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Um auch Gelegenheit zu ganz freier Lektüre zu geben, iſt es nöthig, eine Jugendzeit⸗ ſchrift unter den Schülern zirkuliren zu laſſen, aus welcher Dieſelben zu Hauſe Beliebiges leſen, ohne darüber irgend eine Rechenſchaft abzulegen.
I. Klaſſe(7. Jahr.) 8 St.
Mündlich. Konverſation in der Klaſſe. Als Gegenſtand dient Naturgeſchichte Mythologie und Geſchichte der franzöſiſchen Litteratur. 1 St.
Privatkonverſation, wie in der II. Klaſſe. 1 St.
Lektüre. Theoretiſche. Die klaſſiſchen Dichter: Corneille, Racine, Moliere. 2 St.
Praktiſche. Moderne Dramen, etwa Maitre Favilla von G. Sand, Le cigué von Augier, Jeanne d'Arc von Daniel Stern, Les Enfans d'Edouard von Delavigne ꝛc. 1 St.
Schriftlich. Stiliſtiſche theoretiſche Aufſätze. Thema mit kürzerer Dis⸗ poſition gegeben, Lettres, Narrations, Tableaux, Caractéères: politiques, littéraires et moraux; Considérations etc. 1 St.
Stiliſtiſche praktiſche Aufſätze. Die Thema aus Mineralogie, Aſtronomie. Ferner— Geſchäftsbriefe, Quittungen, Inſerate ꝛc. 1 St.
Auszüge und Vorträge. AÄhnlich wie in Klaſſe II. 1 St.
Behufs der freien Lektüre zirkuliren auserwählte Bücher und eine mehr wiſſenſchaftliche Zeitſchrift.
Damit etwa wäre ein Abriß der direkten Methode gegeben.
Fachmänner werden auf den erſten Blick bemerken, daß hier alle Elemente der Unterrichts⸗ kunſt berückſichtigt ſind: Analyſe und Syntheſe, Induktion und Deduktion, Heuriſtik und Dog⸗ matismus, Dialogiſtik und Akroamatik; der Lehrgang vom Leichten zum Schweren, vom Ein⸗ ſeitigen zum Vielſeitigen ꝛc. So tritt die direkte, natürliche Methode keiner der bisher bekannten Methode feindlich gegenüber, ſondern nimmt deren geſunde Elemente in ſich auf.
Daß die direkte Methode dem Tadel entrinnen ſollte, ſteht freilich nicht zu erwarten, ſchon weil ſie als neu erſcheint. Es iſt ein ehrenwerther Zug im deutſchen Nationalkarakter, das Alte hochzuhalten; aber darin liegt zugleich auch Schwäche und Gefahr. Der Epigrammendichter Logau ſagte einſt:„Das Schlechte, wohlgeſtellt, laß ſtehen, wie es ſteht; es iſt noch ungewiß, ob's gut mit Neuem geht,“ und gab damit dem Elende früherer deutſcher Unbeholfenheit den vollſten naiven Ausdruck.
Auch jetzt gibt es noch Leute, welche den Schluß ziehen möchten:„Weil wir bisher auf zeitraubende, unfruchtbare Weiſe neuere Sprache gelehrt haben, muß es in alle Zukunft ſo bleiben“— allein ſie werden entſchieden in der Minderzahl ſein.
Dagegen liegt ein Einwurf nahe, den ich ſogleich beſprechen möchte. Die natürliche Methode wird Manchem zu praktiſch erſcheinen. Grammatik, heißt es, iſt eine vortreffliche Schulung des Geiſtes, und die Grammatik tritt bei dieſer Methode doch in den Hintergrund. Das iſt Beides richtig. Logik ſollte jeder Menſch lernen, und er lernt ſie am Leichteſten durch Betrach⸗ tung des logiſchen Baues der Sprache. Aber der innere Bau einer Sprache läßt ſich erſt dann ſtudiren, wenn man ſie bereits mechaniſch in ſeiner Gewalt hat, und das iſt zunächſt die


