Aufsatz 
Geschichtsunterricht an höheren Schulen nach Grundsätzen von Herbst
Entstehung
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merkſam, daß die neuere und neueſte Geſchichte ihrer deſtruktiven Natur nach mehr den Standpunkt der kritiſchen Reflexion, als den der jugendlichen Liebe und Hingebung vor⸗ ausſetze; letzterer ſoll aber ſo lange wie möglich gewahrt werden. Denn es iſt eine be⸗ kannte Thatſache, daß die receptive Willensfähigkeit eines Schülers, der im Zuſtande fortſchreitender Ausbildung iſt, durch den Skepticismus empfindlich geſchwächt wird.

IV.

Methode des Geſchichtsunterrichts.

Die vorausgegangenen Abſchnitte haben bereits hie und da Veranlaſſung geboten, über die Methode des geſchichtlichen Unterrichts Erörterungen und Winke einzuſtreuen; jetzt aber ſoll die ganze Frage des methodiſchen Verfahrens in mehr allſeitiger und zu⸗ ſammenfaſſender Weiſe behandelt werden.

Wie ſchon das Ziel der beiden Unterrichtskurſe in Quarta und Tertia einerſeits, und in Sekunda und Prima andererſeits ein verſchiedenes iſt, ſo auch die Methode. Es wird zunächſt darauf ankommen, die Behandlungsart des geſchichtlichen Unterrichts in Quarta und Tertia näher zu beſtimmen. Herbſt läßt ſich freilich auf eine Beantwortung dieſer Frage nicht ein, nur aus gelegentlichen, zerſtreuten Andeutungen, ferner auch aus der richtigen Erkenntnis der von ihm gewünſchten Methode für die oberen Stufen wird man ſich ein Bild von dem Vorgehen machen können, das nach ſeinem Dafürhalten in den un⸗ teren Klaſſen eingeſchlagen werden ſoll.

Mögen die Forderungen an die aus Tertia nach Sekunda übergehenden Schüler noch ſo gering ſein, jedenfalls müſſen ſie ein Doppeltes mitbringen. Nämlich den ſicheren Beſitz einer Reihe überſichtlich geordneter Fakten und ein für Geſchichte wach gerufenes Intereſſe. Zunächſt ſoll alſo der Memorierſtoff mit unerbittlicher Genauigkeit eingeübt werden, weil die Erkenntnis an den Kenntniſſen haftet und von der Erkenntnis wieder die warme Teilnahme ausgeht. Es kommt daher vor allem darauf an, daß eine maßvoll beſchränkte Stoffmenge dem Gedächtnis der Schüler als unverlierbares Eigentum feſt ein⸗ geprägt wird. Es iſt dies freilich weit mühſamer und ſchwieriger, wie in anderen Unter⸗ richtsgegenſtänden, z. B. in den mathematiſchen oder ſprachlichen. Eine einzige mathematiſche Beweisführung macht oft die Anwendung mehrerer anderer mathematiſcher Wahrheiten un⸗ vermeidlich. Beim elementaren Sprachunterricht wird alles, was gelernt wird, ſofort ver⸗ ſtandesmäßig erfaßt, ſodann aber auch, weil es in der verſchiedenartigſten Weiſe verwertet wird, geiſtig viel gründlicher und erſchöpfender umgeſetzt. ÄAhnliche Operationen laſſen ſich im geſchichtlichen Unterricht nicht ſo leicht finden, der Lehrer darf ſich alſo die häufig wie⸗ derhelte Durchnahme des Stoffes nach mehr einförmigen, wenig Abwechslung bietenden Geſichtspunkten nicht verdrießen laſſen. Immerhin iſt aber der bezeichnete Mangel des geſchichtlichen Unterrichts anderen Disciplinen gegenüber nicht ſo groß, daß er jede Varia⸗ tion ausſchlöſſe. So kann man z. B. ganz wirkſam aus einer beſtimmten Maſſe von