Aufsatz 
Mitteilungen über die Michelstädter Kirchenbibliothek / von Adam Klassert
Entstehung
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monachum; 4. ad Damasum Portuensem episcopum; auf die Innenſeite des einen hölzernen, außen mit Leder überzogenen Buchdeckels iſt ein ſehr früher, roher Holzſchnitt des heiligen Hieronymus geklebt, der Profeſſor W. L. Schreiber, dem verdienten Erforſcher der Geſchichte des Holz⸗ und Metall⸗ ſchnittes im 15. Jahrhundert, in ſeinem Manuel de l'amateur de la gravure unbekannt geblieben war und eine Reproduktion verdient. Nr. 689: Fundatio collegii Saxonum in schola Erfurtiensi (1525); 690(aus Fürſtenau, feines Papier, Waſſerzeichen Wage oder Ochſenkopf): 1. Cicero de officiis deutſch: von Außlegung der ampt(Anfang: O Marce ſun mein). 1 70; 2. Von Sand Greorio(Georgio) dem walenden piligraum der durchfur die weitzen(St. Patricij): Geſchichte des Ritters Georg von Ungarland und ſeiner Wanderung durch das Fegfeuerl). 73 117; 3. Schach⸗ zabelbuch des Jacob. de Caſſalis in deutſcher Proſaüberſetzung 124160. 4.Das Buch Melibeus (Überſetzung von Albertanus' de Brescia liber de consolatione et consilio) 160 bis zum Ende, 16 Blätter; außer Handſchriften beſitzt die k. Hof- und Staatsbibliothek in München davon zwei Drucke, deren älteſter 1473 in Augsburg erſchienen iſt. Der Inkunabelband A 66 enthält auch eine Handſchrift: liber de proprietatibus terminorum Ciceronis secundum ordinem alphabeti, vorausgeht: Incipit tractatulus ab Enea Silvio editus ad regem Polonie Ladislaum de edu- catione puerorum.(Von beiden Handſchriften ſind auch Drucke bekannt, von letzterem 1450 ver⸗ faßten Buche beſaß die in der Nacht vom 24. auf 25. Auguſt 1870 verbrannte Straßburger Stadt⸗ bibliothek nach Marius Vachon, Strassbourg, les musées, les bibliothèques, Paris 1882 Nr. 113 f. zwei Drucke. Schließlich mögen noch zwei Handſchriften erwähnt werden, die nach einem alten Verzeichnis früher in Michelſtadt waren, jetzt fehlen: Bücher aus Schloß Fürſtenau, Nr. 18: Kela- tio historica de Einhardo et Imma Karoli filia legitimo matrimonio coniunctis²) und unter den philoſophiſchen Büchern der alten Bibliothek in Folio Nr. 13: Joh. Marquardi translationis Homericae volumen manuscriptum; dieſe in Padua, wo Marquard mit ſeinem Zögling Schenk Eberhard in den Jahren 1526 und 1527 ſich aufhielt, angefertigte Handſchrift gelangte vor mehreren Jahren von Berlin aus durch Kauf in das Gräfliche Geſamtarchiv zu Erbach, deſſen Zierde ſie neben der koſtbaren Miniaturenhandſchrift von Thomaſins von Zerklaere Welſchem Gaſt und der früher Johann von Dalberg gehörenden Athenäushandſchrift bildet.

In der folgenden Aufzählung der Inkunabeln der Michelſtädter Kirchenbibliothek(bis zum Jahre 1500 einſchließlich) giebt die erſte Zahl die Nummer des Michelſtädter Verzeichniſſes an und (war von Nr. 190 aus der Abteilung A, wenn nicht ausdrücklich B angegeben iſt), eine zweite Zahl vor dem Buchtitel nennt die Nummer in Hains Repertorium, die erſte dem Buchtitel folgende Zahl iſt die Nummer bei Proctor; ihr iſt der Name des Druckers beigefügt, bei deſſen Ermittelung Proctor vor Hain der Vorzug gegeben wurde. Die bibliographiſch genaue Beſchreibung der in den Repertorien von Hain und Proctor fehlenden Nummern muß aus techniſchen Gründen einem andern Orte vorbehalten bleibens).

29 b, 88 Adolfus(archiepiscopus Moguntinus), copiae indulgentiarum concessarum anno 1468(Eßlingen Fyner). 64 b, 109 Aegidius Romanus(Columna) de regimine principum, Venedig, Simon Bevilaqua 1498; 66, 160 Aeneas Silvius Piccolomini(Pius II) epistolae ed. a Nicol. de Wyle 233(Straßburg, Drucker des bizarren R); 16 b, 391 Alanus ab insulis distinctiones 343(Straßburg, C. W., Drucker des Berchorius); 72, 471 Albertus Magnus ser-

¹) Nach gütiger Mitteilung der Direktion der k. Hof- und Staatsbibliothek in München ſind dorten fünf Hand⸗ ſchriften mit dieſem geiſtlichen Roman vorhanden: Cgm. 451, 454, 1134, 4872, 4288; die älteſte Schilderung des Fegfeuers des heiligen Patricius behandelt Selmar Eckleben, Halle 1885...

²) Die naive Freude an erdichteten Stammbäumen neben einer riückſichtsloſen Kritik jeder Üüberlieferung teilt die Renaiſſance mit dem Zeitalter des Luguſtus. Die Bearbeitungen, welche die Sage von Eginhard und Emma in der Literatur erfahren hat, behandelt erſchöpfend Heinrich May im 16. Heft der von Franz Muncker herausgegebenen For⸗ ſchungen zur neueren Literaturgeſchichte, Berlin, Alexander Duncker 1900..

³) In den bibliographiſchen Nachweiſen ſind folgende Abkürzungen gebraucht: Busch, Dr. Kichard: Verzeichnis der Kölner Inkunabeln der Großh. Hofbibliothek zu Darmſtadt IV. Centralblatt für Bibliothekweſen VIII. 30 ff.; Cop.: W. A. Copinger, Supplement to Hain's repertorium bibliographicum II, London 1898; Pellechet, M.: Catalogue géenéral des incunables des bibliothèques publiques France I 1897; Nentwig, H.: Die Wiegendrucke der Stadt⸗ bibliothek zu Braunſchweig, Wolffenbüttel 1891; Vachon., Marius: Strassbourg, les musées, les bibliothèques, Paris 1882; Klemm, H.: Beſchreibender Catalog d. Bibliograph. Muſeums, Dresden 1884.