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iſt offenbar einer der Zettel, die unter den Studierenden verteilt wurden, um eine Vorleſung anzu⸗ zeigen, deren einer wohl auch am ſchwarzen Brett prangte; die genannten Abhandlungen ſtellen demnach einen Teil der„Hefte“ dar, nach denen Magiſter Matz in Freiburg geleſen hat.
Wohin ſich Matz von Freiburg im Jahre 1479 gewandt hat, ſteht nicht feſt. Erſt 20 Jahre ſpäter finden wir ihn in dem Stiftungsbriefe der Michelſtädter Kirchenbibliothek wieder als Sex⸗ präbendar des Domſtiftes Speyer. Es iſt wohl möglich, daß Matz Ende 1478 ſeine Lehrthätigkeit in Freiburg ſchon mit der Ausſicht auf eine Pfründe in Speyer aufgegeben hat. Sexpfründer) nannte man wie in Speyer z. B. auch im Ritterſtifte Wimpfen die 6 bürgerlichen Pfründeninhaber, die in ihren Bezügen den adeligen Kanonikern gleichgeſtellt waren, während eine dritte mit der Hälfte des Gehaltes der beiden erſten ausgeſtattete Klaſſe von Pfründen in gleicher Weiſe an adelige und bürgerliche Bewerber verliehen werden konnte. Die Sexpfründer ſcheinen den adeligen Domherrn gegenüber eine Art geiſtiger Ariſtokratie dargeſtellt zu haben. Wie dies für die Sexpräbenden zu Köln ausdrücklich bezeugt iſt, mag auch in Speyer die Verleihung einer ſolchen Pfründe an den Be⸗ ſitz der theologiſchen Doktorwürde geknüpft geweſen ſein. Nach der von Matz hinterlaſſenen Bib⸗ liothek zu ſchließen dürfte Matz in Speyer wohl in erſter Linie dem Predigtamte obgelegen haben, wie ſeit 1478 ſein früherer Kollege Geiler auf der Kanzel des Straßburger Münſters, Wimpheling von 1484—1498 auf der des Domes zu Speyer thätig war..
Uber Matz' Lebensdauer war bisher hier nichts Beſtimmtes bekannt. Nur ſoviel läßt ſich dem Wortlaute der Stiftungsurkunde der Michelſtädter Kirchenbibliothek entnehmen, daß der Stifter Ende 1499 noch lebte, denn er behält ſich ausdrücklich das Benutzungsrecht für die von ihm geſchenkten Bücher vor. Meine Vermutung, die in Schneiders Erbachiſcher Hiſtorie, Urkundenbuch, S. 533 auf den Stiftungsbrief der Bibliothek folgende Nummer 21, betreffend einen von Nicloß N. geſtifteten wöchentlichen Gottesdienſt beziehe ſich auf Matz, erwies ſich als irrig. Durch das Entgegenkommen der Verwaltung des Gräflich Erbachiſchen Geſamtarchivs zu Erbach war es mir möglich feſtzuſtellen, daß jene Urkunde ſich auf den 1502 in Michelſtadt verſtorbenen Altariſten Nicloß Queck bezieht, der 120 Gulden Frankfurter Währung für den erwähnten Freitagsgottesdienſt beſtimmte. Als Teſta⸗ mentarien fungirten dabei Konrad Schneider und Joh. Hohenſtill, Altariſten zu Michelſtadt, und Heinrich Queck, Schulteiß zu Heppenheim. Der Güte des Herrn Domkapitular Profeſſor Dr. Zimmern und des Herrn Domdekan Konrad Buſch in Speyer verdanke ich den Hinweis auf einige Einträge in das Nekrologium Spirenſe, durch die jeder Zweifel über das Todesdatum des Stifters der Michelſtädter Bibliothek endgültig beſeitigt wird. Er ſtarb am 23. November 1513 zu Speyer (Nekrol. Spir. II 301), die Grabſtätte iſt unbekannt. Vorausgehende Einträge in das Nekrologium: (1,231) berichten: Sexpräbendar Nicolaus Matz de Michelstadt, sacrae theol. doctor, übergab am 22. April 1508 den Präſenzmeiſtern des Domſtiftes zu Speyer 80 rhein. Goldgulden für die Pro⸗ zeſſion in die Krypta an Quasimodogeniti und an den 3 folgenden Sonntagen. Den Meiſtern der „kleinen Bruderſchaft“ vermachte er 200 Gulden und zu ſeinem Jahrgedächtnis 152 Gulden. Vier⸗ zehn Jahre alſo hat Nikolaus Matz die Schenkung ſeiner wertvollen Bücherſammlung an die Pfarr⸗ kirche ſeiner Vaterſtadt überlebt Die Schenkungsurkunde folgt hier nach dem im Gräflich Erbachiſchen Geſamtarchiva) befindlichen Original; die Urkunde iſt gut erhalten, 41,6 cm breit, 22,8 em hoch, die beiden Siegel des Otto von Erlebach und Priſing von Roßenbach ſind abgeriſſen(Nr. 1443 des Repertoriums).
Verſchreibung wie es mit der alten Liberey zu Michelſtadt gehalten worden anno 1499.
Wir diſshernach geſchriebennen Pferrer, heyligen Meynſter vnd die Vier Eydtgeſchwornn der Pfarkirchenn zu Michelſtatt bekennen vns offenntlich inn diſsem Briffe, daſs noch innhalt der heyligen Gſchrifft den Criſtenglauben zu Behalten vnd zu meren nicht alſs heylſam iſt, als Prediger die do predigen dſs Wort Gots empſiglichen vnd mit groſsem fleiſs, vnd vnter allen andern Almuſsen dſs das allerhochſt iſt ſtifften Predigampt, So aber zu demſelbigen ampt nicht alſs faſt din(lich) iſt alſs bewerter geſchrifft Bücher.
¹) Vgl. Ph. Schneider in Wetzer und Welte, Kathol. Kirchenlexikon, XI, 1899, S 792 nach Mone, Zeitſchrift f. Geſchichte des Oberrheins, XXI, 1 ff, 297 ff.
.) Dem Archivvorſtand, Herrn Gräfl. Geſamtarchivar Karl Morneweg in Erbach ſpreche ich auch an dieſer Stelle für die freundliche Unterſtützung bei der Herausgabe der Urkunde meinen verbindlichſten Dank aus.


