Aufsatz 
Über den direkten und indirekten Sprachunterricht. Ein Beitrag zur Lösung der Frage:"Wie ist es möglich, die Lernlast der Jugend zu vermindern, ohne geistige Ausbildung zu beeinträchtigen?"
Entstehung
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vielleicht korrekt, doch ſchwerfällig, ängſtlich und ſtockend. Il parle avec difficulté, ſagt der Franzoſe, und kommt dadurch der Sache ziemlich nahe. Dieſe difficulté beſteht nämlich darin, daß ein ſolcher Menſch ſeine Gedanken nie direkt in franzöſiſche Worte kleidet, ſondern erſt in deutſche, und dieſe deutſchen Wörter dann in's Franzöſiſche überſetzt. Da ſich aber beide Sprachen weder in den Wortverbindungen, noch in Wort⸗ und Sakztellung gleich ſind, ſo ent⸗ ſteht daraus theils das erwähnte Deutſchfranzöſiſch, oder, der vielen Bedenken, Vergleichungen, Umwandlungen wegen, das mühſame, ſchwerfällige Reden. Wie wenige in deutſchen Schulen gebildete Lehrer ſprechen geläufig franzöſiſch! Darf man da hoffen, daß es die Schüler lernen? Ein Jahr in Frankreich nützt dazu mehr als zehn Jahre Bücherunterricht. Ja, Wer auf indirektem Wege lange Zeit unterrichtet iſt, überwindet die Gewohnheit, indirekt zu hören und zu ſprechen, häufig auch dann nicht, wenn er ſpäter Gelegenheit zu direkten Ubungen findet. Man hat ſchon oft falſch gelernte Ausſprache beklagt, aber mehr noch ſollte man gegen indirekt eingeprägte Kenntniſſe eifern.

Demnach hätte unſere Zeit die Aufgabe, eine durchaus andere Methode aufzuſuchen; das Verbeſſern hilft nicht, wenn das Prinzip falſch iſt. Aus der vollendetſten Chauſſee wird keine Eiſenbahn, und aus einem Segelſchiffe kein Dampfſchiff.

Vor einigen Jahren richteten mehre Familienväter in einer politiſchen Zeitung die Frage an alle Fachmänner, ob man nicht ohne den umfangreichen Ollendorf Franzöſiſch lernen könne. Die Jugend, meinten ſie mit Recht, verdumpfe in den Schulſtuben, und dabei entſpräche die Aus⸗ beute noch längſt nicht dem großen Opfer. Statt Deutſch, Franzöſiſch, Engliſch geſondert zu lehren, müſſe man die drei Sprachen gleichzeitig einprägen, und ſie zu dem Zwecke in einem Lehrbuche zuſammenſtellen. Gleichſam als Antwort darauf ſchlug ein Lehrer vor, das Verſtändniß der europäiſchen Sprachen durch Etymologiſiren(Betrachten der Abſtammung, Herleitung eines Wortes) zu vermitteln. Allein, abgeſehen davon, daß Dies nur bei wenigen Wörtern leicht geht, z. B. Nation, franz. nation, engl. nation(ſprich nehsch'n); Pöbel, peuple, people(pihp'l), bei anderen dagegen mühſam z. B. ital. catafalco, scaffold, échafaud, Schaffott und Katafalk; musc- Moſchus(arab. mosch, musch); tudesque- altdeutſch(ital. tedesco); drogue- Spezereiwaare(niederdeutſch drög, holl. droog, trocken); dru- dicht, tüchtig, geliebt (althochdeutſch truͤt, traut, liebenswürdig); und bei Tanſenden von Wörtern gar nicht, z. B. poche- Taſche, maison- Haus, vis- Schraube etc.; abgeſehen davon, ſage ich, iſt das ganze Ver⸗ fahren indirekt, ja die Spitze alles Indirekten, und führt alſo von dem Ziele jener prak⸗ tiſchen Familienväter geradezu hinweg. Selbſt die Etymologie innerhalb der franzöſiſchen Sprache, wiewohl weniger unpraktiſch, leidet doch an demſelben Fehler. Ebenſowenig wie der Franzöſiſchredende, wenn er von einem Könige ſprechen will, erſt an das Lateiniſche rex denken ſoll, ebenſowenig darf er ſich zunächſt auf régner beſinnen, ſondern er ſoll ſeine Gedanken direkt auf roi richten; ähnlich mit voyage von voie, bordure von bord, ponctuel von point, folätre von fou, invoquer von voix, boudoir(Kabinet) von bouder(ſchmollen), mouton von monter, mont, montagne,parceque les moutons cherchent les lieux élevés.(Der Adler etc. doch auch!) Das Etymologiſiren kann nie als Unterrichtsprinzip gelten,