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ſichere Garantie, daß ſich die Reflexion nicht voreilig einmiſche. Wenn auch die Weckung des religiöſen Gefühls und die Kenntnisnahme der Offenbarungsthatſachen unſtreitig den Hauptzweck des Unterrichts in der bibliſchen Geſchichte bilden, ſo iſt er immerhin für den ſpäter folgenden Unterricht in der Profangeſchichte außerordentlich fruchtbar. Betrachtungen nämlich wie die von der Erweiterung der Familie zum Volk, von Wanderungen einzelner Völker, von der Gründung gewiſſer Regierungsformen ſind ſicherlich darnach angethan, der Jugend die Grundbegriffe über geſchichtbildende Ereigniſſe beizubringen. Die bibliſche Geſchichte iſt ferner geeignet, in dem Schüler ſehr frühe die Sympathie für Perſönlich⸗ keiten zu entwickeln, die ſich durch großartige Leiſtungen beſonders hervorgethan. Zweifel⸗ haft aber erſcheint, ob es ratſam iſt, bei dieſem Unterricht etwas ausführlicher, als es gewöhnlich zu geſchehen pflegt, auch von denjenigen Völkern zu ſprechen, denen das Volk Israel auf ſeinen Wanderungen begegnet iſt. Der Eindruck der Geſchichte Israels ſoll doch ganz und ungeteilt ſein. Gelegentliche Mitteilungen über perſiſche, ägyptiſche und phöniziſche Geſchichte werden freilich unumgänglich ſein.
Während aber Herbſt mit den wärmſten Worten die bibliſche Geſchichte empfiehlt, betont er ein anderes Mittel, vermittelſt deſſen man dem hiſtoriſchen Unterricht mit Erfolg vorarbeiten kann, mit weniger Nachdruck. Es iſt die Sagengeſchichte. Wenigſtens ſpricht er davon nur da, wo er den Wunſch äußert, daß in den Elementarleſebüchern ganz beſonders auf geſchichtliche Stoffe Rückſicht genommen werden möge und weiſt gelegentlich auch auf die Sagengeſchichte hin. Obſchon nun Herbſt überhaupt nicht die Abſicht hat, ſich über die beſte Vorbereitung zum hiſtoriſchen Unterricht näher auszuſprechen, ſo geht doch aus Obigem hervor, daß er die bibliſche Geſchichte ganz beſonders hochhält. Jedenfalls iſt man aber berechtigt, auch in der Sagengeſchichte als integrierendem Beſtandteil des deut⸗ ſchen Unterrichts ein ſchätzbares Förderungsmittel zu erblicken. Der Grund für ihre Zuläſſigkeit überhaupt, ſowie das Kriterium für die richtige Auswahl liegt in der leichten Verſtändlichkeit einerſeits und in der großen Anziehungskraft andererſeits. Der kritiſche Verſtand wird ja ſpäter die hiſtoriſchen Sagen zertrümmern, aber darin liegt kein Motiv, ſie überhaupt aus der Schule zu verbannen. Zunächſt lehnen ſich die hiſtoriſchen Sagen doch immer an wirklich geſchichtliche Stoffe an und wollen in ihrer Art zur Erklärung letz⸗ terer beitragen. Daher kommt es, daß faſt jede Sage einen wahren Kern birgt. Aber ſelbſt das Gegenteil angenommen, ſo wäre die Sagengeſchichte immerhin in vorzüglichem Maße ge⸗ eignet, dei der Jugend vorerſt die Phantaſie zu beleben und das Herz zu erwärmen in einer Zeit, wo von einer verſtandesmäßigen Erfaſſung geſchichtlicher Dinge noch wenig die Rede ſein kann. Nur fragt es ſich, ob in der unterſten Klaſſe bibliſche Geſchichte und Sa⸗ generzählung nebeneinander herlaufen ſollen. Offenbar würde dadurch Phantaſie und Gemüt der Schüler nach verſchiedenen Seiten in Anſpruch genommen, ſie würden ſich dem Gegenſtande nicht mit der Hingebung widmen, wie es der Fall wäre, wenn entweder nur Sagengeſchichte oder nur bibliſche Geſchichte gelehrt würde. Wer nun die einſachen, aber ſtarken Eindrücke den bunten vorzieht, wird es für geraten halten, auf der unterſten Stufe lediglich bibliſche Geſchichte zu treiben(in der Religionsſtunde), dagegen auf der zweiten antike und auf der nächſtfolgenden deutſche Sagengeſchichte. Letztere wird hier als der


