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toriſchen Betrachtungsweiſe gehörig geübt, ſo wird er ſich gegenüber der Erſchließung deſſen, was ſich aus der gegenwärtigen Lage der Dinge für die nächſte Zukunft entwickeln wird, viel ſicherer verhalten, als alle diejenigen, denen jene Anregung abgegangen iſt. Alſo Vergangenes in Gegenwärtiges umzuſetzen, wäre eine Fertigkeit, welche die Löſung der Hauptaufgabe des Geſchichtsunterrichts wie von ſelbſt mitbringt.
Ein anderer Gegenſtand, der durch einen richtig erteilten Geſchichtsunterricht Nah⸗ rung erhält und es auch ſoll, iſt der nationale Sinn. Eine ebenfalls würdige Aufgabe, das Individuum für eine Geſinnung zu erziehen, die ſich für alles begeiſtern kann, was das eigne Volk im Laufe der Zeit Großes geleiſtet hat, und für die Männer und Helden, welche die Träger davon ſind. Und glücklicherweiſe bietet die Geſchichte gerade unſeres Vaterlandes ſo vieles, was wahre Liebe zu ihm zu erwecken imſtande iſt. Deutſchland ſpielte im Mittelalter die Hauptrolle, nahm in der neueren Zeit eine bedeutende Stellung ein, die ſich in unſeren Tagen bis zu einem ſo achtunggebietenden Grade emporgeſchwun⸗ gen, daß die Schule allen Grund hat, gerade die vaterländiſche Geſchichte mit einem höheren Maße von lebendiger Friſche und ethiſcher Tiefe zu behandeln. Der Schüler darf nicht an einen engherzigen Patriotismus gewöhnt, ſoll aber auch vor einem ekelhaft ſeichten Kosmopolitismus gehütet werden.— Hand in Hand damit geht die Förderung der ſittlichen Bildung des Schülers. Er wird in ſeinem guten Bewußtſein gehoben, wenn er nach und nach an der Geſchichte die Exiſtenz einer unwandelbaren, ſittlichen Weltordnung wahrnimmt. Dasſelbe geſchieht ferner, ſo oft wirklich großherzige Thaten anerkannt und geprieſen werden, dagegen alles entſchieden mißbilligt wird, was ſich mit der Menſchenwürde nicht verträgt.
Dies ſind die Geſichtspunkte, welche die Aufgabe des Geſchichtsunterrichts auf höheren Schulen beſtimmen, und die Herbſt teils direkt, teils indirekt ausſpricht.
II.
Begrenzung des Stoffes.
Je unabweisbarer der Geſchichtsunterricht nun iſt, um ſo gebieteriſcher macht ſich eine beſtimmte Begrenzung des Stoffes geltend. Keinem Unterrichtsgegenſtand ſteht eine Ueberfülle von Zeit zu Gebote, auch jenem nicht. Man muß mit den Verhältniſſen rechnen, um wenigſtens das zu erreichen, was mit gutem Recht verlangt werden kann. Die Notwendigkeit einer weiſen Beſchränkung erhellt unter anderem aus der Natur des Lehrobjekts ſelbſt. Die große Maſſe geſchichtlichen Materials wäre ohne weſentliche Ab⸗ kürzungen überhaupt nicht lehrbar für Schüler, die doch noch nicht zur vollſtändigen Entwicklung der geiſtigen Kräfte gelangt ſind. Es fragt ſich aber, worin hat dieſe Ein⸗ dämmung zu beſtehen, ſowohl für die alte, mittlere, wie neuere Geſchichte.
„Für die Schule iſt Paläſtina der Orient.“ Mit dieſen Worten drückt Herbſti)
¹)„Zur Frage über den Geſchichtsunterricht auf höheren Schulen“ S. 32.


