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„Un eine Koſe.“ Ewig trägt im Mutterſchoße, Süße Königin der Flur, Dich und mich die ſtille, große, Allbelebende Natur.
Röschen! unſer Schmuck veraltet, Sturm entblättert dich und mich, Doch der ew'ge Keim entfaltet Bald zu neuer Blüte ſich.
„Unter den Alpen geſungen.“ „So mit den Himmliſchen allein zu ſein und, Geht vorüber das Licht und Strom und Wind und Zeit, eilt ſie zum Ort, vor ihnen ein ſtetes Auge zu haben:
Seliger weiß und wünſch' ich nichts, ſo lange Nicht auch mich, wie die Winde, fort die Flut nimmt, Daß wohl aufgehoben, ſchlafend dahin ich
Muß in den Wogen.“
In einem Gedicht an Diotima finden ſich folgende Strophen:
„Da, wo keine Macht auf Erden, Keines Gottes Wink uns trennt, Wo wir Eins und Alles werden, Da iſt nun mein Element;
Wo wir Not und Zeit vergeſſen Und den kärglichen Gewinn Nimmer mit der Spanne meſſen, Da, da weiß ich, daß ich bin.
Wie der Stern des Tyndariden, Der in lichter Majeſtät
Seine Bahn, wie wir, zufrieden Dort in dunkler Höhe geht, Wie er in die Meereswogen, Wo die ſchöne Ruhe winkt,
Von des Himmels ſteilen Bogen Klar und groß hinunterſinkt:
O, Begeiſterung, ſo finden
Wir in dir ein ſelig Grab, Tief in deine Wogen ſchwinden, Still frohlockend, wir hinab, Bis der Hore Ruf wir hören Und, mit neuem Stolz erwacht, Wie die Sterne wieder kehren In des Lebens kurze Nacht.“*)
Wir wiſſen, daß Goethe in ſeinem Alter ſich immer mehr aus dem wirklichen Leben zurückzog, daß ſein Hang zur Beſchaulichkeit, zum Myſticismus und zur Allegorie wuchs. Für ſein kosmiſches Ge⸗
*) Intereſſant iſt die biographiſche Studie Wilbrandts: Hölderlin, der Dichter des Pantheismus.


