Aufsatz 
Praktische Geometrie auf dem Gymnasium / von G. Degenhardt
Entstehung
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mit dem Sextanten von geeignetem Standorte(Eulenturm des zoologischen Gartens) aus- führen lassen. Auch können Gesichtswinkel bestimmt werden, unter welchen Gegenstände im Schulzimmer, z. B. die Snellenschen Probe-Buchstaben erscheinen, welche bei Beurteilung der Refraktion und Sehschärfe des menschlichen Auges benutzt werden.

§ 15. Vermessung in Stadt, Provinz und Staat.

Dem aufmerksamen Beobachter können die Marken und Tafeln, welche in den Straſsen der Stadt, in den Feldgemarkungen und namentlich auf Bergspitzen angebracht sind, nicht entgehen, und es ist, meine ich, keine übertriebene Forderung, wenn der gebildete Mensch Bescheid weiſs über diese Marksteine und Signale, die ihm auf Schritt und Tritt in Stadt und Land begegnen. Wenn die Schüler der Oberklassen mit den gewöhnlichen Meſsme- thoden bekannt geworden sind, wird es daher empfehlenswert sein, gelegentlich oder auch in einer besonderen Stunde auf die Stadt- und Landesvermessung hinzuweisen.

Schon bei Gelegenheit der Heimatskunde in Sexta wird der Lehrer der Geographie nicht umhin können, auf den Maſsstab der angewandten Kartenbilder hinzuweisen und den Schüler über die Höhenlage des Heimats-Ortes über Flufs und Meer aufzuklären und ihn so zu einer richtigen Auffassung des Kartenbildes anzuleiten.*) Der Primaner soll aber auch wissen, was die verschiedenen von der städtischen Vermessungsbehörde und dem Generalstabe angebrachten Zeichen bedeuten, welchem Zwecke sie dienen und wie sie ent- standen sind. Wie weit hier in der Schule gegangen werden kann, muſs dem einzelnen Lehrer überlassen bleiben.

Es ist schon früher bei der in§ 11 ausgeführten Nivellierung auf die in den Straſsen hiesiger Stadt an Gebäuden und Gartenmauern angebrachten Höhenmarken(Fix- punkttäfelchen) hingewiesen worden(Fig. 35, Taf. IIIl). Dieselben sind durch Nivellierung der einzelnen Stadtparzellen festgestellt, wobei als Ausgangspunkt der Nullpunkt des Mainpegels ge- wählt ist. Letzterer ist ein Punkt der am rechten Mainufer oberhalb der alten Brücke an- gebrachten Höhen-Skala(Fig. 36, Taf. III) und liegt, wie schon an anderer Stelle erwähnt ist, 90,90 m über Normal Null(N. N.), d. h. über dem mittleren Meeresspiegel**)(Amsterdamer Pegel). Es ist daher, um die absolute Höhe eines Fixpunkttäfelchens zu erhalten, zu der dort in Metern angegebenen Hôhe der Wert von 90,90 m zu addieren. Die Höhenmarken der Landesaufnahme sind knopfförmig, die nächstgelegene befindet sich im Hofe des Ostbahnhofes(Höhe= 101,052 m).

*) Dr. F. Höfler. Das geographische Pensum der Sexta an höheren Schulen in Bezug auf Inhalt und Methode. Programm der Muster-Schule, Frankfurt a. M. 1890.

**) Streng genommen bedeutet N. N. einen Punkt an der Berliner Sternwarte in einer Höhe von 37 m über

dem Meere. 4*