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nicht, daß jene überhaupt exiſtieren, ihre Kenntnis muß auf alle mögliche Art verbreitet werden. Dieſem Zwecke ſollen auch die folgenden Zeilen dienen.— Ich gehe nun zur Sache ſelbſt über.¹)
I. Aufgabe des Geſchichtsunterrichts.
Es iſt nur zweckentſprechend, daß die meiſten Unterrichtsgegenſtände, die im heutigen Gymnaſium²) Aufnahme gefunden haben, dieſe Würdigung in erſter Linie ihrer geiſtes⸗ bildenden Kraft verdanken. Die Rückſicht auf Befriedigung praktiſcher Bedürfniſſe iſt etwas Sekundäres. In jenem Gedanken liegt mehr die Berechtigung, in dieſem mehr die Notwendigkeit des Geſchichtsunterrichts. Die Möglichkeit aber, den Geſchichtsunter⸗ richt nach der verſtandesbildenden Richtung hin nutzbar zu machen, iſt eine ſo große, daß die Vermutung ſehr nahe liegt, er könne früher, wo man daran nicht gedacht, mit der ihm zugewendeten Müheleiſtung durchaus nicht im Einklang geſtanden haben. Man
¹) Als Quellen dienen vor allem Herbſts„Hiſtoriſche Hülfsbücher für die oberen Klaſſen der Gymnaſien und Realſchulen“ ſelbſt(I. Teil in neunter, II. und III. Teil in ſiebenter Auflage. Wiesbaden. C. G. Kunzes Nachfolger). Sodann zwei inhaltsſchwere Monographieen desſelben Verfaſſers: Zur Frage über den Geſchichtsunterricht auf höheren Schulen. Mainz 1869; und Die neuere und neueſte Geſchichte auf Gymnaſien. Mainz 1877. Herbſts Aufſatz über Geſchichtsunterricht auf höheren Schulen in der neuen Auflage von Schmids Encyklopädie war mir leider nicht zugänglich. Wie mir aber der Verfaſſer ſelbſt mitzuteilen die Güte hatte, ſtimmt dieſe neueſte Darſtellung mit den früheren in allen weſentlichen Punkten überein. Außerdem gehören noch hierher die namhafteren kritiſchen Recenſionen, die in den verſchiedenſten gelehrten Zeitſchriften über die hiſtoriſchen Hülfsbücher erſchienen ſind.
²) Der Weſensunterſchied zwiſchen Gymnaſium und Realſchule bringt es mit ſich, daß nur die meiſten, nicht aber alle hier ausgeſprochenen Grundſätze für beide Anſtalten gleiche Geltung haben. Schon die gründ⸗ lichere Behandlung der alten Sprachen im Gymnaſium und die weiter gehende Pflege der neueren in der Real⸗ ſchule deuten darauf hin. Herbſt kommt den verſchiedenen Bedürfniſſen dadurch entgegen, daß er die alte Ge⸗ ſchichte in einer beſonderen Ausgabe für Realſchulen behandelt, in welcher die mit griechiſcher Schrift gegebenen Benennungen ganz wegfallen oder durch deutſche erſetzt ſind. Für die neuere Geſchichte hat er bis jetzt noch keine Trennung vorgenommen. Er ſpricht ſich darüber folgendermaßen aus:„Ich gebe gerne zu, daß ſich für die Realſchule die Frage(über die Behandlung der neueren Geſchichte) etwas anders ſtellen kann, weil hier die alte Geſchichte nicht die centrale Stelle einnimmt und die Einführung in die neueſte, der Gegenwart und ihren Intereſſen unmittelbar nahe liegende Geſchichte, der Idee dieſer Schule mehr gemäß ſein mag. Einen Grund indes, in meinem Buch ſchon jetzt nach dieſer Seite zu ändern, d. h. auch in dem Abriß der neueren Geſchichte eine beſondere Redaktion für Realſchulen abzuzweigen, ſehe ich noch nicht. Es iſt nicht an der Zeit zu fragen, ob nach fünfzig oder handert Jahren und mehr ſich das Bedürfnis anders ſtellen werde. Das ſind Zukunftsge⸗ danken. Je mehr ſich die Geſchichte— und als eine inhaltsvolle— ausdehnt, deſto mehr wird die Jugend⸗ bildung die Kunde der älteſten Zeiten beſchneiden müſſen, wie wir heute ſchon die Geſchichte des Orients als ſolche für unlehrbar halten. Es iſt faſt wie mit dem Blicke auf die ferne Zukunft der großen Städte; wir wiſſen auth da nicht, was nachher werden ſoll. Aber das ſind keine Sorgen für heute.“(Die neuere und neueſte Geſchiche auf Gymnaſien S. 37 ff.)


