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sprechend gibt es im Deutschen wie im Lat. und Griech. einen irrealen Bedingungsfall der Gegenwart und der Vergangenheit. Die hierfür verwandten Tempora decken sich im Deut- schen und Lat. Die Schwierigkeit, den deutschen Fall der Potentialität von dem der Irrealität der Gegen- wart zu unterscheiden, liegt darin, dass für beide der Konj. Imperf. angewendet wird. Welche von den beiden genannten Bedingungsarten in dem einzelnen Falle vorliegt, muss und kann einzig der Zusammenhang ergeben. Einen Potent. der Vergangenheit kennt in der hypothe- tischen Periode das Deutsche ebensowenig wie das Lat. oder Griech. Da jedoch das Lat. und Griech. das Verhältnis der Handlung des Nebens. zu der des Haupts. genauer als das Deutsche zu bezeichnen pflegt, so steht unter Umständen in dem Bedingungs(neben)s. das Perf. Ei rec vexryutvoc eily nlobrov, Tro arß*6, do deẽ ε⁴ςι αμμοωνο Würde jemand, wenn er Reichtum erwürbe, ihn aber nicht gebrauchte, glücklich sein? Si quis id fecerit, impru- dentem eum dixeris. Wenn jemand das thäte, so würdest Du ihn wohl unklug nennen. Durch die irreale Bedingungsart wird ausgedrückt, dass eine Folge unmöglich ist, deren Bedingung im Widerspruch mit der Wirklichkeit steht. Durch die potentiale Be- dingungsart gelangt zum Ausdruck, dass eine Folge möglich ist, wenn die Bedingung mög- lich ist. Durch die reale Bedingungsart endlich wird ausgedrückt, dass die Folge That- sache ist, wenn die Bedingung wirklich ist; darum heisst dieser Fall der Fall der Wirklich- keit oder Realität. Wenn es einen Gott gibt, gibt es auch eine Gerechtigkeit. Ich spreche hier nicht meine Ansicht darüber aus, ob ich an einen Gott glaube oder nicht, sondern ich sage nur, wenn diese Bedingung zutrifft, dann muss auch die Folge zutreffen, d. h. es gibt keinen Gott, ohne dass es nicht auch eine Gerechtigkeit gibt. Allgemein: die Bedingung kann nicht eintreten, ohne dass nicht auch die Folge eintritt. Soll betont werden, dass die Be- dingung in der Gegenwart bei dem Eintritt der Folge bereits vollendet ist, so steht im Deutschen übereinstimmend mit dem Lat. im Bedingungssatz meist das Perf. Wenn Du gelogen hast, verdienst Du eine Strafe; doch auch: Wenn Du lügst, verdienst Du eine Strafe. Entsprechend dem Lat. kann auch im Deutschen die reale Bedingungsart für die Zu- kunft gebraucht werden; es wird dann ausgedrückt, dass in der Zukunft das Eintreten der Bedingung ohne das Eintreten der Folge nicht stattfindet oder nicht gedacht werden kann. Sd ur eν0, ⁴σ. Si quid habebo, dabo,
wenn ich etwas haben werde(oder besser: habe), werde ich es geben. 2dν τν 1έ, ⁴σ.
Si quid accipero, dabo, wenn ich etwas bekomme(bekommen werde, bekommen habe), werde ich es geben.
Durch den Realis kann auch im Deutschen ausgedrückt werden, dass an das jedes- malige Eintreten der Bedingung auch das jedesmalige Eintreten der Folge geknüpft ist. Es sind dabei zwei Unterabteilungen zu unterscheiden:
a) der in der Gegenwart sich wiederholende Fall:
Jedesmal wenn ich etwas habe, gebe ich es.
2dν τι έmο, d100½
2dν r 1⁴ 106νι. b) Der in der Vergangenheit wiederholte Fall: Jedesmal wenn ich etwas hatte, gab ich es.
El ri Sτοιπ, Ʒεε⁴ιοοσ
El r., 1A.S0νι, ⁸01νv.


