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Die tiefſten je beobachteten Temperaturen ſind in Reihe 21 zuſammengeſtellt. Danach ſind nur die Sommermonate ſtets froſt⸗ frei, und vom November bis März kann die Temperatur unter — 100 ſinken, in den Wintermonaten auch unter— 20°, aber nur im Januar und Februar unter— 250. Solch' ſcharfe Kältegrade ſtellen ſich nur dann ein, wenn die kalte, alſo ſchwere Nachtluft ſich in dem Einſchnitt des Lahntales ſammelt. Mit dem Umſtande, daß das Lahntal ſich dicht unterhalb Weilburgs ſtark verengt, die kalte Luft alſo nur ſchwer abfließen kann, hängt es auch wohl zuſammen, daß Weilburg nächſt Fulda die tiefſte je in der Provinz beobachtete Tem⸗ peratur aufzuweiſen hat(— 27,19 im Januar 1893). Die Höhen zeigen niemals ſo tiefe Einzeltemperaturen.
Für viele Zwecke iſt es wichtig, die mittldre Zahl der Tage mit Temperaturen von beſtimmter Höhe feſtzuſtellen.
So kommen in Weilburg im Jahresdurchſchnitt 6 ſog. Tropen— tage vor(Reihe 22). So gering dieſe Zahl zu ſein ſcheint, iſt ſie doch höher als die Dur chſchnittszahl der ganzen Provinz und über⸗ trifft die Marburger, ja ſogar die Wiesbadener. Wir müſſen indeß vielleicht die verhältnismäßig große Weilburger Zahl zum Teil auf die ungünſtige Stellung der Thermometerhütte in der dritten Beobach⸗ tungsperiode zurückführen. Wie nach den früheren Erörterungen zu erwarten iſt, hat der Auguſt die gleiche Anzahl Tropentage wie der Juli, doch kommen ſie vom Mai bis September vor und in letzterem häufiger als in den übrigen Monaten.
Die mittlere Zahl 35 der Sommertage(Reihe 23) iſt ſchon erheblich größer und übertrifft das Provinzialmittel um 5. Nur die Gegenden ſüdlich des Taunus zeigen zum Teil eine höhere Zahl. Doch gilt auch für dieſe Sommertage die eben hervorgehobene Ein⸗ ſchränkung. Sie kommen vom April bis Oktober vor und ſind in Weilburg außer im Juli vor allem im Juni und Auguſt verhältnis⸗ mäßig häufig.— Die Wirkung ſolcher heißen Tage tritt erſt dann beſonders hervor, wenn ſie ununterbrochen aufeinander folgen. Die mittlere Länge der ununterbrochenen Aufeinanderfolge von Sommer⸗ tagen, der ſog. Hitzeperioden(Reihe 29) iſt im Durchſchnitt des Jahres glücklicherweiſe nirgends in der Provinz groß. In Weilburg beträgt ſie 2,8 Tage, ſüdlich vom Taunus nur wenig mehr. Doch beträgt ſie auf dem Weſterwald auch noch 2,4 Tage. Im Juli pflegt ſie aber nicht ſelten auf 6 Tage zu ſteigen(Reihe 30). Ausnahms⸗ weiſe ſind auch ſchon Hitzeperioden von mehr als 10 Tagen Länge in den Monaten Juni bis September vorgekommen, im Juli ſchon ſolche von 19 Tagen(Reihe 31). Die längſte in unſerer Provinz je be⸗ obachtete Hitzeperiode zählte 21 Tage.
Günſtiger ſteht Weilburg da in bezug auf die Zahl der ſchwülen Sommernächte(Reihe 24). Es hat unter ihnen weniger zu leiden als die übrigen Talſtationen der Provinz. Hierbei ſpielt wahrſchein⸗ lich der Einfluß der Lahn eine Rolle, vielleicht auch die nur einſeitige Beſonnung der teilweiſen ſteilen Talhänge. Nur auf den Höhen treten dieſe den Schlaf nicht fördernden Nächte noch ſeltener ein. Auch an Sommernächten iſt der Auguſt merklich reicher als der Juni.


