Aufsatz 
Über den direkten und indirekten Sprachunterricht. Ein Beitrag zur Lösung der Frage:"Wie ist es möglich, die Lernlast der Jugend zu vermindern, ohne geistige Ausbildung zu beeinträchtigen?"
Entstehung
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immer mehr ablegen, wenn ſie im Völkergedränge nicht zurückbleiben will. Iſt einmal Selbſt⸗ lob erlaubt, ſo mögen wir immerhin unſere deutſche Treue, Biederkeit, Arbeitſamkeit preiſen, aber gelegentlich, neben den vielen Lobliedern, auch einmal Epigramme in das Buch unſerer Selbſt⸗ erkenntniß ſchreiben. Die Zeit, wo das nachſtehende Epigramm allgemeingültig war, iſt noch immer nicht ganz entſchwunden.

Durch langes, langes Rathen

Kommt der Deutſche erſt zu Thaten;

Ja, als lobenswerthe That

Gilt ihm ſchon ein langer Rath;

Und doch iſt ein ganzer Rath

Halb ſoviel wie halbe That.

Direktor Budich legte der Leipziger Lehrerverſammlung die Frage vor: Was hat unſere Unterrichtsweiſe von anderen gebildeten Nationen zu lernen? und nannte unter Anderem raſcheren Gang des Elementarunterrichts. Ich möchte hinzufügen überhaupt ein raſcheres Handeln. Iſt unſer Schulunterricht der Geſundheit des heranwachſenden Ge⸗ ſchlechts ſchädlich, ſo laßt uns ihn ändern, und jede Crleichterung, die zur Hand liegt, ſofort anwenden. Zu warten, bis Alles geebnet ſei, und das ganze Syſtem fertig, iſt zwar vorſichtig und ſehr gründlich, aber auch entſchieden unpraktiſch.

Schließlich aber möchte ich einem möglichen Misverſtändniſſe entgegentreten. Den Satz nämlichZu vieles Lernen ſchadet der Geſundheit könnten allzuzärtliche Eltern als Auf⸗ forderung zur Verweichlichung deuten und benutzen. Aber ſo Etwas liegt durchaus nicht darin. Im Gegentheil man kann und ſoll den Kindern tüchtige Geiſtesanſtrengung zu⸗ muthen, wenn man ihnen nur Zeit und Gelegenheit zu ebenſo tüchtiger Körperanſtrengung verſchafft. Nicht die Anſtrengung ſchadet, ſondern die einſeitige Anſtrengung. Unſere Abſicht, wie das Thema ſie andeutet, iſt, die Lernlaſt zu erleichtern, ohne die geiſtige Ausbildung zu verringern, und geiſtige Ausbildung vermag Niemand ohne Anſpannung aller ſeiner Kräfte zu erwerben.