Aufsatz 
Praktische Geometrie auf dem Gymnasium / von G. Degenhardt
Entstehung
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lang), dessen landhabung sich von selbst ergiebt, ist nur bei Verwendung eines Gehilfen zu gebrauchen. Die hölzernen Meſslatten, von denen man sich leicht 2 anfertigen kann, haben gewöhnlich eine Länge von 3 oder 5 m, sind von rechteckigem oder ovalem Querschnitt und an den Enden mit eisernen Schutzkappen versehen. Die Decimeter sind durch einen eingeschlagenen Stift, die ganzen Meter durch zwei derselben angedeutet. Das Messen mit ihnen kann ohne Gehilfen ausgeführt werden, nur ist besonders darauf zu achten, daſs die jedesmal aneinander gelegten Latten eine gerade Linie bilden. Bei jedem Aufheben einer Latte werden die einzelnen abgemessenen Strecken laut gezählt.

Zuweilen ist bei geneigtem Gelände die horizontale Projektion einer Geraden gesucht. Die Aufgabe wird durch das sogenannte Staffelmessen ausgeführt. Man legt(Fig. 4, Taf. I), bei dem höchsten Punkte C beginnend, eine Meſslatte mit Hilfe einer gewöhnlichen Röhren- Libelle, die sich wohl in jeder physikalischen Sammlung vorfindet, horizontal, senkelt das freie Ende D' derselben ein und findet hierdurch Punkt D; darauf legt man von neuem die Latte in D horizontal an, senkelt das freie Ende E' ein und findet so Punkt E. In dieser Weise fortfahrend, erhält man die horizontalen Projektionen der einzelnen Teilstrecken CD, DE u. s. W., deren Summe die gesamte Horizontalprojektion von CA giebt. Die Anwendung des Mefsbandes ist bei vorliegender Arbeit nicht zu empfehlen.

§ 2. Ohmanns Feld-Winkelmesser.

Zum Errichten und Fallen von Loten, zum Messen und Abstecken von Winkeln be- finden sich mancherlei Instrumente im Gebrauch. Die Apparate jedoch, deren sich die Geometer bedienen, beruhen z. T. auf physikalischen und mathematischen Gesetzen, die erst im Unterricht der oberen Gymnasialklassen vorkommen. Ein Apparat, welcher den bescheidenen Ansprüchen der Schule im ganzen genügt und der in Bau und Handhabung so einfach und durchsichtig ist, daſs er auch einem Schüler der unteren Klasse leicht verständlich gemacht werden kann, ist die Kreuzscheibe, wie sie uns in dem von Ohmann konstruierten Feldwinkelmesser(siehe nebenstehende Figur) entgegentritt*). Dieses Instrument, von dem ich im Folgenden an der Hand der Begleit- schrift eine kurze Beschreibung geben werde, besteht aus 2 gesonderten Apparaten, der Kreuz- und Winkel-

scheibe. Den Hauptteil bildet ein Kreis mit Teilung in ganzen Graden(Limbus), welcher mit der Nlittelaxe durch drei Speichen verbunden ist. An den vier Hlauptpunkten des Kreises sind Visiervor- richtungen angebracht, welche die Kreuzscheibe des Apparates bilden und zur Bestimmung rechter Winkel dienen. Die beiden Visiere bei 0Oo und 90° haben je 2 Sehöffnungen, die beiden andern dagegen je ein rechteckiges Fenster mit eingespanntem Pferdehaar. Durch

*) Wünchenswert ist, daß dem Ohmannschen Instrumente größerer Durchmesser und festeres Stativ gegeben werde.