Aufsatz 
Über den direkten und indirekten Sprachunterricht. Ein Beitrag zur Lösung der Frage:"Wie ist es möglich, die Lernlast der Jugend zu vermindern, ohne geistige Ausbildung zu beeinträchtigen?"
Entstehung
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Dies ohne den geringſten Zweifel bejaht werden. Jeder Schulmann wird den Lehrplan für ſieben Jahre ſo zuſammenziehen können, daß derſelbe auf fünf oder gar vier Jahre paßt, und auch die nöthige Reduktion in der Stundenzahl anzuordnen wiſſen, indem er z. B. zwei mög⸗ lichſt gleichartige Uebungen in einer Stunde, freilich ſucceſſive, vornimmt. Daß die direkte Me⸗ thode am Schnellſten zum Ziele führt ſie iſt ja der geradeſte Weg unterliegt keinerlei Zweifel, und ſo dürfte ſie eben für ſolche beſchränkte Verhältniſſe am Meiſten zu empfehlen ſein. Durch ſie wird der Schüler auch in 4 Jahren in den Beſitz von einem Franzöſiſch und Engliſch gelangen, welches er im praktiſchen Leben wirklich benutzen kann, ſtatt theoretiſche Un⸗ beholfenheit zur Schau zu tragen.

An der Stundenzahl, welche oben beſtimmt wurde, läßt ſich überhaupt noch Manches nach den beſonderen Verhältniſſen ändern. Ich habe die Idee angegeben, wie ſie in unſerer Töchter⸗ ſchule theils realiſirt vorliegt, theils in Ausſicht genommen iſt. Nur müſſen die verſchiedenen Seiten der Sprachübungen ſämmtlich berückſichtigt werden, wenn das Ganze nicht eine Maſchine werden ſoll, in welcher hier und dort ein Rad fehlt.

Das größte Hinderniß übrigens, die direkte Methode in Anwendung zu bringen, lag bis⸗ her noch in dem Mangel an geeigneten Lehrbüchern. Wir waren deßhalb genöthigt, eigne Kurſe auszuarbeiten, die aber erſt dann ihre volle Wirkung thun können, wenn ſie gedruckt und in den Händen der Schüler ſind. Inzwiſchen iſt ein Werk erſchienen:Naturgemäße Unterrichtsmittel von Louvier. Das 1. und 2. Jahr des franzöſiſchen Unterrichts; Hamburg 1864 und 1865, welches recht wohl zu dem vorgeſchlagenen Zwecke gebraucht werden kann, obgleich es den Fehler beſitzt, Leitfaden für den Schüler und Handbuch des Lehrers zugleich zu ſein. Es iſt bereits in mehren Schulen Hamburgs und Altona's eingeführt, und hat auch ſonſt Anerkennung und Ver⸗ breitung gefunden. Zur Vergleichung der Sprachen dagegen könnte der Anfang meiner 1860 erſchienenen deutſchen Grammatik(Franzöſiſch, Engliſch, Deutſch) und weiterhin Hacksver⸗ gleichende Sprachmethode 1865(Italieniſch, Franzöſiſch, Engliſch, Deutſch) dienen, bis das Ganze der natürlichen Methode in ſyſtematiſch ausgearbeiteten Lehrbüchern vorliegt.

Sollte, endlich noch, Jemand die Anſicht aufſtellen, die direkte Methode führe zwar zu größerem ſprachlichen Gewinne, erleichtere aber nicht, wie die Ueberſchrift unſerer Abhandlung verheißt, die Arbeitslaſt der, Schüler; ſo möge dagegen erinnert werden, daß durch die direkte Methode das zeitraubende, geiſttödtende Vokabellernen faſt ganz beſeitigt, und die Menge der häuslichen Arbeit auf ihr Minimum reduzirt wird, daß alſo jedenfalls eine Erleichterung ein⸗ tritt. Noch bedeutſamer aber iſt der Umſtand, daß auf dieſem Wege in derſelben Zeit mindeſtens doppelt ſo viel Franzöſiſch gelernt wird; dreht man alſo die Sache um, und begnügt ſich mit dem jetzt gewöhnlichen Quantum des Könnens, dann leuchtet unmittelbar ein, daß man die Hälfte der Zeit ſpart, und ſomit wirklich den Schüler erleichtert.

Wenn Das aber beim Sprachunterricht möglich iſt, ſollte es da bei den andern Unterrichts⸗ gegenſtänden unmöglich ſein? Nur die Routine mit ihrem engen Geſichtskreiſe oder die ſelbſt⸗ genugſame Trägheit möchteja dazu ſagen. Der Lehrer, wie er ſein ſoll, darf niemals mit ſich oder ſeiner Methode zufrieden ſein, ſondern ſtreben, ſo lange er lehrt; dann wird auch der rechte Erfolg nicht fehlen. Die deutſche Nation muß ihre Umſtändlichkeit und Unentſchloſſenheit