Aufsatz 
Praktische Geometrie auf dem Gymnasium / von G. Degenhardt
Entstehung
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die vier Visiere werden zwei sich rechtwinkelig kreuzende Ebenen festgelegt. Dieser ganze Apparat steht mit seiner Axe in der Hülse eines Stativs, dessen Stützen behufs Ilorizontalstellung verkürzt und verlängert werden können. Zur Bestimmung des Stand- punktes, d. h. der Projektion des Mittelpunktes des Apparates dient ein Senklot, welches in einem an der verlängerten Axe unten angebrachten Haken eingehängt wird.

Auf den so konstruierten Apparat kann aufserdem ein drehbarer Zeiger(Alhydate) auf- gesetzt werden, um das Instrument, welches wir nunmehr Winkelscheibe nennen wollen, zum Messen beliebiger Winkel verwendbar zu machen. Dieser Zeiger trägt 2 Visiere, welche nach demselben Prinzip, wie die festen, gebaut sind, jedoch derartig doppelt, daſs sich in jedem derselben ein Sehloch und ein Fenster befindet, damit die Visierung nach beiden Seiten möglich ist. An einem Ende des Zeigers befindet sich eine abgeschrägte Fläche, welche den Nonius enthäalt. Letzterer hat vom Nullpunkte aus nach beiden Seiten die Länge von 11 Teilen des Hauptkreises und ist in 2 mal 12 gleiche Abschnitte geteilt, so daſs ein Noniusteil um kleiner ist, als ein Abschnitt des aupt- kreises. Da letztere nun je einen Grad bedeuten, so giebt ein Noniusabschnitt den Wert von 5 Minuten an. Bei der Winkelablesung fasse man zuerst den Nullpunkt des Nonius ins Auge und lese nach seiner Stellung die ganzen Grade auf dem Haupt- kreise ab; alsdann suche man den mit einem Gradstriche zusammenfallenden Teilstrich des Nonius und bestimme nach ihm die Minuten des Winkels, den man also auf 5 genau messen kann.

Eine einfache Umstellung des Apparates ermöglicht das Messen von Höhenwinkeln. Der Teilkreis kann nämlich durch ein in der Mitte angebrachtes Scharnier aus der horizon- talen Stellung gedreht und vermittels eines kleinen Pendels vertikal gerichtet werden. Letzteres ist erreicht, wenn das an einer Speiche befindliche Pendel auf eine gegenüber- liegende Spitze der unteren Speiche weist.

§ 3. Markierung und Messung von Loten, Parallelen und Winkeln.

Im folgenden sei auf eine Reihe von Aufgaben hingewiesen, welche mit dem ge- nannten Apparate leicht ausführbar sind. Hierzu bemerke ich, daſs sämtliche Aufgaben auf dem Schulhofe unserer Anstalt ausgeführt und, soweit Winkelmessungen in Betracht kommen, das Winkelkreuz und die Winkelscheibe von Ohmann gebraucht worden sind.

1. Aufgabe: Es soll auf einer abgesteckten Geraden in einem gegebenen Punkte das Lot errichtet werden..

Lösung: Den gegebenen Punkt P(Fig. 5, Taf. l) deute man durch Einweisen eines Stabes zwischen die Endpunkte A und B der gegebenen Linie an, stelle über dem Fuſs- punkte desselben die Kreuzscheibe horizontal auf und richte sie so, daſs AB in eine Diopter-Ebene zu liegen kommt. Die zweite Diopter-Ebene enthält alsdann das gesuchte Lot, welches nun durch Aufstellen von Stäben markiert wird.