Aufsatz 
Lernstoff für den chemischen Unterricht in der Sekunda der Landwirtschaftsschule zu Weilburg
Entstehung
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V

Bei Verwendung von Schwefel und Kohle entweicht alſo auch Stickſtoff, doch nehmen wir ihn wegen der übrigen gleichzeitig entweichenden Gaſe nicht wahr.

Die Formel der Salpeterſäure iſt demnach H(NOa). Wir können die Säure durch Erhitzen von Salpeter mit Schwefelſäure in einerRetorte frei machen. Sie entweicht dann als farbloſes Gas, welches ſich in der abgekühltenVorlage zu einer farbloſen, ſtark ſauren Flüſſigkeit verdichtet, die an der Luft raucht.

2KGNOS)+ H(SO.)= Kz(SOa)+ 21INO;

Bei Einwirkung von Salpeterſäure auf ein Metall, z. B. Kupfer, entſteht zwar das entſprechende Salz(blaues Kupfernitrat). Aber es entweicht kein Waſſerſtoff, ſondern das verwandte Probierröhrchen füllt ſich anfangs mit rotbraunem Gaſe. Später entweicht ein farbloſes Gas, welches ſich jedoch beim Austritt aus dem Röhrchen in Berührung mit Luft ebenfalls rotbraun färbt. Der durch das Kupfer freigemachte Waſſerſtoff reduziert offenbar einen Teil der Salpeterſäure zu Waſſer und dem farbloſen Gaſe: Stickſtoffoxydul NO.

3Cu+ 6(NO)= 30u(NO),+ 611

688+ 2HNOz)= 4H20+ 2NO Dieſes farbloſe Stickſtoffoxydul oxydiert ſich dann an der Luft zu dem rotbraunen Stickſtoff⸗ dioxyd NOz.. Die käufliche Salpeterſäure zerfällt am Licht teilweiſe auch nach der Formelv: und iſt daher häufig gelblich gefärbt.

Alle Nitrate ſind in Waſſer löslich. AlsAnhydrid der Salpeterſäure können wir das Stickſtoffpentoxyd N.O; annehmen

2 H(NO,) HO= N.O;

5) Ferner iſt oft in Ställen der bekannteAmmoniakgeruch bemerkbar. Die Ein⸗ wirkung des ihn verurſachenden Gaſes auf Lackmuspapier läßt dieſes als baſenähnlichen Stoff erkennen. Hängt man Lappen im Stall auf, welche mit Schwefelſäure getränkt ſind, ſo über⸗ ziehen ſie ſich allmählich mit einer kriſtalliniſchen Salzmaſſe. Der Ammoniakgeruch wird deutlicher, wenn man zum Stallmiſt oder zur Jauche Ätzkalk ſetzt. Die Kalkbaſe treibt jene Ammoniakbaſe aus. Aus verrottetem Stallmiſt, am beſten von Schafen oder Tauben können wir auf dieſe Weiſe bei vorſichtigem Erhitzen ſo viel gasförmiges Ammoniak aus⸗ treiben und durch Einleiten in Waſſer auffangen, daß wir eine wäſſkige Flüſſigkeit erhalten, welche gereinigt dem käuflichen Ammoniakwaſſer(Salmiakgeiſt) gleicht.

Verſetzen wir das die Ammoniakbaſe enthaltende und daher ſtark baſiſch reagierende Waſſer mit Schwefelſäure, ſo ſcheiden ſich beim Eindampfen nadelförmige, farbloſe oder weiße Kriſtalle aus von bitterſalzigem Geſchmack. Dieſes ſchwefelſaure Ammoniak riecht nicht, iſt alſo bei gewöhnlicher Temperatur nicht flüchtig, verflüchtigt ſich jedoch bei ſtarkem Erhitzen.

Da anzunehmen iſt, daß in der Stalluft bei der reichlich vorhandenen Kohlenſäure nicht nur die freie Ammoniakbaſe vorhanden iſt, ſondern ſich auch kohlenſaures Ammoniak bildet, ſo miſchen wir zur Entſcheidung, ob auch letzteres flüchtig iſt, ſchwefelſaures Ammoniak mit kohlenſaurem Kalk. Erhitzen wir dieſes Gemenge, ſoſublimiert ein weißes Kriſtallpulver. Dieſes Pulver erweiſt ſich beim Übergießen mit Salzſäure als kohlenſaures Ammoniak. Es riecht deutlich ammoniakaliſch, auch in wäſſriger Löſung, iſt alſo in feſtem oder gelöſtem Zuſtande ſchon bei gewöhnlicher Temperatur flüchtig. Es reagiert baſiſch, Ammoniak iſt daher eine ſtarke Baſe.

Aus der durch Behandeln von kohlenſaurem Ammoniak mit Salzſäure entſtandenen Löſung erhalten wir beim Eindampfen kleine, farbloſe oder weiße Kriſtalle von kühlend ſal zigem Geſchmack: ſalzſaures Ammoniak(Salmiak). Dieſe ſind geruchlos, alſo bei ge⸗ wöhnlicher Temperatur nicht flüchtig, ſublimieren aber beim Erhitzen.

Aus allen dieſen Ammoniakſalzen können wir durch eine trockene Baſe die gasförmige Ammoniakbaſe austreiben. Die wäſſrige Löſung derſelben enthält wahrſcheinlich die waſſer⸗ haltige,ächte Ammoniakbaſe. Zerlegt man Ammoniakwaſſer durch den elektriſchen Strom, ſo wird am poſitiven Pole Stickſtoff, am negativen die dreifache Menge Waſſerſtoff frei. Er⸗ hitzen wir ein Gemiſch von Atznatron und Salpeter mit Eiſenpulver, ſo verbinden ſich der freiwerdende Waſſerſtoff und Stickſtoffim Augenblick des Entſtehens miteinander zu Am⸗