Aufsatz 
Mitteilungen über die Michelstädter Kirchenbibliothek / von Adam Klassert
Entstehung
Einzelbild herunterladen

6

volle, von Falk auf Georg Reyſer zurückgeführte Mainzer Miſſale¹) von 1482(auf Befehl Diethers von Iſenburg hergeſtellt, mit einem der früheſten Kupferſtiche, einem die Wappen von Bistum und Domkapitel haltenden Engel geziert; Noten und Syſtem ſind gedruckt, bei dem vorhin erwähnten Miſſale von 1486 nur das Notenſyſtem) wurde ebenſo wie die folgende Nummer nach Ausweis der zum Teil erhaltenen alten Kataloge aus dem Schloſſe Fürſtenau offenbar nach Einführung der Reformation der Kirchenbibliothek überwieſen. Das erwähnte dritte A 5 bezeichnete unda⸗ tierte Miſſale iſt in der Kapelle des Schloſſes Freienſtein gebraucht worden, wohin es nach der handſchriftlichen Widmung 1521 von Schenk Eberhard geſtiftet wurde.

Im 16., 17. und 18. Jahrhundert erfuhr die Kirchenbibliothek manche Bereicherung vonſeiten der Grafen zu Erbach. Bis zum Jahre 1630 läßt ſich nach den alten Katalogen ein viermaliger Zuwachs feſtſtellen, zunächſt aus Schloß Fürſtenau die Bibliothek der gräflichen Brüder Georg und Eberhard. Gar manches Buch trägt einen eigenhändigen Vermerk, der den einen oder anderen als früheren Be⸗ ſitzer ausweiſt, oder die Widmung des Erbachiſchen Erziehers und ſpäteren kaiſerlichen Rates Doktor Johannes Marquard an einen der beiden Brüder, z. B. Nr. 412 Valla, Elegantiarum libri 6, Schlettſtadt 1520: Joh. Marquardus dabat S. Eberhardo domino 1521. Einhardi vita et gesta Karoli, Coloniae 1521, editio princeps des Hermann von Neuenahr(B 89) trägt außer dem an⸗ geblichen, vielleicht von Marquard erdichteten Einhardepitaph: Enhardus fueram regum qui clarus amore, Cui Caroli magni filia nupta fuit etc.²) auf der zweiten Seite die Worte: Ad generosum dom. Schenck Georgen dom. in Erpach mecoenatem suum Joh. Marquardus Marquards:

Nobilis ingenio simulac generose Georgi, Scire velis fuerit quis genus unde tuum. Tempore quo Magnus regali praefuit aulae Carolus, imperium Francia claraa) tulit, Consilio factisque potens Eginhartus alumnus Caesaris historiae conditor atque gener!

Idem Eginhartus adest generis reparator aviti Nominis et verae nobilitatis honos

Hunc quocies legeris tali ratione libellum Stemmatis autorem te iuvet usque sequi.

In ähnlicher Weiſe ſteht in Nr. 1869 vor Marii Salomonii Albertischi in librum pandec- tarum commentarioli und In legem Gallus paradoxa, Baſel bei Andreas Cratander 1530, ein gemaltes Erbachiſches Wappen mit der Widmung: Generoſis Schenck Georgio et Eberhardo germanis fra(tribus) Dominis et baronibus in Erpach etc. de ſe benemerentibus Joh. Marquardus Doctor dono mittebat anno 1530.

Eine weitere Bereichernng erfuhr die Bibliothek im 17. Jahrhundert durch die Bücher des Grafen Ludwig, die, wie es ſcheint, noch zu deſſen Lebzeitenvon Erpach herabkommen und durch die ſeines 1627 verſtorbenen kunſtſinnigen Bruders Johann Caſimir, von welchen es heißt, daß ſie von Für⸗ ſtenauheraufkommen ſind; unter den letzteren befanden ſich, ſeitdem abhanden gekommen, Teuer⸗ dank und Gargantua. Im Jahre 1628 kamen hierzu noch eine Anzahlvon Moßbach erkaufte Bücher. Mit Moßbach könnte das pfälziſche Städtchen im heute badiſchen Odenwald gemeint ſein, zumal ſich unter den 179 aufgeführten Büchern eine Trauerrede auf den Pfalzgrafen Joh. Caſimir be⸗ findet. An das den Johannitern gehörige Dorf Moßbach im Bachgau iſt wohl weniger zu denken, dies war nie, wie Falk glaubt, erbachiſch, dagegen gab es eine erbachiſche Vaſallenfamilie derMoßbach von Lindenfels. Im Jahre 1663 erfolgte eine bedeutende Schenkung von namentlich der Refor⸗ mationszeit angehörenden Werken, die den Vermerk tragen:Von denen ſamptlichen Hochgebohrnen Graffen zu Erbach, als Herrn Georg Ernſten, Georg Ludwigen und Georg Albrechten der Michel⸗ ſtädter Bibliothek einverleibt worden den 6. 9 bris 1663. Die Erbach⸗Schönbergiſche von dem Stifter

¹) Vgl. über beide Miſſalien Profeſſor Falk im Centralblatt für das Bibliothekweſen III.

²) S. Kunſtdenkmäler im Großherzogtum Heſſen, Kreis Offenbach, S. 193; doch heißt Z. 7 f.: Corpora Sanctorum ſumma tumulata ſub ara Congeſſi: dono(viuo?) quae mihi Roma dedit.

³) Neben dieſe Worte ſchreibt der Graf in patriotiſcher Entrüſtung, um Karl für Deutſchland in Anſpruch zu nehmen: Theutona terra!