Aufsatz 
Über den direkten und indirekten Sprachunterricht. Ein Beitrag zur Lösung der Frage:"Wie ist es möglich, die Lernlast der Jugend zu vermindern, ohne geistige Ausbildung zu beeinträchtigen?"
Entstehung
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ſondern iſt höchſtens ein ganz kleines, ſchwaches Fädchen in dem großen Gewebe des Lernens und Lehrens.

Auch bedachten weder jene Fragſteller noch die Sachkundigen, daß man zum Beſitz einer Sprache weniger durch Denken als durch Ueben gelangt, und daß dazu viel Stoff und Zeit gehört. Ein deutſches Kind hat vielleicht tauſendmal mehr Beiſpiele, als im Ollendorf ſtehen, geſprochen und geſchrieben, ehe es deutſch zu reden und ſchreiben vermochte ſollte ihm das Franzöſiſche leichter werden? Wer eine ganze fremde Sprache weiß, kann ſie darum noch nicht, und tritt im Leben auf wie ein Konzertſpieler, welcher die Theorie der Muſik, aber keine Praxis getrieben hat. So kommen wir zu dem Reſultate, daß die Abhülfe, welche jene Familienväter ſuchten nur durch die direkte Methode erlangt werden kann.

Schon die einfachſte Betrachtung muß uns überzeugen, daß es, um eine fremde Sprache reden und ſchreiben zu lernen, keinen anderen Weg gibt als die direkte Methode, denn ſie iſt die natürliche. Jeder Engländer hat durch ſie Engliſch, der Franzoſe Franzöſiſch, der Deutſche Deutſch gelernt.

Freilich folgt daraus nicht, daß ſie nun ſo ganz einfach aus dem Leben der Franzoſen herübergenommen werden könnte. Um ſie überhaupt möglich, und alsdann auch geiſtbildend zu machen, muß Viel hinweg-, und Viel hinzugethan werden. Bonnenweſen und Dilettantismus dürfen und können in unſeren Schulen nicht aufkommen. Alles Nichtwiſſenſchaftliche iſt ſchon im Voraus gerichtet und verworfen.

Wiſſenſchaftlich aber wird die Methode des Sprachſtudiums nur dann, wenn ſie alle Seiten desſelben berückſichtigt. Faſſen wir alſo, zur beſſeren Verſtändigung, dieſe Seiten zu⸗ nächſt in's Auge!.

1. Das Sprachlernen muß material und formal wirken, d. h. wir müſſen dadurch Kennt⸗ niſſe und Fertigkeiten, ſowie auch Geiſtesbildung erwerben.

2. Wir müſſen die bezügliche Sprache verſtehen lernen: die geſprochene wie die geſchriebene, und ſie ſprechen und ſchreiben können.

Daraus ergeben ſich mit Nothwendigkeit folgende Uöungen:

1. Wörter und Redensarten lernen(lexkaliſche Übungen).

2. Den Bau der Sprache erforſchen(grammatiſche Uoungen).

3. Das Verſtehen der Sprache:

a) Das Hören(Der Lehrer ſpricht und lieſt vor.) b) Das Sehen(der Schüler lieſt). 4. Das Anwenden der Sprache: a) Mündlich(der Schüler ſpricht und lieſt vor). b) Schriftlich(der Schüler ſchreibt). Das Vergleichen der fremden Sprache mit der Mutterſprache: a) Die Sprachgeſetze werden verglichen(vergleichende Grammatik). b) Die Sprachformen. Dahin gehört das Ueberſetzen(aus dem Fran⸗ zöſiſchen in's Deutſche), und das Uebertragen(aus dem Deutſchen ins

Franzöſiſche).

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