Aufsatz 
Beiträge zur Geschichte des Klosters Lorsch : 1. Teil / Friedrich Kieser
Entstehung
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heutigen Parzellennamen dieses Saumes sind von Süden nach Norden: Im Kirschen- flecken, An der Kreuzwiese, die Lange Wiese, Schnabelseck, Kleenwiese, Specklache, Seilersgraben, Eselsfeld und Im Horst; ihr Gebiet reicht von der Heppenheimer Ge- markungsgrenze im Süden bis zu dem Punkt an der sog. Wattenheimer Brücke im Norden, wo die Weschnitz aus ihrer nördlichen in die westliche Richtung übergeht.

Die unter 3 angeführte Schenkung umfaßt nach der Grenzangabe im wesent- lichen die Parzellen Im Kirschenflecken und An der Kreuzwiese; denn diese haben in Wirklichkeit im Süden die Heppenheimer Mark, im Osten die Meerbach, im Norden den Punkt, der dem Kloster des hl. Nazarius, das im Jahre 774 fertig wurde, gegenüber liegt, und im Westen eine sumpfige Niederung(illo lacu, ubi Udo stirpavit), d. h. den heutigen feuchten Wiesengrund dieLange Wiese genannt, wo die Straßen Bensheim und Heppenheim-Lorsch östlich vom Nazariuskloster sich treffen, jetzt von dem Landgraben durchzogen, ehedem von einem westlichen Arme der Weschnitz durchflossen. Wenn damals(774) das alte Peterskloster auf der Kreuz- wiese gestanden hätte, dann mußte es doch hier genannt werden, schon um es von dem nahen Tochterkloster des hl. Nazarius zu unterscheiden.

Zu dem gleichen Ergebnis führen die Schenkungen unter Nr. 2 und 4, die nach Lage der Sache sich nördlich an vorgenannte Stiftung angeschlossen haben. Die- selben stellen offenbar ein zusammengehöriges Ganze dar, von welchem die drei Söhne der Massa(denn dieselben werden ausdrücklich am Schlusse der Urkunde genannt) im Jahre 766 ihr dreiviertels Teil als väterliches Erbe an Lorsch schenken, während die Mutter Massa das ihr zugefallene Viertel im Jahre 7790 an dasselbe Kloster verkauft. Die näheren Grenzangaben lassen es als eine Insel erscheinen, gebildet von Meerbach und Weschnitz, und zwar dergestalt, daß der Anteil der Söhne in dem Winkel lag, den die Meerbach bei ihrem Eintritt in die Weschnitz bildete, während das mütterliche Anteil südlich davon anzusetzen ist. Nun lehrt der Augenschein und ein Blick auf die geologische Karte von Hessen, Blatt Bens- heim, daß die Parzellen An der Kreuzwiese, Schnabelseck, Kleenwiese und Speck- lache zu irgend einer Zeit eine Insel gebildet haben müssen, die jetzt zwar von der regulierten Weschnitz mitten durchschnitten wird, früher aber offenbar von der Meerbach im Osten und von der Weschnitz im Westen(heute Landgraben) umflossen war, bis durch natürliche Verlandungen oder menschliche Eingriffe nach und nach die geologischen Verhältnisse von heute sich bildeten.

So führt denn auch die Nichterwähnung des alten Petersklosters bei der Schenkung eines Geländes, auf dem doch die von Kofler auf- deckten, allerdings kümmerlichen Reste einer Klosteransiedlung zutage gefördert wurden, ebenso wie der Umfang, die Lage und Beschaffen- heit dieser Schenkungen zu dem unabweisbaren Schluß, daß hier kein altes Kloster gestanden haben kann, da sie in ihrer Gesamtheit gar keinen Raum lassen für ein großes Stück Land, d. h. ein herrschaftliches praedium, auf dem doch Williswinda und Kankor das alte Kloster erbaut haben, ganz abgesehen davon, daß dies alte Kloster in der Bensheimer Gemarkung gelegen hätte, wovon nirgends die Rede ist..

Diesen Schenkungen und Veräußerungen der Familie Stahal auf der rechten