Aufsatz 
Über den direkten und indirekten Sprachunterricht. Ein Beitrag zur Lösung der Frage:"Wie ist es möglich, die Lernlast der Jugend zu vermindern, ohne geistige Ausbildung zu beeinträchtigen?"
Entstehung
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6. Die meiſten dieſer Uebungen können ſtatariſch(verweilend) oder kurſoriſch(ſchnell fortſchreitend) ſein. Weder das mit Bemerkungen über Grammatik, Stiliſtik, Poeſie und Realien verbundene Ueberſetzen eines franzöſiſchen Schriftſtellers iſt hinlänglich, noch das raſche, ununter⸗ brochene, ſondern Beides nebeneinander. Jenes gibt keine Gewandtheit Dieſes keine Gründ⸗ lichkeit. Ebenſo iſt es mit den Uebertragungen und Aufſätzen, ja ſogar mit der Konver⸗ ſation.

Unter den indirekten Methoden hat ſich früher die von Schaffer und ſpäter die von Plötz am Meiſten der Vollſtändigkeit genähert. Ob auch die direkte Methode dazu fähig iſt? Eine nähere Unterſuchung muß darüber entſcheiden. Es wird ſich daraus ergeben, daß die direkte Methode vollkommen allen obigen Forderungen genügen kann, und ſie muß es, will ſie eine Zukunft haben.

Denken wir uns eine Schule von ſieben Klaſſen mit Schülern von ſieben oder acht bis fünfzehn Jahren! In einer ſolchen würde der franzöſiſche Unterricht nach der direkten Methode etwa folgende Geſtalt annehmen.

Unterſtufe. Drei Klaſſen mit Jahreskurſus.

VII. Klaſſe, 3 Stunden wöchentlich. Kein Buch, auch nichts Geſchriebenes, ſondern nur Bilder zum Anſchauungsunterrichte, z. B. die müllerſchen oder ſtahlſchen Wandtafeln. Der Lehrer zeigt mit einem Stäbchen die einzelnen Gegenſtände, und ſagt die franzöſiſche Benennung die Kinder ſprechen nach, einzeln, im geordneten Chor, bis zur Geläufigkeit. Aus den erlernten Wörtern werden einfache Sätze gebildet, kleine Beſchreibungen, Erzählungen; das Zählen erweitert ſich zu Ad⸗ diren, Subtrahiren, Multipliziren; aus den Beiſpielen ſtellen ſich gelegentlich Deklinationen und Konjugationen zuſammen als erſte Anfänge der Grammatik. Am Schluſſe des Jahres werden ſchon einige Kindergedichtchen und Liedchen verſtanden werden, und hergeſagt oder auch ge⸗ ſungen. Auf dieſe Weiſe lernen die Schüler einige Tauſend Wörter, Wortformen und Wortverbindungen, ohne die Qual des Auswendiglernens und der häuslichen Arbeiten zu haben.

Nur durch Sehen und Hören gelangen ſie zu dieſer werthvollen Grundlage der Sprach⸗ kenntniß, alſo auf die dem jüngeren Kinde naturgemäße Weiſe, und haben noch den Vortheil, daß ihre Ausſprache des fremden Idioms reiner wird.

VI. Kl.(2. Jahr) 5 St. Hier beginnen auch ſchriftliche Übungen, theils getrennt, theils mit den mündlichen verbunden..

Anſchauungsunterricht: Die Bilder in ihren Einzelheiten, Nebenumſtänden, Beziehungen; Gedichte 1 St.

Lektüre. Leſen leichter Stücke, Kopiren des Geleſenen, Zurücküberſetzen aus dem Deutſchen, Aufſagen, aus dem Gedächtniß Niederſchreiben, Verwandeln in Fragen und Antworten. 3 St.

Grammatik. Die Schüler kopiren Wörter, die möglichſt bekannt ſein muͤſſen, in ortho⸗ graphiſcher Zuſammenſtellung; dann einfache und immermehr erweiterte Sätze und einige ganz leichte, prakuſche, kurzgefaßte Regeln, welche ſich daraus ergeben. Hauptſächlich alſo lernen ſie die Geſetze der Sprache durch Anſchauung kennen.

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