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ſeine Grammatik nicht ſyſtematiſch(nach ihrem innern Zuſammenhange), ſondern gelegentlich. Der Schüler gelangt zu keinem Ueberblick über das Ganze, alſo auch zu keinem Einblick in den Bau der Sprache. So verſchwindet das geiſtbildende Element, und es wird ſchließlich Nichts erreicht. Kommt ein ahn'ſcher Schüler nach Frankreich, ſo ſteht er rathlos; examinirt man ihn über die wiſſenſchaftliche Seite der franzöſiſchen Sprache, ſo ſchweigt er, und gibt uns dadurch das Urtheil an die Hand, daß Ahn nur einen Rückſchritt bezeichnet; ja daß er, bei gutem Willen, großes Unheil angerichtet hat. Wie ſchlimm, daß man die Pädagogik den Fachmännern allein überläßt, und nur etwa zaghafte Wünſche ausſpricht, oder, ohne tiefere Einſicht in den Gegenſtand, zweckwidrige Rathſchläge gibt! Es exiſtiren hiſtoriſche, geographiſche, litterariſche, naturwiſſenſchaftliche Vorträge für den Bürgerſtand— warum nicht auch pädagogiſche? Bei größerer Bekanntſchaft mit dem Weſen der Sache würde ſich das Publikum nimmermehr ſo eutſchieden auf die Seite Ahn's geſtellt haben. Was Ahn that, hat die Nation nie erſtrebt, aber ſie ließ ſich durch das verleiten, was er wollte.
Einzelne Fachmänner erkannten Das ſchon frühzeitig. So Plötz, der Erſtens das geiſtloſe Phraſenweſen Ahn's und Ollendorffs verließ; Zweitens neben den grammatiſchen Uebungen auch ſtiliſtiſche anſtellte, und am Schluſſe des Kurſus die zerſtreuten grammatiſchen Elemente ſyſtematiſch zuſammenfaßte. Seine Lehrbücher, und alle, die ihm folgten, bezeichnen einen weſent⸗ lichen Fortſchritt auf dem Felde des Unterrichts, und haben in der That verdiente Anerkennung gefunden.
Indeß auch ſie fuͤhren nicht zu dem erſehnten Ziele: ſie verbeſſeren nur den alten Weg, ſtatt einen neuen einzuſchlagen: ſie lehren, wie alle bisherigen Bücher, indirekt.
Ich verſtehe darunter Folgendes:
Das franzöſiſche Kind lernt Franzöſiſch, indem man ihm ſagt„Voilà une table“— das Deutſche, indem man ihm ſagt“ Der Tiſch heißt auf Franzöſiſch la table“; das franzöſiſche Kind hört„Tu as pris ton café“— das deutſche„trinken“ heißt boire, aber in der feineren Sprache prendre, eigentlich nehmen, einnehmen, und ſo überſetzt man„Du haſt Kaffee getrunken“ durch tu as pris ton café, wobei noch zu bemerken iſt, daß der Franzoſe die Worte anders ſtellt, als der Deutſche: ſtatt lu as lon café pris, ſagt man tu as pris ton café. ete. Ferner lieſt ein fran⸗ zöſiſches Kind z. B. die bekannte Fabel vom Spiegel: Un enfant élevé dans un pauvre village Revint chez ses parents, et fut surpris d'y voir Un miroir etc., ſo ſucht es mit den Worten Begriffe zu verbinden, und alſo den Inhalt unmittelbar in ſich aufzunehmen; das deutſche Kind dagegen wird angehalten, ſich zu beſinnen, daß un, ein heißt, enkant- Kind, éelevé- erzogen, dans- in ꝛc., und daß es ſich nicht denken darf„Ein Kind erzogenes in einem armen Dorfe zurückkam bei ſeine Eltern und war überraſcht, zu daſelbſt ſehen einen Spiegel“, ſondern„Ein Kind, in einem armen Dorfe erzogen, kehrte zu ſeinen Eltern zurück, und ſah dort mit Erſtaunen einen Spiegel u. ſ. w.
Geſetzt nun, der Schüler geht auf dieſem Wege fort: 6, 7, 8 Jahr, er überträgt und überſetzt, er ſchreibt und lieſt, ja er ſpricht endlich, und das Alles mit großem Fleiße, ſo ſchreibt er, im glücklichſten Falle, ein moſaikartiges, mühſames Deutſchfranzöſiſch, faßt die Schriftſteller der Franzoſen als etwas Todtes, Seltſames, Halbverſtändliches auf, und ſpricht, wenn auch


