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Das heſſiſche Miniſterium verordnete durch ein Reſkript vom 21. April 1864: Es ſind zuviel Vorbereitungen, Repetitionen und Ergänzungen auf den häuslichen Fleiß geladen; Dies iſt abzuſtellen, damit der zunehmenden Verkümmerung des heranwachſenben Geſchlechts Einhalt gethan werde. Daher ſoll feſtgeſetzt werden, wie viel ſolcher Arbeiten auf jeden Wochentag kommen dürfen, ſo daß noch Zeit zu geiſtiger Erholung und körperlicher Bewegung übrig bleibt.
F. Schnell(1864) ſagt: Wir müſſen die Jugend wieder mehr zu Thatkraft erziehen: ſie muß weniger denken und mehr thun. Dazu gehört körperliche Geſundheit, und um dieſe nicht zu zerrütten, muß künftig weniger Unterricht ſein, weniger häusliche Aufgaben, keine abſtrakte Methode etc.
Direktor Budich aus Dresden forderte auf der 15. allgemeinen Lehrerverſammlung zu Leipzig(1865), der eigentliche Unterricht dürfe nur die Vormittagsſtunden in Anſpruch nehmen.
Direktor Callin ſchreibt im hannoveriſchen Schulblatt(1865): Wir fordern nicht Zuviel, wenn wir mindeſtens eine Turnſtunde für jeden Tag verlangen, und zwar ſo, daß dadurch nicht eine neue Beſchränkung der Mußezeit eintritt: wir fordern ſie mit allem Nachdruck auf Koſten der geiſtigen Anſtrengung.
Profeſſor Dr. Bock berührt in ſeinem vortrefflichen Buch:„Volks Geſundheitslehre(1865)“ auch die Schulverhältniſſe.„Das Schulkind, ſowohl Knabe wie Mädchen“, ſchreibt er,„bedarf großer Schonung des Gehirns(keine übermäßigen Schularbeiten!), paſſende Uebung der Glieder— durch Turnen, Schwimmen, Schlittſchuhlaufen, allmälig ſich ſteigernde Abhärtung: kaltes Bad, leichte Kleidung, hinreichenden Schlaf: 8— 12 Stunden.—
Die Schule verdirbt ſehr viel am Kindeskörper. Sie iſt's, die durch einſeitige Verſtandes⸗ kuliur, langes Still⸗ und Geradeſitzen(ohne Rücklehnen), Mangel an Freiſtundeu und zweck⸗ mäßiger Körperbewegung, ſchlechte Luft und falſche Heizung in überfüllten Schulzimmern, Blut⸗ armuth, Rückgratsverkrümmungen, Hirnbeſchwerden und Augenleiden erzeugt. Im elterlichen Hauſe wird dann noch durch viele Privatſtunden, ſchlechte oder falſche Ernährung, vorzeitige Genüſſe aller Art ꝛc. geſündigt.— Am Meiſten haben die Mädchen unter der falſchen Behand⸗ lung, beſonders durch enge Kleidung, vieles Sitzen und Handarbeiten ꝛc. zu leiden; ſehr viele werden deshalb ſchon in den Schuljahren bleichſüchtig und ſchief.
Es duͤrfte nicht ſchwer fallen, noch mehr ähnliche Ausſprüche der neueſten Zeit zuſammen⸗ zuſtellen; aber ſchon die angeführten beweiſen zu Genüge, daß man anfängt, das Uebel wahrzu⸗ nehmen, und Erkenntniß iſt bekanntlich der erſte Schritt zur Abhülfe. Ziehen wir alſo, ohne weitere Erörterungen, die Mittel, welche zu dieſer Abhülfe dienen könnten, in Erwägung! Daß es aber Mittel gegen jedes irdiſche Uebel gibt, daran darf Niemand zweifeln. Nur willig und redlich geforſcht und geſtrebt!—
Das Einfachſte freilich wäre, nicht mehr ſo Viel zu lehren. Aber damit dürfte gerade die deutſche Nation unter keiner Bedingung zufrieden ſein. Wir Deutſchen haben für mancherlei Entbehrungen Erſatz im Denken und Forſchen geſucht, und werden dieſen Vorzug niemals frei⸗ willig aufgeben. Alſo— kein Herabdrücken der Geiſtesbildung und der Wiſſensmacht!—
Freilich, damit ſtehen die Fragen—„Haben wir keine überflüſſigen Lehrgegenſtände in


