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des Ortes(vergl. S. 13); er vertritt ein Adverbiale des Ortes; man könnte etwa sagen: Ich gehe an einen von niemand betretbaren Ort.
2) mit Relativpronomina. Es gibt freilich mit Relativpron. eingeleitete Sätze, bei denen man zweifelhaft sein kann, welchen Satzteil sie vertreten. Beisp.: Gott züchtigt den, den er liebt. Man könnte hier versucht sein zu sagen: der Relativsatz ist ein Attributsatz, weil er das Objekt„den“ näher bestimmt. In der That aber bildet„den“ hier nur einen für sich nicht verständlichen Teil des Objektes; das ganze und wirkliche Objekt des Verbums des Hauptsatzes besteht hier aus„Den“ und dem Relativsatz. Von dieser Erkenntnis aus- gehend, nennt man solche Relativsätze Objektsätze. In dem Satzgefüge: der, welcher sein Vaterland verrät, ist ein Schurke, ist der Relativsatz ein Subjektsatz, denn er bildet zusammen mit„der“ das Subjekt des Hauptsatzes; deutlicher wird dies, wenn wir sagen: Wer sein Vaterland verrät, ist ein Schurke. Die allgemeine Regel lautet: Bildet der Relativsatz zu einem Pronomen oder unbestimmten Zahlwort des Hauptsatzes die unentbehrliche Ergänzung. so ist er kein Attributsatz, sondern zusammen mit dem Pronomen oder unbestimmten Zahl- wort der Satzteil, den dieses andeutet.
Auf die Wahl des Modus in Relativsätzen hat das Relativum keinen Einfluss. Es kann der Relativsatz ein Urteilssatz sein, der ein reales Urteil enthält. Hier ist keiner, der lügt. Es kann aber auch in ihm ein potentiales Urteil ausgesprochen sein. Dies ist eine Wahrheit, die wohl niemand anzweifeln dürfte. Auch den Folgesatz einer irrealen Bedingung kann der Relativsatz bilden. Dies ist eine Wahrheit, die unbestritten wäre, wenn du sie nicht leugnetest.
In einem Relativsatze kann ein Attributsatz mit einem Absichts-, einem Folge- oder Einräumungssatz verschmolzen sein; derartige Nebensätze werden dann an der Aussageweise erkannt. Cäsar schickte Gesandten, welche den Ariovist fragen sollten(Begehrungssatz). Es mag kommen, was da mag(Einräumungssatz), ich werde nicht verzweifeln. Ich kenne niemand, der dies nicht thäte(Folge und Möglichkeit finden sich hier vereinigt); statt: Ich kenne niemand von der Art, dass es möglich ist, dass er dies thut. Ebenso in Bezug auf die Vergangenheit: Ich habe niemand kennen gelernt, der hierzu nicht bereit gewesen wäre; statt: der von derart war, dass er möglicher Weise dies nicht that.
Während die adverbialen Nebensätze nur dann in Participialsätze verkürzt werden können, wenn das Subjekt des Nebensatzes zugleich Subjekt oder Objekt des Hauptsatzes ist, können alle Relativsätze verkürzt werden: die Germanen, welche von Furcht ergriffen wurden. (dafür: von Furcht ergriffen,) wandten sich zur Flucht. Auf die Römer, die nichts ahnten. (dafür: nichts ahnend, oder: die nichts ahnenden,) machten die Germanen einen Angriff.
V. Der Infinitiv.
Der Infinitiv dient dazu, um die blosse Thätigkeit oder das blosse Leiden auszu- drücken ohne Angabe der Person und des Numerus. Beisp.: Schweigen ist eine Kunst. Ge- tadelt werden ist unangenehm. Der Infinitiv Praes. Akt. und Pass. drückt eine gleich- zeitige unvollendete oder dauernde Handlung aus; ob in der Gegenwart, Vergangenheit oder Zukunft, entscheidet das Verbum finitum. Ich wünsche zu bleiben(Dauer in der Gegenwart), ich wünschte zu bleiben(Dauer in der Vergangenheit), er wird wünschen zu bleiben(Dauer in der Zukunft). In gleicher Weise bezeichnet der Inf. Perf. Act. und Pass. die Handlung oder den Zustand als vorausgegangen, während die Zeit durch das Verbum finit. angegeben wird. Er fürchtet zu unbescheiden gewesen zu sein(Vollendung in der Gegenwart). Er fürchtete zu


