Aufsatz 
Beiträge zur Geschichte des Klosters Lorsch : 1. Teil / Friedrich Kieser
Entstehung
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nun weder die schon früher an der Südwestseite des Klosterbezirks(Klosterfriedhof) aufgedeckte und von Gieß-Müller 1002 abermals untersuchte Grabkapeile(Hess. Quartalblätter 1902, S. 345/6) von 6 8 m im Lichten mit einer nur 0,5 m dicken Fundamentmauer, noch die von Gieß 1007 nahe dabei aufgefundene und in die Kloster- ringmauer nach außen eingebaute Grabkapelle von 46 m im Lichten wegen ihres geringen Ausmaßes und erstere namentlich wegen der Schwäche ihrer Grundmauern für eine königliche Grabkirche, die mindestens 7 Steinsarkophage und 3 Altäre ent- hielt und noch 4 ½ Jahrhunderte nach ihrer Erbauung stand, in Anspruch genommen werden können, so bleibt die Entscheidung der Frage einstweilen noch in der Schwebe.

Gegen die Gleichung Kreuzwiese= Altenmünster läßt sich aber auch ein ur- kundlicher Beweis erbringen, der um so bedeutungsvoller erscheint, als er zugleich auf die wirkliche Stätte des ältesten Klosters führt.

Am 1. Juni anno secundo regnantibus gloriosissimis regibus Carolo et Kar- lomanno, also 1. Juni 770 schenken der Graf Kankor und seine Gemahlin Angila mit Zustimmung von Kankors Bruder Thuringbert und ihres eignen Sohnes Heimerich (Heinrich) ad monasterium sancti Petri, quod appellatur Lauresham, seu ad sanctum Nazarium martyrem, qui ibidem in corpore requiescit vel ad illam congregationem monachorum, qui ibidem conversari videntur, für alle Zeiten zu vollem Eigentum: terram et sylvam, quae est in illa marcha de Bisistat seu in ipso fine, de illo rubo, qui est de ecclesia sancti Nazarii ad partem meridianam inter partem sancti Petri per Aquilolfum et suos consortes pro signo incisus et inde ad partem orientalem usque in fluvium certum Wisgoz, ubi marcha de Basinsheim con- jungitur et de ipso rubero(rubo) ad partem aquilonis, sicut ipsa incisio arborum in ipsa die facta fuit, quae vulgo lachus appellatur sive divisio, et sic ad illam lig- neam crucem, quae est posita juxta illam viam, quae venit de Bisistat, et inde ad partem aquilonis, sicut illa incisio arborum seu lachus in ipsa die facta fuit usque ad illum monticulum, qui quasi terminus apparet, et inde par ipsam incisionem arborum sive lachum usque in fluvium certum Wisgoz, ubi marcha de Basinsheim conjungitur (C. L. Nr. 10).

Diese Schenkung¹) umfaßt ein sehr umfangreiches Gebiet von Feld und Wald in der Bürstädter Gemarkung, zu der auch die spätere Lorscher Gemarkung ge- hörte, und zwar an ihrer östlichen Grenze, die bis zur Weschnitz reichte, jenseits der die Gemarkung Bensheim lag. Die Abgrenzung dieses Gebietes wurde, soweit die natürliche Wassergrenze der Weschnitz nicht reichte, von einem Markscheider Agilolf und seinen Genossen mit dem Scharbeile durch kreuzförmige Einschnitte, incisio arbo- rum, vorgenommen, d. h. in der bekannten salisch-fränkischen Grenzabsetzungsarts).

4) Dazu vergleiche man Christ, Vom Rhein 1907, 1, S. 3/4, wo freilich die Bedeutung dieser Urkunde für die Bestimmung des Klosters Altenmünster nicht erkannt ist.

5) Siehe darüber Rübel, Die Franken, ihr Eroberungs- uud Siedelungssystem im deutschen Volkslande, 1904, passim und meine Arbeit: Das salisch-fränkische Siedelungssystem und die Heppen- heimer Markbeschreibung vom Jahre 773, Programmbeilage des Bensheimer Gymnasiums, Ostern 1905, S. 40 u. 18 ff. UÜbrigens umfaßte die vorstehende Schenkung Kankors nicht den ganzen sog. Lorscher Wald, wie ich ebenda S. 28 annahm, der, jetzt hessische Domäne, damals noch Zubehör der villa regia Bürstadt war, wie auch Christ l. c. S. 4 mit Recht annimmt.