Aufsatz 
Mitteilungen über die Michelstädter Kirchenbibliothek / von Adam Klassert
Entstehung
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Solichs hat bedacht vnd angeſehenn, vnd darzu bewegt worden iſt der Wirdigk Here Niclaß Matz der fryen Kunſt vnd der heiligen geſchrifft Doctor vnd deſs Loblichen Dhom Stieffts zu Spier die Zytt Sexpfründer vnd hat vffgericht ein Liberei vf dem Kerner zu Michel⸗ ſtadt Mentzer Bisthumſs, vnd darzu zu Steuer geben zu dem Bawe derſelben Liberey, zwentzig gülden an golde, vnd darinne hundert vnd ſibenzehn ingebünder vnd angeketter bücher ewiglich darinne zu bliben, vnd will der genant Doctor, dſs eſs hinfüre alſo ſoll werden gehalten. In Crafft eins Teſtaments, das von denſelben Büchern ſoll niemandſs, er ſey wer er woll, hoch ader Nyder, Edell ader vnedell, oder wie er iſt ime Stadt, kein büche vſs der Liberey ge⸗ lawhen ader gegeben werden, es ſye dan groſs nott, vnd wen es alſo groſse nott iſt, ſo ſall ein Pfandt gelegt werden, daſs Vierfeltig alſs vill werdt iſt, vnd ein Quittantz, die do lut ein kleine Zitt, So das dan verſchinen iſt, ſoll ſolich buch widerkomen in die Liberey vff daſs das die Liberey nit werdt beräupt vnd abneme.

Auch ſo ſoll ein Iglich Pferrer haben ein Schlüſsell darzu, ein heiligen Meiſter in der Stadt wonhafftig ein Schlüſsell, der Schepfen Burgermeiſter ein Schlüſsell, domit daſs ein jglicher Seſshaftiger in der Statt er ſey Prieſter ader Ley, der da gelertt iſt, ein fryen zugang hab zu der Libery, welchen zugangk er auch haben ſoll vnd mag, der darinn leſsen und lernen will aus den gemelten büchern, vnd zu vſsgangk eins Iglichen, der darinn geleſsen hatt, ſoll er die bücher recht widder zuthune vnd geſchicklich legen, vnd noch ihme die Libery widder zuſchlyſsen.

Es ſoll auch gegondt werden einem yden Prieſter, der da belehet iſt in der Pfarkirchen ein eigen Schlüſsell zu haben zu der Liberey, ob er woll vff ſynen Coſten zu machen, vnd ſollen die Schlüſsell des Pferrers, des heiligen Meinſters vnd Burgermeiſterſs allwege hinter ſich fallen vff ir Nachkomen.

Aber die Schlüſsell der Altariſten, ſo ir eyner ſtürbe oder verkaudert ſein Pfründt, ſoll derſelb Schlüſsell heymfallen dem heiligen Meiſter in der Statt. Will dann der New Altariſt auch haben ein Schlüſsell zu der Liberey ſoll er ein von dem heyligen Meiſter loſsen vmb ein Weyſspfenningk. Und ob deſs Vorgenanten Doctors geſchlecht einer ader mere vber kurtz ader langk bedörffen würdt etliches Buchs, einſs oder mere Sall das ihme geluhen werden on widder⸗ rede, doch mit dem zuſatze alſs vor geſchriben iſt. Auch ob der jetzt beſtympt Doctor, alſs lange er inne Leben iſt, bedorffen were etlicher Bücher eins ader mere, ſall er gewalt haben, das ader dieſelbigen zu nemen, ader der dem er ſolchen gewalt gipt, vnd gebrauchen alſs lang er will an alle irrung.

Semliche Puncten vnd obgeſchribenn Artickell, Wir Pferrer, heiligen Meiſter und die Vier Eydtgeſchworn der genanten Kirchen Michellſtadt gereden vnd verſprechen mit warn wortten vnd Treuen für vns vnd vnſer Nochkomen zu handtfeſtigen vnd zu halten noch all vnſerm Beſten Vermogen An all geuerde.

Und ſoll dieſer Brieffe gelegt werden zu andern Brieffen die der Kirchen gütter allein zu eygen.

Deſs zu warer ſiecherheit vnd Vrkunde haben wir dickgenanten Pferrer, heyligen Meiſter vnd die Vier Eydtgeſchwornn gebetten die Veſten Otten von Erlebach vnd Priſingen von Roſsen⸗ bach, beide vnſer liebe Jungkhern, daſs ſie ihr Ingeſigell vor vnſs an diſsem Brieffe gehangen haben, vns aller obgeſchribener Punct vnd Artigkell domit zubeſagen, daſs wir Otto vnd Pri⸗ ſingk vorgenanten vns alſo bekennen, gethan haben vſs fliſsiger Bede, Pferrerſs, heyligen Meiſter vnd der Vier Eidtgeſchwornn der Pfarkirchen Michelſtadt, doch vns vnd vnſsern Erben an ſchaden.

Geben vff Mantag nach Sant Ambroſiustag, in dem Jor, alſs man noch der Gepurt Chriſti Tuſend Vierhundert Newntzigk vnd Newn Jare zelett.

Die Schenkung der wertvollen Matzſchen Bibliothek an die Pfarrkirche zu Michelſtadt und ihre

Begründung im Eingang der Ürkunde erinnert uns an ähnliche Bücherſchenkungen der aus Bram⸗ bach gebürtigen Brüder Leonhard Pfot( 1483) und Doktor Andreas Pfot(1479, 1483 und 1488 Rektor der Üniverſität Heidelberg, 1503) an die Kirche zu Beerfelden, in der ſie beide früher als Pfarrer gewirkt hatten.¹) Dieſe Schenkungen zeigen, wie fünfzig Jahre nach Erfindung der Buch⸗ druckerkunſt für die Volksbildung begeiſterte Männer dafür zu ſorgen ſuchten, daß den Bewohnern

III 1886, 217 221; die Bücher gingen bei dem großen Brande im Jahre 1810 zu

¹) S. Dr. W. Liſt: Mitteilungen über die Kirchenbibliothek in Beerfelden im Jeralblatt f. d. Bibliothekweſen, runde.

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