornahm, konnte manches Verſehen berichtigt werden; eine große Anzahl von Inkunabeln ließ ſich noch nach Hain, andere nach deſſen Ergänzungen von Copinger oder nach Proctor, Index to the early printed books in the British Museum, London 1899 feſtſtellen. So erwies ſich ſchon die erſte Nummer des Verzeichniſſes, die auch in den Kunſtdenkmälern des Kreiſes Erbach, 1891, S. 187 als Codex Justinianeus, Venedig 1479 bezeichnet iſt, als Codex decretorum(Gratiani) Hain 7894, eine Theologia septem constans partibus als das Breviloquium von Bonaventura, ein Anonymus de prädeſtinatione, den ſchon Schneider anführt, als das ſogenannte Inevitabile des Honorius Auguſtodunenſis. Aber auch in den übrigen Teilen der Bibliothek finden ſich wert⸗ volle Erſtlingsdrucke eingeſtreut, darunter die wegen ihrer Abbildungen vielberufene Hypnero⸗ tomachia Poliphili des Franciscus Columna in der Urausgabe, Venedig 1499; ich vermute, daß Murner und Gengenbach im Eingange der Gauchmat gegen dieſe Schrift polemiſieren, die auf den erſten Blick als eine Verherrlichung des Venusdienſtes angeſehen werden konnte. Als älteſter datierter Druck der hieſigen Bibliothek erwies ſich des Thomas von Aquin Secunda Secundae mit der neunzeiligen Schlußſchrift Peter Schöffers, Mainz 1467.

Von den wenigen Handſchriften der Michelſtädter Bibliothek ſollen hier nur einige von allge⸗ meinerem Intereſſe angeführt werden. Nr. 685 enthält u. a. eine Reihe von Abhandlungen zur Waldenſergeſchichte, die, ſoweit ſie nicht im 25. Band der Bibliotheca Lugdunensis gedruckt vor⸗ lagen, von Bibliothekdirektor Dr. H. Haupt in Gießen in der Zeitſchrift für Kirchengeſchichte X 238 f. behandelt worden ſind: 1. Humbertus de Romanis, de eruditione predicatorum(f. 219 a nennt ſich der Schreiber, Joh. Merſtetter von Ehingen, plebanus sancte crucis altaris ecclesie Spirensis anno 1461, wohl ein Verwandter des in Mainz anſäſſigen Baccalaureus Jakob Merſtetter aus Ehingen, der 1499 die Schrift zu Ehren des Gedächtniſſes des Marſilius Ficinus herausgab, in der ſich Adam Gelthus' Ehrentafel für Johann Gutenberg findet.); 2. de erroribus Waldensium 220 223 b; 3. errores beghardorum bis 224 b; 4. errores fraticellorum bis 225a; 5. errores Waldensium 225 b 237 b; 6. tractatus contra Lolhardos 238 a 242 b 7. tractatus contra Feymeros(Fehmrichter) bis 245a; 8. historia trium regum sanctorum 246 a 289 b; 9. quae- stio de superstitionibus bis 317 a; 10. Hieronymus contra Iovinianum(317 b 365). Nr. 686: 1. Hieronymi epistola ad Dimitriadem virginem; 2. ad Eustochium; 3. ad Rusticum