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et constrictus, tantae multitudinis(wie sie bei der Ubertragung der Gebeine des hl. Nazarius dorthin zusammen strömte) receptui et cottidianae frequentiae non suffi- ciebat et situs ipse loci monasterio tanti nominis et dignitatis postmodum futuro non adeo competebat“, man sich entschließen mußte, einen umfangreicheren Neu- bau(Kloster und Kirche) in editiorem locum, ubi nunc cerni datur, zu verlegen. Nach Fertigstellung dieses Neubaues wurde dann die Leiche des hl. Nazarius in feierlicher Weise dorthin übertragen(C. L. S. 18 und selbst in der Urkunde Karls d. Gr. über die Schenkung seines Königsdorfs Oppenheim, Nr. 7 S. 19 erwähnt). Auch die Ausdrücke transferre und translatio sprechen gegen die Annahme Christs, der das alte und das neue Kloster an dieselbe Stelle, nämlich im heutigen Kloster- bezirke, verlegt und eine ältere Anlage überhaupt leugnet.
Den schlüssigsten Beweis gegen Christs Annahme liefern aber folgende Tat- sachen: Im Lorscher Totenbucheé) heißt es zum 30. August, dem Sterbetage der Williswinda: Sie gab mit ihrem Sohn, dem Orafen Kankor, ihr Landgut(praedium) Lauressa dem Erzbischof Rudgang zur Errichtung klösterlichen Lebens. Damit über- einstimmend sagt eine Notiz bei Joannis, miracula Sancti Gorgonii, cap. II(Pert⸗ Mon. Germ. hist. IV p. 230):„Chrodegang(Ruotgang) übergab den hl. Nazarius einer frommen Frau, die ihn auf ihr Landgut jenseits des Rheins, genannt Lorsan, das sie und ihr Sohn dem hl. Stephan(d. h. der Metzer Kirche) geschenkt hatten, verbrachte“(Christ J. c. S. 2).
Auf diesem Landgute hatten nämlich beide zu Ehren des hl. Petrus(s. o.) eine Kirche erbaut(C. L. Nr. 1), in welche der hl. Nazarius von dem Kloster Gorze bei Metz verbracht wurde.
Als dann, wie oben bemerkt, infolge des Zuströmens zahlreicher Pilger— scharen der Ort zu klein wurde, auf dem das Kloster stand, faßte man die Errich— tung einer größeren und geräumigeren Kirche nebst Kloster ins Auge. Dazu aber gab Thuringbert, der Bruder des Gaugrafen Kankor, am 1. November 767 das nötige Gelände her. Denn in der Schenkungsurkunde(C. L. Nr. 167) heißt es: In Christi nomine... ego Turinchertus propter Deum et reverentiam sancti Nazarii dono ad ipsum sanctum locum, ubi ipse dominus(Nazarius) in corpore requiescit, seu ad ipsos fratres, qui ibidem sub venerabili Gundelando abbate eo deservire videntur, do- natumque in perpetuum esse volo et promptissima voluntate confirmo, hoc est man— sum unum, qui ibidem proprisus est, ad illud claustrum faciendum circa sanc— tum Nazarium et quantumcunque ibidem debetur meae possessioni, de jure meo in jus et dominationem sancti Nazarii dono, trado et transfundo etc. Ebenso heißt es in dem Auszug der Schenkungsurkunde von zweiter, jüngerer Hand Nr. 3788: portionem meam de manso ad ipsum claustrum faciendum etc.
Die Bedeutung dieser Urkunde als einer Schenkungsurkunde über das Bau— gelände, auf welchem um den hl. Nazarius ein Kloster errichtet werden soll, ist bisher nicht gewürdigt worden und auch Christ hat sie nicht erkannt, trotzdem die Urkunde neben den sonst nur üblichen religiösen Motiven des Schenkers und der Angabe des Beschenkten auch noch einen ausdrücklichen und gar nicht miß-
6) Falk, Geschichte des ehemaligen Klosters Lorsch, S. 138, 4.


