Druckschrift 
2 (1898)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

24

Beilagen.

Die hier als Beilagen veröffentlichten kleineren deutschen Ausarbeitungen liess ich während verschiedener Jahre in den beiden Tertien schreiben. Ich wähle bisweilen grammatische Arbeiten an Stelle solcher, die inhaltliche Fragen behandeln. Letztere wurden von Herrn Prof. Dr. Dett- weiler, meinem verehrten Lehrer auf pädagogischem Gebiete, an hiesiger Lehranstalt eingeführt (vergl. auch Dettweiler Lehrpr. 47, 11). Wenn ein Berichterstatter auf der Direktoren- versamm!l. Sachs. 1896(Dr. Becher) S. 40 Anm. 1 in Bezug auf solche grammatische Aus- arbeitungen sagt:Dettweiler(lat. Unterr.) gibt später sehr hübsche Themata für das La- teinische, nur für die Aufgaben aus der Grammatik kann ich mich nicht erwärmen, weil ich fürchte, dass durch sie das bisschen Liebe, welches unsere Schüler noch für die Grammatik haben, systematisch ausgetrieben wird, so erlaube ich mir zu bemerken, dass diese Furcht recht grundlos ist; denn die Mehrzahl der Schüler macht solche Arbeiten recht gern; vergl. als Beweis S. 25, Anm. Freilich darf man von ihnen nichts Unmögliches verlangen. Noch sei bemerkt, dass diese Arbeiton wörtlich Schülerheften entnommen sind.

1) Der Konjunktiv in dentschen Hauptsätzen IIIb(Onne Hülfen geschrieben).

Der Konjunktiv dient dazu, um einen Befehl, eine Einräumung, eine Möglichkeit, eine gemilderte Behauptung, die Nichtwirklichkeit und einen Wunsch auszudrücken. Das Satzgefüge: Cäsar befiehlt, dass Ariovist mit ihm zusammenkommt enthält einen abhängigen Begehrungs- satz. Aus dem Nebensatze kann man folgende Hauptsätze machen:Ariovist komme mit mir zusammen undAriovist soll mit mir zusammenkommen. Wenn(äsar sich mit in die Aufforderung einschliesst, lautet der Satz:Lasst uns zusammenkommen. Das Satzgefüge: Cäsar wünscht, dass Ariovist mit ihm zusammenkommt enthält einen abhängigen Begehrungs- satz. Aus dem Nebensatz kann man folgenden Hauptsatz machen:Ariovist möge mit mir zusammenkommen. Zwischen den Sätzen: Käme doch Ariovist zur Unterredung undwäre doch Ariovist zur Unterredung gekommen ist folgender Unterschied: Der erste Satz enthält, einen mit geringerer Bestimmtheit ausgesprochenen Wunsch. Der zweite Satz enthält einen unerfüllten Wunsch. Zwischen den Sätzen:Ariovist kommt zur Unterredung undAriovist, dürfte zur Unterredung kommen undAriovist könnte zur Unterredung kommen ist folgender Unterschied: Der erste Satz enthält ein bestimmtes Urteil. Der zweite Satz drückt eine ge- milderte Behauptung aus. Der dritte Satz gibt die Möglichkeit an. In dem Satzgefüge:Wenn Ariovist nicht zur Unterredung gekommen wäre, so hätte ihn Cäsar sofort angegriffen steht- der Konjunktiv, weil er etwas nicht Wirkliches enthält. Aus dem Satz:Auch bei einer Zu- sammenkmunft mit Ariovist werde ich auf meinen Forderungen bestehen lässt sich folgendes Satzgefüge herstellen:Wenn auch Ariovist zur Unterredung kommt, werde ich auf meinen Forderungen bestehen. Auch lässt sich daraus folgende Satzverbindung machen:Mag auch Ariovist zur Unterredung kommen, dennoch werde ich auf meinen Forderungen bestehen.

2) Der Gebrauch der Tempora in Nebensätzen, die im Konjunktiv stehen ¹) IIIv.

la 1.Wären die Germanen nicht nach Gallien gekommen, so wären die Sequaner und Häduer von allem Ungemach frei gewesen. 2.Wer möchte wohl glauben, dass Ariovist so

¹) Die Schüler zeichneten zu Beginn der Stunde folgendes in ihre Allerhandhefte auf: Ia. Es ist zu bilden: 1. ein irrealer Bedingungssatz; 2. ein Potentialis; 3. ein Satz, der einen un- erfüllten Wunsch enthält. b. Diese Sätze sind abhängig zu machen.