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Wie Herbſt über die Verteilung des Stoffes in Sekunda und Prima denkt, iſt be⸗ reits angedeutet worden, denn ich habe bei der Entſcheidung der Frage über die Anord⸗ nung in Quarta und Tertia die Herbſtſche Anſicht über die Einteilung in den oberen Klaſſen zur Vorausſetzung gemacht. Und es iſt nun für Herbſt zweifellos, daß nach Sekunda die griechiſch⸗römiſche, nach Prima die mittelalterliche und neue Geſchichte gehöre. Warum wollen viele Pädagogen die alte Geſchichte, für das Gymnaſium wenigſtens, in die Prima verlegt haben? Der Grund liegt in der vorwiegenden Stellung, welche die klaſſiſchen Studien auf dem Gymnaſium einnehmen. Mithin ſoll auch die alte Geſchichte die Krone des ganzen hiſtoriſchen Unterrichts bilden. Herbſt tritt dieſer Forderung im Prinzip nicht entgegen, geht aber in der Praxis ſeine eigenen Wege. Er hat einen Modus zu finden gewußt, durch den er ſeinen eigenen Plan durchführt, ohne die Anſprüche ſeiner Gegner ganz abweiſen zu müſſen. Was nämlich die Folge davon wäre, wenn die alte Geſchichte von Sekunda ab dem Gedächtnis und dem Intereſſe der Schüler überlaſſen bliebe, weiß Herbſt ſehr wohl einzuſehen. Zuvörderſt würde ſich der Schüler nicht dann mit der alten Geſchichte beſchäftigen, wenn er im Zuſtande ſeiner für die Gymnaſialzeit in Betracht kommenden höchſten geiſtigen Ausbildung iſt. Man würde ihm von der Schule aus gar keine Veranlaſſung gegeben haben, ſich dieſem Gebiet mit allmählich ge⸗ ſteigertem Verſtändnis zu nähern. Nichts widerſpricht aber dem inneren Organismus des Gymnaſiums mehr, als einen den Schülern beigebrachten Steff auf einmal brach liegen zu laſſen und ihn nicht mit nach und nach erſtarkter Faſſungskraft immer wieder aufs neue zu bearbeiten. Wollte man von Sekunda ab die alte Geſchichte ganz unberückſichtigt laſſen, ſo könnte man den Gegnern, wenn ſie verlangten, ſie dann beſſer überhaupt nicht zu lehren, mit ſtichhaltigen Gründen kaum begegnen. Der Lernſtoff der Sekunda muß immer friſch gehalten und zu ſtets tieferem Verſtändnis gebracht werden. Zu dieſem Zwecke ſchlägt Herbſt vor, in Unterprima der Wiederholung und beſſeren Durchdringung der alten Geſchichte je eine Stunde wöchentlich zuzuwenden. In Oberprima ſollen dagegen nur ungefähr zehn Stunden mit Einhaltung der nötigen Zwiſchenräume für ausgewählte Kapitel der alten Geſchichte angeſetzt werden. Noch ein anderer Grund, weshalb alte Geſchichte nach Sekunda, mittelalterliche und neue nach Prima gehöͤrt, ſoll gleich folgen. Vorausſetzung iſt, daß neuere und neueſte Geſchichte überhaupt Gegenſtand des Unterrichts ſein ſoll. Aber nur, wenn ſie gehörig verſtanden wird, darf man begründete Ausſicht auf Erfolg haben. Das Verſtändnis iſt ja das allein maßgebende Moment im Unterricht. Wirklich begriffen wird ſie aber noch am eheſten in der oberſten Klaſſe. Mittelalterliche Geſchichte iſt in Sekunda ſchon eine didaktiſche Schwierigkeit, neuere und neueſte eine direkte Unmöglichkeit. Herbſt erinnert an den Weltkampf zwiſchen Reich und Kirche, an das Städteleben, an die Entwicklung der Landeshoheit, an die Reformation, den Freiheits⸗ kampf der Niederlande, die engliſche und franzöſiſche Revolution und fragt, bis zu welchem Grade des Verſtändniſſes in dieſen Dingen man mit Knaben von fünfzehn bis ſechzehn Jahren kommen könne. Schon das annähernde Begreifen des Kauſalitätsprinzips verlangt für die neuere Geſchichte eine ganz andere Schulung als für die alte, wo alles das Ge⸗ präge der Einfachheit und durchſichtigen Klarheit trägt. Herbſt macht ferner darauf auf⸗


