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. Das Tier die Waſſer. Nicht weiter mehr entfernt, als eine Schleuder
Mein ſoll ſie ſein, wenn meine Kraft ſie rettet,
Sie tlſt ſo id ich, ſer der Rettung Lohn!“
Die Eltern ſtimmen dieſen Worten bei,—
Wer möcht' es auch bezweifeln?— ja, ſie bitten
Den Helden und verſprechen ihm die Herrſchaft Des Lands als Mitgift der Geretteten.—
Da plötzlich, wie ein ſchnelles Schiff, getrieben Vom Ruderſchlage kräft'ger junger Mannſchaft,
Die ſtillen Wogen furcht mit ſcharfem Schnabel,
Alſo zerteilt vorſtürmend mit der Bruſt Schon iſt es vom Fels
Durchmeſſen kann mit dem geſchwung'nen Blei, Da ſtößt der Jüngling eilig ſich vom Land
Und ſchwingt ſich ſenkrecht in die hohen Wolken.
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Auf ihn.
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Sobald das Untier an des Waſſers Fläche Des Mannes Schatten ſieht, ſtürzt es ſich wild Doch wie der Vogel Juppiters, Wenn er im leeren Feld die Schlange ſieht, Behaglich ſonnend ſich den dunklen Rücken,
.Sie faßt von hinten, und die gier'gen Krallen,
Damit ſie nicht den grauſen Rachen wende, Schlägt in den ſtarken, ſchupp'gen Nacken ein, So ſchießt der Inachide durch die Luft
Im jähen Flug und ſtürzt ſich auf den Rücken Des Ungetüms und ſtößt dem brüllenden
Das ſcharfe Schwert bis zum gekrümmten Haken Tief in den rechten Vorderbug hinein.
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Vor Schmerzen raſend, bäumt ſich's in die Luft, Dann taucht es unter, dann gleich einem Eber,
. Den kläffend eine Hundeſchar umdroht,
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Niobs.
(Ov. Met. VI, 146—512.)
Vor ihrer Che hatte Niobe—. Arachne wohl gekannt, als ſie als Jungfrau Noch lebte frei am lyd'ſchen Sipylus.
Jedoch die Strafe ihrer Landsgenoſſin,
. Von der man überall in Lydien ſprach,
Und deren Ruf die Städte Phrygiens,
Ja ſelbſt den weiten Erdkreis überflog, Sie warnte nicht die ſtolze Tantalidin,
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In Wort und Tat den Himmliſchen zu weichen.
Gar vieles ſtärkte ihren hohen Sinn,
Doch nicht des Gatten Künſte, nicht der Glanz
Des mächt'gen Königreiches, nicht der Adel
Ders eigenen Geſchlechtes und des Gatten,
Gefiel ihr ſo, wenn ſie ſich des auch rühmte, Als ihrer vielen Kinder Mutterglück. Sie wäre wert, die glücklichſte der Mütter
20.
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Schlägt wild es um ſich, aber Perſeus flieht Mit ſchnellen Flügeln ſeine gier'gen Biſſe. Und wo es achtlos eine Blöße zeigt,
Bald an dem muſchelüberſäten Rücken, Bald an den Rippen, oder wo der Schwanz
Ausläuft in einen Fiſch, da ſchlägt er hin
Und trifft es tödlich mit gekrümmtem Schwert. Blutuntermiſchte Fluten ſpeit es aus, Beſpritzt damit des Helden ſchwere Flügel.
. Und dieſer wagt nicht weiter zu vertrauen
Den naſſen Schwingen, hebt ſich drum empor
Zu einem Felſen, der bei ruh'gem Waſſer
Mit ſeinem Scheitel überragt die Flut,
Doch untertaucht in der bewegten Brandung.
Dort ſtehend und mit ſeiner ſtarken Linken
Sich an des Felsrands letzte Spitzen klammernd,
Durchbohrt er wiederholt das Ungeheuer
Drei⸗, viermal ſtößt ſein Schwert er durch die Weichen.
Ein Beifallsſchrei erfüllt ſogleich das Ufer, Erhebt ſich jubelnd bis zu den Geſtirnen,
Das Elternpaar begrüßt mit lauter Freude Als Schwiegerſohn den Helden, Hort und Retter Des Hauſes, alſo nennen ſie ihn dankbar. Und herrlich nahet ihm, gelöſt von Ketten, Andromeda, des Kampfes Grund und Lohn.
Genannt zu werden, hätte ſie ſich ſelbſt In ihrem eitlen Sinn nicht ſo genannt.
Einſt ſchweifte des Tireſias heil'ge Tochter, Die Sehrin Manto, durch die Straßen Thebens Und rief, erfüllt von göttlicher Begeiſtrung, Zum frommen Werk die Töchter dieſer Stadt. „Auf, Ismenidinnen, ſchart euch zuſammen, Umwindet euer Haar mit heil'gem Laub“,
So rief ſie,„ſtreuet Weihrauch in die Flammen Und betet zu der hohen Zwillingsmutter
Und ihren Kindern. Alſo läßt euch allen
Die Göttin ſelbſt durch meinen Mund befehlen!“ Die Töchter Thebens legen drauf gehorſam
30. Das Laub um ihre Stirnen, ſtreuen Weihrauch
Und ſprechen fromme Worte am Altar.


