Aufsatz 
Das Klima von Weilburg a.d.Lahn
Entstehung
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Marburg. Solch' eiſige Winternächte kommen naturgemäß beſonders dann vor, wenn die kalte Luft ſich in den Tälern ſtaut, was ja, wie ſchon früher bemerkt, im engern Weilburger Tale noch leichter der Fall iſt als im Marburger Lahntale. Auch iſt die Lahn gerade in dieſen kalten Zeiten nicht ſelten zugefroren, ſodaß ſie nicht mehr aus⸗ gleichend wirken kann. Auch hier ſind nur die Monate April bis Oktober wie überall in der Provinz von ſolchen eiſigen Nächten ver⸗ ſchont.

Der letzte Froſt pflegt durchſchnittlich am 2. Mai einzutreten, d. h. 2 Tage früher als in Marburg. Am früheſten iſt er ſeither am 8. April, am ſpäteſten am 22. Mai eingetreten. Neuer Froſt tritt durchſchnittlich am 14. Oktober ein. Doch ſetzte er ſchon einmal am 16. September ein, ſpäteſtens iſt er ſtets am 2. November ein⸗ getreten. Die froſtfreie Zeit hat daher eine durchſchnittliche Länge von 164 Tagen, d. h. genau ſo viel wie in Marburg, mindeſtens eine ſolche von 143, höchſtens von 193 Tagen.

Für das Wachstum vieler Pflanzen iſt die Zeit wichtig, in welcher die durchſchnittliche Tagestemperatur andauernd in einer be⸗ ſtimmten Mindeſthöhe bleibt. Bezeichnet man ſo die Zeit, in welcher die mittlere Tagestemperatur ohne Unterbrechung mindeſtens 5°be⸗ trägt als Vegetationszeit und berechnet ſie für Weilburg, ſo findet man, daß ſie im Durchſchnitt 176 Tage hat.(Marburg 172, Caſſel 177, Wiesbaden 196) und mindeſtens 140 Tage, höchſtens aber 209 Tage umfaßt. Sie beginnt im Durchſchnitt am 24. April, frü⸗ heſtens am 23. März und ſpäteſtens am 19. Mai. Sie endet im Durchſchnitt am 16. Oktober, früheſtens am 4. Oktober, ſpäteſtens am 1. November. Die Zeit, in welcher die mittlere Tagestemperatur ohne Unterbrechung auf mindeſtens 10° ſich hält, kann man als volle Vegetationszeit bezeichnen. Sie dauert in Weilburg durchſchnitt⸗ lich 101 Tage(in Marburg 107 Tage, in Fulda unter 100 Tage), mindeſtens 65 Tage und höchſtens 139 Tage. Sie beginnt durch⸗ ſchnittlich am 4. Juni(in Marburg am 3. Juni, in Fulda am 5. Juni), früheſtens am 29. April, ſpäteſtens am 12. Juli. Sie endet durchſchnittlich am 12. September, früheſtens am 31. Auguſt, ſpäteſtens am 26. September.

Für die Beurteilung der geſundheitlichen Verhältniſſe eines Ortes iſt es nicht unwichtig, die Schwankungen der Temperatur zu kennen.

Hierbei kommen allerdings weniger in Betracht die großen Schwankungen, denen die Temperatur im Laufe einer Reihe von Jahren unterliegt. Nur der Vollſtändigkeit wegen ſei hier auf Reihe 49 verwieſen, aus der hervorgeht, daß der Unterſchied zwiſchen den höchſten und tiefſten je in Weilburg beobachteten Temperaturen 64 beträgt. Im Durchſchnitt ſchwankt die Temperatur innerhalb eines Jahres um 490°(Reihe 50) und zwar am ſtärkſten im Mai(28), am geringſten im November(21). Die mittlere Schwankung der Tem⸗ peratur an demſelben Tage(Reihe 51) erreicht ihr Maximum dagegen erſt im Juni(12°), ihr Minimum erſt im Dezember(5). Dieſe große durchſchnittliche Schwankung der mittleren Monatsextreme im Mai und der mittleren Tagesextreme im Juni hängt wohl, ebenſo