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—— Nach meiner Anſicht ſoll die Rückſicht auf die Geſundheit in jeder pädagogiſchen Erörterung den erſten Rang einnehmen, denn die Geſundheit iſt das höchſte irdiſche Gut(und das Mittel zur geiſtigen Ausbildung). Deshalb müſſen wir aufs Sorgfältigſte unterſuchen, ob unſere Schulanſtalten den Anforderungen der Geſundheitslehre entſprechen, und ob der unterricht ſelbſt mit den allgemeinen und unveränderlichen Geſetzen der menſchlichen Natur in Uebereinſtimmung iſt.
Dies Letztere beſtreitet, Guillaume und weiſt dabei, unter Anderem, auf die jetzt übliche Stunden⸗ zahl hin.„Ein vollkommen geſunder Menſch, ſagt er, kann ſich kaum während 3— 4 auf einander folgenden Stunden einer geiſtigen Arbeit hingeben; es ſcheint mir darum, daß man der Entwickelung der Kinder einen unheilbaren Schaden zufügt, wenn, wie es jetzt geſchieht, eine Anſtrengung des Geiſtes von ihnen verlangt wird, die länger dauert, als ſelbſt die männliche Kraft zu ertragen im Stande iſt. Soll man bei einem ſolchen Verfahren erſtaunen, daß unſere Jugend ſchmächtig und kraftlos aufſchießt, daß ſie blaß und kränklich ausſieht, und daß ſie in Kraftloſigkeit verſinkt? Einzig Das überraſcht uns, daß noch eine ſo große Anzahl Kinder wenigſtens zum Theil den verderblichen Folgen einer ſolchen Behandlungsweiſe entgeht.— Nach meiner Anſicht wüecde für die unteren Klaſſen die Hälfte der Zeit, die ſie gegenwärtig auf den Schulbänken zubringt, genügen, um ihnen vollſtändig die Elementarkenntniſſe beizubringen, die man von ihnen verlangt(Gewiß! Man wende nur die Methode des Kindergartens an.)— In Töchterſchulen ſollte die Zahl der täglichen Stunden niemals 5 überſchreiten.“
„Noch ſchlimmer aber wird das Uebel durch die häuslichen Aufgaben.— Dieſe Arbeiten feſſeln die Kinder Abends noch 2 bis 3 Stunden an einen meiſt für ſie zu hohen Tiſch*), und entziehen ihnen ſo die einzigen Augenblicke, wo ſie ſich frei bewegen, und dem ſchlimmen Einfluß der ihnen während der Schule anbefohlenen Unbeweglichkeit entgegen wirken können.“—
„Abgeſchafft dürfen die häusilchen Arbeiten nicht ganz werden, aber man ſollte ſie beſchränken, denn ſie nützen unverhältnißmäßig wenig. Das Kind, welchem man erſt nach vollendeten Aufgaben Erholung und Spiel erlaubt, macht ſeine Arbeiten flüchtig: es denkt dabei nur an das Spiel und die Freiheit. Wenn hingegen die Eltern weniger ſorgfältig die häuslichen Arbeiten überwachen, ſo überläßt ſich das Kind, ſobald es aus der Schule kommt, zuerſt ſeiner Neigung, ſich munter im Freien zu tummeln. Es kommt ſpät nach Hauſe; dann iſt der gefürchtete Augenblick da: ermüdet fängt es an, ſeine Aufgaben zu machen. Senkt ſich der Schlaf ein Wenig zu früh auf ſeine Augenlieder, ſo wird es unfähig, die Arbeiten auf eine für ſeine Bildung förderliche Weiſe zu vollbringen. Strengt es ſich dennoch an, ſo ſtrömt das Blut zu ſehr in's Gehirn, und Kopfweh iſt die Folge davon.“
*) Auch auf dieſes Uebel möchte ich mit der dringenden Mahnung um Abhülfe hinweiſen, und empfehle den Eltern zur Orientirung über das Dahingehörige die Schrift des Dr. Fahrner„das Kind am Schultiſche“; auch Wildenberger„die Rückgratsverkrümmungen“. Von 100 Kranken, die wegen Rückgratsverkrümmungen in orthopädiſchen Heilanſtalteu kommen, ſind mindeſtens 80 Mädchen, und faſt alle verdanken ſie ihr Leiden den unzweckmäßigen Schulbänken. Da ſollte man doch vorzugsweiſe die Mädchenſchulen ins Auge faſſen, und keine Koſten ſcheuen, ſolch Unheil abzuſtellen. Schöne Schulhäuſer ſind dankenswerth, aber wichtiger gute Sitze darin. Schlechte Eiſenbahnwagen und glänzende Stationsgebäude nützen dem Reiſenden erſtaunlich wenig.


