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unſerem öffentlichen und häuslichen Jugendunterrichte?“ Und—„können die nöthigen nicht vereinfacht werden?“ durchaus in keinem Widerſpruche. Beide Punkte verdienen die ernſteſte Erwägung der Eltern und Lehrer, können aber hier nicht in ihrem ganzen Umfange beantwortet werden. Nur die Andeutungen möchte ich mir erlauben, daß dahin gehören— die modernen, auf große Fingerfertigkeit hinausgehenden Muſikſtudien, die man obendrein auch unbegabten Kindern zumuthet; der gelehrte, weit ſeine natürliche Grenze überſchreitende Schreibunterricht; Geographie und Geſchichte, welche nicht ſelten dreifach ſoviel Namen und Zahlen fordern, als ein meuſchliches Normalgedächtniß(neben anderen Gegenſtänden) zu bewahren vermag; ferner — Griechiſch für Nichtphilologen, Latein für Nichtgelehrte dc.
In der vorliegenden Betrachtung wünſchte ich lediglich darauf hinzuweiſen, daß durch Verbeſſerung der Unterrichtsmethode ſchon Viel erreicht werden kann, und werde die Möglichkeit einer ſolchen Verbeſſerung an der franzöſiſchen Sprache darzuthun ſuchen. Dabei mag der Kürze wegen die engliſche unerwähnt bleiben. Es gilt von ihr Dasſelbe, was von der franzöſiſchen zu ſagen iſt.—
In welcher Ausdehnung, frage ich, wird das Franzöſiſche in unſern deutſchen Knaben⸗ und Mädchenſchulen gelehrt? Gewiß in keiner zu großen, denn im Allgemeinen kommt man nirgends über die Elemente hinaus. Die Elemente einer Sprache aber nützen dem Leben ungefähr ſoviel wie Baumaterial Dem, der eine Wohnung ſucht. Sprache iſt ein Mittel unſere Gedanken mitzutheilen, und muß alſo bis zu dieſer Fertigkeit gelernt werden, wenn ſie überhaupt Etwas ſein und nützen will. Das hat die neuere Zeit längſt gefühlt, und ließ ſich nicht mit der Antwort:„das franzöſiſche Konjugiren und Etymologiſiren iſt doch geiſt⸗ bildend,“ zufriedenſtellen. Die alte, dem Latein abgelauſchte, gelehrte Methode wurde verlaſſen, und neue Bahnen eingeſchlagen. Man lehrte analytiſch, und meinte, das ſei praktiſch; aber es war höchſtens praktiſcher, und dabei umſtändlich und zu wenig geiſtbildend. Mager, der klar⸗ blickende vorwärtsſtrebende Schulmann, ſagte in ſeinem Buche„über den ſchulmäßigen Unterricht in fremden Sprachen“: Die überwiegend ſynthetiſche(grammatiſtiſche, rationale) Weiſe war wegen Unergiebigkeit um ihren Kredit gekommen, und die analytiſche(praktiſche) Methode, die Alles ſelbſt finden laſſen will, und darüber nicht vom Flecke kommt, zeigte gleichfalls, daß ſie nicht die rechte iſt; ſo ſuchte man beide zu verknüpfen, und erreichte auch damit Nichts.“ Mager hatte vollſtändig Recht— man erkannte es ſpäter an den Früchten—; allein ſeine eigne Me⸗ thode: die genetiſche(kückenlos fortſchreitende), nützte nur der Wiſſenſchaft und nicht dem Leben. Das Publikum nahm kaum Notiz von derſelben; es wollte durchaus etwas echt Praktiſches, und wandte darum ſeine Liebe den Lehrbüchern Ahn's zu. Hundert und fünfzig Auflagen des ahn'⸗ ſchen Sprachbuches beweiſen— zwar nicht die Güte ſeiner Methode, wohl aber das Streben der Neuzeit nach dem Nützlichen. Ahn verknüpfte nämlich mit dem Praktiſchen die Grammatik. Dadurch waren die gelehrten Feſſeln abgeſtreift, und man hoffte von dieſer Methode baaren Gewinn für das Können. Allein gegenwärtig weiß jeder Schulmann, daß die Jugend durch Ahn nicht viel weiter zum Sprechen und Schreiben hingeführt wird, als ehemals durch Meidinger oder Schaffer, und daß der geringe Vortheil durch den großen Nachtheil der Unwiſſenſchaftlich⸗ keit, welcher damit verknüpft iſt, völlig aufgewogen wird. Der Praxis zu gefallen lehrt Ahn


