Aufsatz 
Geschichtsunterricht an höheren Schulen nach Grundsätzen von Herbst
Entstehung
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ereigniſſe ſchon voraus und dieſe ſoll doch erſt durch den Geſchichtsunterricht gewonnen werden.¹)

III. Verteilung des Stoffes auf die einzelnen Klaſſen.

Im allgemeinen ſteht Herbſt auf dem Standpunkte der preußiſchen Schulverordnungen, wonach z. B. für das Gymnaſium der Unterricht in der Profangeſchichte erſt in Quarta beginnt, nachdem ein paſſender propädeutiſcher Unterricht in den vorhergehenden Klaſſen er⸗ teilt worden iſt. Worin ſoll letzterer beſtehen? Hauptſächlich in der Beſchaffung der geo⸗ graphiſchen Grundlage, in der bibliſchen Geſchichte und der Sagengeſchichte. Daß die Gewinnung einer möglichſt großen Summe von geographiſchen Kenntniſſen für den Ge⸗ ſchichtsunterricht nur heilſam, ja unentbehrlich iſt, liegt auf der Hand. Die geographiſche Vorbildung für überflüſſig halten oder ſie nur vernachläſſigen, hieße ein Schauſpiel vor⸗ führen, ohne eine Orientierung auf dem Schauplatze zu geſtatten. Je klarer und ſicherer die auf geographiſchem Gebiete gewonnenen Anſchaunngen ſind, um ſo erfreulicher werden die Fortſchritte im Geſchichtsunterricht ſein. Unentbehrlich wäre demnach die Kenntnis der Verteilung von Waſſer und Land auf der Erdoberfläche, der bedeutendſten Küſtengeſtal⸗ tungen, der wichtigſten Gebirge und Flüſſe, der hauptſächlichſten klimatiſchen Unterſchiede. Einer beſonderen Ausbildung bedarf ſchließlich noch die Fertigkeit, ſich auf der Karte zurechtzufinden. Mit Rückſicht darauf wird es notwendig ſein, den geographiſchen Unter⸗ richt von der Einmiſchung aller geſchichtlichen Erzählungen, wozu es ſo oft und leicht Gelegenheit giebt, freizuhalten und die gegebene Zeit auf einen Zweck zu konzentrieren. ²) Denn alles nur gelegentlich Erwähnte hat keinen dauernden Wert, wenn es nicht plan⸗ mäßig zuſammengefaßt und nach wechſelnden Geſichtspunkten repetiert wird. Dazu wäre in dieſem Falle gar keine Zeit. Mithin würde der ſo erteilte Geographieunterricht mehr zerſtreuen und verwirren als förderlich wirken.

Sehr viel verſpricht ſich Herbſt von der bibliſchen Geſchichte, welche die Hauptrolle in der Vorbereitun; zum geſchichtlichen Unterricht übernehmen ſoll. Es iſt vom didak⸗ tiſchen Standpunkte aus geradezu als ein Glück zu ſchätzen, in der bibliſchen Geſchichte den Stoff zu beſitzen, der zugleich Religion und Geſchichte iſt. Das kindliche Herz tritt der bibliſchen Geſchichte als der heiligſten Ueberlieferung mit der größten Empfänglichkeit ent⸗ gegen. In der Eigenart dieſes erſten Unterrichts als eines Religionsunterrichts liegt die

¹) Eine beſondere Unterweiſung in der Kulturgeſchichte alsNachtrag zur politiſchen Geſchichte erſt hintendrein geben zu wollen, iſt ebenſo verkehrt, als Quartanern vor Beginn des Geſchichtsunterrichts den Be⸗ griff und das Weſen der Geſchichte klar machen zu wollen.

²) Die heftigen Vorwürfe wegen Vernachläſſigung des Geographieunterrichts, wie ſie auf dem vorjährigen Geographenkongreß in Berlin gegen das Ehuinafum laut geworden, üden in der Nichtbeachtung dieſer Mah⸗ nung ihre teilweiſe Berechtigung.