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Grafen Georg I(II) gewidmet, deſſen Renaiſſance⸗Denkmal in der Sakriſtei, der heutigen Bibliothek, untergebracht iſt. Im Jahre 1533 widmete Philipp Melanchthon ſeine bei Secer in Hagenau ge⸗ druckte lateiniſche Uberſetzung von Lukians Verherrlichung des Demoſthenes dem Grafen Georg zu Erbach. In den gleichen Band wurden zwei ins Lateiniſche überſetzte Reden des Iſokrates über den Frieden aufgenommen, deren erſte von Melanchthons Schwiegerſohn, Georg Sabin, mit einer eben⸗ falls aus dem Jahre 1533 datierten Widmung an den Kardinal Albrecht von Brandenburg in Mainz verſehen iſt(vorausgeht ein an Sabins Gönner, den Mainzer Kanzler Chriſtoph Türk gerichtetes Gedicht von 15 Diſtichen), während die zweite nur ein Nachdruck der 1518 zu Baſel bei Froben erſchienenen Überſetzung der Rede de bello fugiendo et pace servanda iſt, die in jenem Jahre Petrus Moſellanus von Leipzig aus Friedrich dem Weiſen gewidmet hatte. Dem ſchon um 1533 drohenden Kriegsbrand ſuchte Melanchthon in jeder Weiſe entgegen zuarbeiten. So hatte er 1532 dem Kardinal Albrecht ſeinen Kommentar zu Pauli Epiſt. ad Romanos gewidmet und am 5. I. 1533 dem Ritter Joh. Hertzheimer in Mainz für ein empfangenes Gegengeſchenk gedankt. Im gleichen Jahre ließ Sabin einer Schrift zu Ehren des Markgrafen Joachim II. von Brandenburg Huttens Lobge⸗ dicht auf den Kardinal Albrecht beigeben!). Zu den damaligen Kriegsbefürchtungen ſteht des 1524 verſtorbenen Freundes des Melanchthon, Moſellans, Widmung, die das Zeitalter Leos X. und Friedrichs des Weiſen im Jahre 1518 als auguſtiſche goldene Friedensära preiſt, in ſchneidendem Gegenſatz. In dieſer Zeit alſo wendet ſich Melanchthon in der Widmung des Encomium De- mosthenis ex Luciano uersum(456) an den jungen Grafen Georg, pfälziſchen Erzſchenk und Land⸗ vogt des Eſaß in einem der wiſſenſchaftlichen Bildung des Grafen überaus ehrenvoll gedenkenden Briefe, in deſſen Eingang er jenen an die Zeit ihrer erſten in Leipzig gemachten Bekanntſchaft erinnert, wo Melanchthon den Grafen de rebus grauissimis, ut tum forte inciderant, cum summa prudentia summaque facundia hat reden hören²). Dem nämlichen Grafen iſt im Jahre 1536 Hierony⸗ mus Boners, Oberſtmeiſters von Kolmar, deutſcher Xenophon(1875) gewidmet(Augsburg 1540 bei H. Steiner, mit kulturhiſtoriſch intereſſanten Holzſchnitten, von welchen der dem Regiſter folgende das Künſtlermonogramm von Hans Schäufelin trägt'). In der Widmung gedenkt Boner der feierlichen Heimführung) der Pfalzgräfin Eliſabeth durch den Grafen Georg, die er im Schloß Fürſtenau an der Spitze der Vertreter der zehn Reichsſtädte des Elſaß mitfeiertes).
Am Schluſſe ſeiner Mitteilungen drängt es den Verfaſſer, allen denen, deren Unterſtützung er ſich bei der vorſtehenden Arbeit erfreuen durfte, von Herzen Dank zu ſagen, namentlich auch den beteilig⸗ ten Bibliothekverwaltungen, insbeſondere Herrn Geheimerat Dr. von Laubmann in München, den Herren Bibliothekdirektoren Dr. Nick in Darmſtadt und Profeſſor Dr. Velke in Mainz, ſowie Herrn Bibliothekar Dr. A. Schmidt in Darmſtadt. Der Kenner wird die Mängel der vorſtehenden Mitteilungen entſchuldigen, wenn er bedenkt, daß das verglichene Material von außen beſchafft oder auf den benachbarten Bibliotheken erarbeitet werden mußte. Wenn es dem Verfaſſer gelungen iſt, das Andenken des Stifters und der Wohlthäter der Kirchenbibliothek zu beleben und der Gegen⸗ wart den hohen Wert der hier vor Vernichtung treu bewahrten Schätze in Erinnerung zu rufen, ſo iſt er froh, dadurch zur Verwirklichung des Dichterwortes beigetragen zu haben:
Was du ererbt von deinen Vätern haſt, Erwirb es, um es zu beſitzen!
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¹) Böcking, Index Hutten. X 2.
²) Der den Erbachiſchen Geſchichtſchreibern entgangene Brief iſt abgedruckt im Corpus Reformatorum II 635— 638, Nr. 1098; da Graf Georg erſt 1506 geboren iſt, wird man als die Zeit, in der Melanchthon den Grafen kennen lernte, wohl kaum die Tage der Leipziger Disputation, ſondern ein ſpäter liegendes Jahr annehmen, etwa 1524, in welchem Melanchthon zur Zeit des Todes ſeines Freundes Moſellanus auf der Reiſe zu Philipp von Heſſen in Leipzig weilte.
³) R. Muther, deutſche Buchilluſtration 1114; Klemm 577.
⁴) Der tiefe Eindruck, den die in dem ſchön gelegenen Schloſſe Fürſtenau herrſchende Pracht und der Glanz der Hochzeitsfeier bei den Gäſten hinterließ, ſpiegelt ſich deutlich in Boners Widmung. Ein Verzeichnis der Gäſte, die 374 Pferde mit ſich führten, ſ. bei Schneider, Erbachiſche Hiſtorie, Urkundenbuch 348—52.
⁵³) Die vom Kaiſer an die Pfalz verpfändete Vogtei wurde von dem Kurfürſten an einen Unterlandvogt, 1531 an den Grafen Georg zu Erbach verliehen.
Druck von G. D. Trautner in Michelſtadt.


