kannte Verwandtschaftu), die Stifter, ihm ihr Landgut mitsamt der Peterskirche und dem dabei befindlichen Kloster zu schenken.
Als hervorragendstes Ereignis seiner kurzen Abtszeit erscheint die Schenkung der Reliquien des hl. Nazarius an seine junge Schöpfung. Der Chronist weiß uns darüber S. 6f. etwa Folgendes zu berichten. Ruotgang ernannte wegen-starker In- anspruchnahme durch geistliche und weltliche Geschäfte seinen Bruder Gundeland zum Vorsteher des Klosters Lorsch und beorderte ihn an der Spitze von 16 Brüdern aus dem Kloster Gorze dahin. Inzwischen hatte er sich mit der Bitte um Ober- lassung von Heiligenreliquien für seine Klosterstiftungen an den Papst gewandt, der ihm die Gebeine von 3 Blutzeugen, darunter die des hl. Nazarius nach Gorze schickte. Evoluto dehinc anni circulo schenkte Ruotgang diesen Heiligen dem Klo- ster Lorsch, der unter großem Zudrang von gläubigen Verehrern dorthin über-— tragen wurde.
Nach der Chronologie des Chronisten, der 764 als Gründungsjahr des Klosters Lorsch annimmt, erfolgte die Uberführung im Jahre 765 und als Tag der Ankunft des Heiligen wird von Falk der 11. Juli angenommen. Mit dieser Zeitan- gabe stimmen mehrere annalistische Quellen überein, während andere auch das Jahr 766 angeben¹²). Die Unzuverlässigkeit der Tradition in Zeitangaben wird damit aber- mals dargetan. Die Entscheidung kann also auch hier wieder allein durch die Ur- kunden selbst herbeigeführt werden. Wann aber lassen diese den hl. Nazarius in Lorsch anwesend sein?
Unter der großen Anzahl von Schenkungen an den hl. Nazarius aus dem 13. Regierungsjahre Pippins d. h. der Zeit von November 763—764 lasse ich hier nur diejenigen folgen, die vor dem 11. Juli 764 gemacht wurden, weil die zugehörigen Schenkungsurkunden, selbst wenn wir der Tradition zuliebe Pippin erst November 752 König werden und somit das 13. Regierungsjahr von Nov. 764 bis November 765 dauern lassen, unzweideutig dartun, daß sie den hl. Nazarius als zu Lorsch, anwesend voraussetzen, bevor er nach der Tradition überhaupt zu Lorsch war. Es sind: Nr. 540— 11. März, Nr. 548— 14. März, Nr. 551— 14. März, Nr. 1272 — 11. April, Nr. 417— 12. April, Nr. 1501— 28. April, Nr. 3486— 14. Mai, Nr. 1352 — 23. Mai, Nr. 3231— 12. Juni, Nr. 2724— 27. Juni. Wie läßt sich diesen Ur- kunden gegenüber die Tradition aufrecht erhalten, daß der hl. Nazarius erst 11. Juli 765 nach Lorsch kam, trotzdem er in ihnen allen als schon vorher dort anwesend' erscheint? Soll nun in allen diesen Urkunden durch Unachtsamkeit des Kopisten die Jahreszahl XIII falsch angegeben sein? Freilich ist ja eine große Anzahl von Schenkungsurkunden vorhanden, in denen ganz unmögliche Zeitangaben vorkommen, so Nr. 430— anno xXI, 9048— a. Xll, 955— a. V, 9068— a. XII, 1005— a. XII, 1014— a. Xll, 1075— a. XII, 1082— a. XII, 1356— a. VI, 1436— a. XI, 1443— a. V, 1464— a. XII, 1535— a. IX, 1535— a. V, 1605— a. I, 1736— a. XII, 1931 — a. XI, 1940— a. XI, 3198— a. XII, 3278— a. VI, 3508— a. V. sc. regni Pippini. Alle diese Zeitansätze lassen Schenkungen an den hl. Nazarius in Lorsch erfolgen, ehe das Kloster Lorsch überhaupt gegründet oder der hl. Na-
¹¹) Der Chronist spricht wenigstens S. 2 von ihm tanquam consanguineo der Familie Kankor. 12) Falk S. 140, Anm. 10.


