Aufsatz 
Mitteilungen über die Michelstädter Kirchenbibliothek / von Adam Klassert
Entstehung
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war. Zugleich wurde er Prieſter der Diözeſe Paſſau, die ſich bis vor Wien erſtreckte. Durch Magiſter Konrad Arnold aus Schorndorf, welcher der Artiſtenfakultät zu Freiburg ſeit 1460 an⸗ gehörte, wurde Matz 1469 für Freiburg gewonnen, wo er am 18. Juli bei der Univerſität und in die Matrikel der philoſophiſchen Fakultät eingeſchrieben wurde. Die Einführung in den Rat der Fakultät erfolgte am 21. Juli, in den Senat der Univerſität wurde Matz am 31. Juli aufgenom⸗ men, worauf ihn die Artiſtenfakultät am 22. September zum Examinator für das Baccalaureat ernannte.

Als Dekan der philoſophiſchen Fakultät 1470 Nachfolger Geilers von Kaiſersberg, gerät er durch ſeine Strenge mit ſeinen Amtsgenoſſen in Streit. Im Jahre 1472 nannte Matz am 25. Februar in der Fakultätsſitzung den zeitigen Dekan Magiſter Stein aus Schorndorf meineidig und vergriff ſich ſogar thätlich an ihm. Dem Rektor und Senat erklärt Matz auf ihre Vorladung am 13. März, er habe nur ſolche meineidig genannt, die gegen die Statuten Schnabelſchuhe trügen und zum Tanze gingen. Gegenüber Stadt und Univerſität, die ihn zur Verantwortung ziehen wollen, betont übrigens Matz mit Erfolg, als Prieſter ſei er nur dem Biſchof Rechenſchaft ſchuldig.

Aus Anlaß ſeines Ausſcheidens aus der Artiſtenfakultät nahm Matz das Lizentiat der Theo⸗ logie bei ſeinem früheren Wiener Kollegen Möſch, deſſen Stelle er am 28. Auguſt 1475 erhielt, nachdem er ſchon im Jahre zuvor in den Rat der theologiſchen Fakultät aufgenommen worden war und die Venia legendi erlangt hatte. Auch die Stadt Freiburg gab am 1. September 1475 ihre Ein⸗ willigung, wollte aber Matz gegen ein Jahrgehalt von 40 Gulden zu einer täglichen einſtündigen Vorleſung verpflichten. Am 31. Oktober 1475 wurde Matz Rektor der Univerſität und erhielt im nächſten Frühjahr wiederum Geiler zum Kollegen in der theologiſchen Fakultät. Matz wurde nun ſtatt der bisherigen Wohnung im Kollegiengebäude ein beſonderes Haus zinsfrei eingeräumt; den ihm am 16. April 1477 gewordenen Auftrag, täglich zu leſen, ſuchte er vergeblich mit dem Hin⸗ weiſe abzulehnen, daß er nur derzweite Profeſſor ſei. Auch in der theologiſchen Fakultät ver⸗ blieb Matz nicht lange; nach Steins Berufung nach Tübingen erſcheint Matz 1478 wieder in der Artiſten⸗ fakultät, doch bittet er ſchon am 9. November die Univerſität um ſeine Entlaſſung, um Zengniſſe über ſein Licentiat und Doktorat und um vollſtändige Beſoldung; das Geſuch wird mit der Ein⸗ ſchränkung bewilligt, daß der Syndikus angewieſen wird, Matz 10 Gulden auszuzahlen. Die durch Matz' Ausſcheiden erledigte Lehrkanzel übernahm auf Erſuchen vom 2. Januar 1479 für die nächſten Monate aushilfsweiſe der hochbetagte Dr. Pfeffer, welcher der Univerſität ſeit ihrer Gründung im Jahre 1460 angehörte.

Nach den dürftigen vorliegenden Angaben ſcheint Matz' akademiſche Thätigkeit nicht erfolgreich geweſen zu ſein. Seine wohl auf krankhafte Reizbarkeit zurückzuführende Unverträglichkeit gegen⸗ über den Kollegen, ſowie ſeine Unbeliebtheit bei den Hörern, die ihn wegen ſeiner Strenge fürchteten, mögen Matz gezwungen haben, den dornenvollen Beruf aufzugeben. Wie wir von keiner von Matz verfaßten Druckſchrift wiſſen, ſind in der Freiburger Univerſitätsgeſchichte auch keine Einzelheiten über den Gegenſtand ſeiner Vorleſungen überliefert. Immerhin hat ſich in dem Handſchriftbande 692 der Michelſtädter Bibliothek eine Erinnerung an die akademiſche Thätigkeit ihres Stifters er⸗ halten. Der Band enthält außer den Sprüchen des Dionyſius Catho und der Geſundheitslehre der Schule zu Salern(Regimen ſanitatis:Anglorum regi conscripsit scola salerni, ad regimen vite praesens medicinale: Dy naturlichen maiſter dem kuning von engelant, habent geſchriben vnd geſant, das gegenwirtig büchelin, wye der menſch bewar das leben ſein) beide mit der ge⸗ reimten deutſchen Überſetzung!) drei längere mathematiſche Lehrgänge(Algorismus, Algo⸗ rismus de integris und Computus Nornbergenſis), welchen mehrere theologiſche Abhandlungen (zwei lateiniſche de penitentia, eine deutſchevon der reuwe vnd bicht) vorausgehen. Auf der Rückſeite eines der in die mathematiſchen und geometriſchen Handſchriften eingeſtreuten und mitein⸗ gebundenen Zettel mit Berechnungen lieſt man in Kanzleiſchrift die Worte: Magiſter Nicolaus Matz de michelſtat hodie hora prima legere incipiet Algoriſmum de integris in ſcola artiſtarum. Dies

¹) Von letzterer ſoll hier eine bezeichnende Probe mitgeteilt werden: Wer knobloch den morgen nuchtern ißt, dem ſchadet ungeſundes waſſer nicht, noch wandeln in fremde lofft vnd landen, wie wol man ſinen ſchmack tüt anden.