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deutlich genug aus, wie er ſich die Beſchränkung für die alte Geſchichte vorſtellt. Aber auch ſelbſt die Geſchichte Israels gehört nicht in den eigentlichen Geſchichtsunterricht, ſon⸗ dern muß in der Religionsſtunde abſolviert werden. Dem Geſchichtsunterricht ſoll nur übrig bleiben, etwa auf die Geburt Chriſti und auf die Zerſtörung Jeruſalems etwas näher einzugehen. Wenn man ſich aber von dem Geiſte leiten läßt, der die ganze Herbſtſche Theorie beherrſcht, ſo wird man annehmen können, daß es dem Lehrer unbe⸗ nommen iſt, bei dieſer Gelegenheit auf die ganze jüdiſche Geſchichte in kurzen Zügen zurückzukommen. Denn wenn die Kenntnis der jüdiſchen Geſchichte überhaupt billige Forderung iſt, ſo iſt es geradezu die Pflicht des Geſchichtslehrers, bei paſſend gegebener Veranlaſſung ſich zu überzeugen, ob die zwiſchen Geſchichts⸗ und Religionsunterricht ein⸗ getretene Arbeitsteilung in zufriedenſtellender Weiſe vor ſich gegangen iſt.
Die Verzichtleiſtung auf einen ausgedehnteren Unterricht in der orientaliſchen Geſchichte rechtfertigt ſich durch folgende Gründe. Es braucht nicht erſt bewieſen zu werden, daß die Kenntnis der alten Welt für das Verſtändnis der neuen unentbehrlich iſt. Wenn dem ſo iſt, ſo würde die Herbeiziehung der Geſchichte aller orientaliſchen Völker, alſo der (Israeliten), Phönizier, Aſſyrier, Babylonier, Meder, Perſer, ÄAgypter, Karthager, ſchon um deſſentwillen ein pädagogiſcher Fehler ſein, weil der Unterricht an Durchdringung und Vertiefung verlöre, was er an ſtofflicher Ausdehnung gewänne. Ein höchſt nachteiliges Durcheinander würde in den Köpfen der Schüler entſtehen. Manche, die ſich eines guten Gedächtniſſes erfreuen, würden ſich vielleicht einen ſchönen Schatz poſitiver Kenntniſſe ver⸗ ſchaffen können, ſchwerlich aber werden ſie in den meiſten Fällen befähigt ſein, anſtatt auf die Frage„wann iſt dies geſchehen?“ auf die nach dem„warum“ antworten zu können. Der Unterricht in der orientaliſchen Geſchichte ſetzt aber auch viel zu wenig Bildungs⸗ ſtoff ab, als daß man für eine eingehendere Behandlung Partei ergreiſen könnte. Die Geſchichte der orientaliſchen Völker iſt mehr zuſtändlich und bewegungsles. Sie gleicht in ihren Wirkungen mehr denjenigen eines ſtill fließenden, ſtellenweiſe ſeichten Fluſſes. Die Geſchichte der Griechen(Macedonier) und Römer dagegen geſtaltet ſich als eine Kette hochwichtiger, die Bewunderung der Welt erzwingender Ereigniſſe. Sie iſt ſchon mehr ähnlich einem reißenden Strom, der die größten, ſelbſt für das ungeübte Auge klar ſicht⸗ baren Veränderungen auf das ihn umgebende Land in verhältnismäßig kurzer Zeit ausübt.
Wenn ſchließlich die Forderung eines gegenſeitigen Ineinandergreifens der Unterrichts⸗ gegenſtände keine leere Phraſe ſein ſoll, ſo liegt auch hierin eine Mahnung, der orientaliſchen Geſchichte nicht mehr ſo viel Zeit zu widmen, als es bisher geſchehen iſt. Die höheren Schulen ſind nicht imſtande, jenen Unterrichtsgegenſtand mit irgend einem andern in einen organiſchen Zuſammenhang zu bringen. Auch kann ihn keine Anſtalt in einem wiſſenſchaftlichen Gewande vorführen. Denn eine Berückſichtigung der Quellen verbietet ſich von ſelbſt. Die orientaliſche Geſchichte muß alſo überall da ausgeſchloſſen werden, wo ſie um ihrer ſelbſt willen in Betracht käme; ſie iſt zuzulaſſen, wo ſie zum Verſtändnis griechiſcher und römiſcher Vorgänge unentbehrlich iſt.
Auch beim Unterricht in der mittelalterlichen Geſchichte iſt Beſchränkung oberſtes Geſetz. Schon ganz äußere Gründe gebieten dies. Wenn nicht wie früher das Jahr 1815, ſondern


