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Thatſachen und Zahlen diejenigen eruieren laſſen, welche direkte Beziehung auf einen Gegen⸗ ſtand haben, der in ſeiner Entwicklung betrachtet werden ſoll. Ein derartiges Operieren mit dem gelernten Stoff kann ſchon in Quarta beginnen. Nach Abſolvierung der römiſchen Geſchichte kann man die Biegraphie des Marius konſtruieren laſſen. Die Jahre von 264— 146 können zur Lebensbeſchreibung des Hannibal benutzt werden. Iſt das Penſum der griechiſchen Geſchichte bewältigt, ſo empſiehlt ſich der Aufbau der Geſchichte Korinths, Thebens u. ſ. w. Wenn auch nicht von einem Schüler alle, ſo werden doch von allen zuſammen die nötigen Bauſteine geliefert werden. Haben die Schüler darin einige Ge⸗ wandtheit und unterziehen ſie ſich dieſen Manipulationen außerdem mit einer gewiſſen Rührigkeit und Strebſamkeit, ſo wird bei ihnen auch das ſchwer kontrollier⸗ und meßbare Geſchichtsintereſſe vorauszuſetzen ſein, das doch jeder nach Sekunda mitbringen ſoll.
Wie gewinnen aber die Schüler am beſten jene Maſſe poſitiver Kenntniſſe, an die ſich die eben bezeichneten Operationen anlehnen laſſen? Etwa ſo, daß ſich der Lehrer ein⸗ fach nur auf das Abfragen des dem häuslichen Fleiß anvertrauten Lernſtoffes beſchränkt? Dies wäre das beſte Mittel, den Schüler von allem Denken grundſätzlich abzuhalten. Die Anregung zu letzterem muß er aber unbedingt erhalten, wenn er zu Übungen, wie ſie oben beſchrieben wurden, tauglich werden ſoll. Da ſind es zwei Dinge, die den Schüler zwingen, Gedächtnis und Verſtand in ſtets lebendiger Thätigkeit zu erhalten; nämlich der erzählende Vortrag des Lehrers in der Schule und das gedruckte Hülfsbuch zu Hauſe. Der Lehrer trägt leicht verſtändlich vor und überzeugt ſich durch eingeſtreute Fragen, ferner dadurch, daß er die Schüler das Ganze nacherzählen läßt, davon, ob ſeine Art vor⸗ zutragen dem Faſſungsvermögen ſeiner Zuhörer angepaßt iſt. Die Schüler müſſen den dargebotenen Stoff willig mit Verſtand und Herz aufgenommen haben. Ihre Aufmerk⸗ ſamkeit wird um ſo größer, als ſie wiſſen, bei der Vorbereitung zu Hauſe lediglich auf den Leitfaden angewieſen zu ſein. Indem ſich nun der Schüler an der Hand dieſes Hülfsbuches das vom Lehrer ausführlich Erzählte ins Gedächtnis zurückruft und wenn es ihm wieder zu Gebote ſteht, in den richtigen Zuſammenhang unter ſich bringt, wird einer⸗ ſeits das Gedächtnis, andererſeits der Verſtand geübt. Die feſte Einprägung des Gelern⸗ ten verlangt Herbſt ausdrücklich. Das beſte Mittel dazu iſt die ſtündlich vorzunehmende Wiederholung beſtimmter Abſchnitte in lebhafter, alle Läſſigkeit und Träumerei der Schüler verſcheuchender Frageform.
Zum Zwecke der Abwechslung wurde oben der biographiſche Geſichtspunkt empfohlen; warum kann er nicht überhaupt, wenigſtens für die unteren Klaſſen der einzig maß⸗ gebende ſein? Herbſt macht hierüber einmal die gelegentliche Bemerkung, die Form der biographiſchen Darſtellung in„abſtrakter Übertreibung“ ſei für die Schule ganz unaus⸗ führbar. Damit ſteht aber Herbſt durchaus nicht auf dem Standpunkt derjenigen Päda⸗ gogen, die behaupten, das Intereſſe der jüngeren Schüler gelte in erſter Linie den That⸗ ſachen; die Perſonen ſeien ganz gleichgültig, die Jugend intereſſiere eine Schlacht, ſelbſt wenn ſie den Feldherrn nicht kenne. Herbſt billigt nur nicht die rein biographiſche Darſtellung, weil Biographie manchmal Geſchichte ſein kann, aber Geſchichte nicht immer nur Biographie iſt. Biographieen, verſchiedenen Zeiträumen entnommen, geben wohl eine


