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Sandsteinbrüchen an der Bergstraße und den Jurakalksteinbrüchen Lothringens(Pla- teau westlich von Metz)¹¹) herbeigeschafft werden. Daß die Bauzeit mehrere Jahre umfaßte, ist bei der Größe des Baus und der Schwierigkeit der Material- beschaffung in jener Zeit ganz selbstverständlich. Fertiggestellt wurde er im Jahre 774 und am 1. September feierlich eingeweiht. Als königliches Angebinde schenkte Karl d. Gr., der die Einweihungsfeierlichkeiten durch seine Anwesenheit mit großem Gefolge verherrlichte, in die dedicationis sanctae ecclesiae sein Königsdorf Oppen- heim und die in Dexheim(Thechidesheim) zur Kirche in Oppenheim gehörigen Ländereien, worüber am Tage nach der Einweihung, 2. September 774, zu Worms eine Urkunde aufgenommen, von dem König eigenhändig mit unterzeichnet und dem stellvertretenden Kanzler Rado mit Beglaubigungsvermerk(recognovi) und Siegel versehen wurde.
Sonach umfaßte die Bauzeit etwa 7—8 Jahre, von 767— 774. Das lehrt uns die Sprache der Urkunden. Und wie stellt sich nun hierzu die Tradition? Diese bietet ein Bild heilloser Konfusionze). Während ein Teil dieser Quellen die Ein- weihung richtig 774 ansetzt, verlegen andere sie in das Jahr 775 und das Lorscher Chronikon gar in das Jahr 777. Die Entstehung dieser letzteren irrtümlichen An- gabe ist vielleicht noch zu ermitteln. Der Chronist rechnet nämlich(S. 18) a fun- datione sive exordio Laureshamensis monasterii annos XIII, was sehr leicht durch eine kleine Verschreibung aus VIII entstehen konnte, und sah sich dann genötigt, von der früher angenommenen Gründungszeit des Klosters Altenmünster(764) DCCLXIIII an gerechtnet 13 Jahre hinzuzuzählen, also 777— DCCLXXVII anzu- setzen. Daß die Bauzeit des neuen Klosters 13 Jahre in Anspruch genommen haben sollte, ist ebenso wenig glaublich wie die phantasievolle Ausschmückung, daß die drei Söhne Karls d. Gr., Karl, Pippin und Ludwig dabei gewesen seien, da die beiden letzteren damals überhaupt noch nicht geboren waren.
Die Einweihung der neuen Kirche und die feierliche Ubertragung der Ge- beine des hl. Nazarius aus der alten Peterskirche in diese fand durch Lullu, den Erzbischof von Mainz, den Nachfolger des hl. Bonifatius, unter Assistenz von vier Bischöfen statt und bildete zusammen mit der Anwesenheit des mächtigen Königs Karl ein Ereignis, das nicht nur Tausende von Menschen damals und in der Folge- zeit jahraus jahrein nach Lorsch führte, sondern auch zu zahlreichen Schenkungen und frommen Stiftungen veranlaßte.
II. Kapitel. Die Entwickelungsgeschichte des Klosters Lorsch.
Die Urkunden über die Privilegien, Vermächtnisse und Erwerbungen, die im Laufe der Zeit an das Kloster Lorsch kamen, füllen, trotzdem sie größtenteils nur im Auszuge vorliegen, drei stattliche Bände der Mannheimer Ausgabe des Codex
¹9) cf. Adamy, Die Fränkische Torhalle und Klosterkirche zu Lorsch, Darmstadt 1801, S. 22 ff. 2⁰) Falk S. 142, Anm. 17.


