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nicht nur Qualitatives, sondern auch Quantitatives zu beobachten, und zwar in einem solchen Grade, daſs ihnen eine solche Beobachtungsweise dauernd zum unwillkürlichen Bedürfnis werde. In den Vorschlägen, welche-Richter zur Ausführung dieses Beschlusses macht, weist er auch auf praktische Ubungen hin, welche von Obertertia an zu verwenden und aus denen Aufgaben für die schriftliche Abschlußs- und Reifeprüfung zu wählen seien.
Weiterhin ist erwähnenswert die frische Strömung zu gunsten der vierstelligen Loga- rithmen, welche eine wesentliche Vereinfachung des Rechenwerkes herbeiführt, wozu der erste Anstoſs von unserer Anstalt ausging*) und die durch die unermüdliche Arbeit Dr. Schülkes namhaft gefördert wurde.
Wahrend so die arithmetische Seite des mathematischen Unterrichtes wesentliche Fortschritte machte, blieb die geometrische nicht stille stehen.
Zu verzeichnen sind hier die Anstrengungen Holzmüllers, die in seinen Schulbüchern, vornehmlich aber in seiner„Einführung in das stereometrische Zeichnen“ gemacht werden, um den Schüler an rationelles Zeichnen zu gewöhnen und so auch auf diesem Gebiete die praktischen Ubungen in den Vordergrund treten zu lassen. An dieser Bewegung hat unsere Anstalt ebenfalls einigen Anteil genommen**), wie schon ein Blick auf die bei uns gestellten Prüfungsarbeiten zeigt.
Seit einer Reihe von Jahren haben nun die Fachkollegen unseres Gymnasiums den weiteren Versuch gemacht, einiges aus der Feldmefskunst dem mathematischen Unterrichte einzuverleiben, um dem etwas knõchernen geometrischen Lehrstoffe besonders auf der Unter- und Mittelstufe Fleisch und Blut zu geben. Die Schwierigkeit, welche wohl auch anderweit der Einführung derartiger Ubungen entgegentrat, lag hauptsächlich in der Auswahl einfacher Apparate; deren Verständnis auch einem Schüler der unteren und mittleren Klassen möglich jst. Bei unseren Versuchen haben sich als brauchbar erwiesen das Xquatorialinstrument von Mang**) als Theodoliten- Modell und hauptsächlich der Feldwinkelmesser von OQhmann †) nebst seinen Zugaben.—
Xlit diesen und ähnlichen Instrumenten wurden auf dem Schulhofe die ersten Ver- suche— wie ich glaube mit Erfolg— gemacht. Wesentlich fördernd trat hinzu ein Perienkursus zu Ostern 1895, welchen das hiesige städtische Schul-Kuratorium in dankens- werter Weise für die Teilnehmer kostenlos veranstaltete und welchen die Herrn Kollegen Dr. P. Bode, Dr. C. IHI. Müller und Dr. O. Rausenberger leiteten † †). Hier lernten wir unter Führung eines Geometers die rechte Praxis und dasjenige kennen, was für die Schule verwendbar erschien. Ohne Zweifel findet sich auch in der kleinsten Stadt Ge-
nasiums 1893. Hermanns Verlag, Frankfurt a. M. en) Verlag von Fr. Ackermann. Weinheim 1886. †) Verlag von Dr. R. Müncke, Techn. Institut, Berlin. †r†) Kurzer Bericht in den Unterrichtsblättern für Mathem. und Naturw. Organ des Mathematiker-Vereins
21. Jahrgang No. 3, 1895.


