ich lachen oder weinen? Sollte ich Dir nicht zürnen? Es gibt auch begehrende Fragesätze der Vergangenheit: Was hätte ich thun sollen? Wird auf die gewöhnliche Wort-, Satz- und Doppel-Frage die Antwort in ganzen Sätzen gegeben, so sind diese Sätze Urteils- sätze. Dem gegenüber besteht das Besondere der begehrenden Frage darin, dass der Fra- gende die Antwort in der Befehlsform begehrt. Was soll ich thun? Du sollst rasch handeln, oder: handle rasch! nicht aber: Du handelst rasch ¹).
6. Das Kennzeichen der direkten Fragesätze ist, abgesehen von den Interrogativ- pronomina und-adverbia die invertierte Wortstellung, d. h. die Erscheinung, dass das Subjekt dem konjugierten Verbum nachsteht. Die Inversion findet sich in den Satzfragen, Wortfragen (ausser wenn nach dem Subjekte gefragt ist) und in den Doppelfragen und begehrenden Fragen, insoweit sie zu den Wort-, Satz- und Doppelfragen gehören. Sie tritt nicht immer ein in den uneigentlichen oder rhetorischen Fragen. Der Modus der direkten Fragesätze ist der Ind. Doch kann in ihnen auch der Potentialis oder Irrealis erscheinen, letzterer meist, wenn der Fragesatz den Folgesatz einer hypothetischen Periode bildet. Wer hätte nicht gehört d. h. bei wem besteht die Möglichkeit, dass er nicht gehört hat?(Potent.). Welches wäre unser Schicksal gewesen(Folgesatz einer irrealen hypothetischen Periode), wenn nicht Cäsar die Germanen aus Gallien vertrieben hätte? Was wären wir ohne deine Hülfe?(= wenn du uns nicht hülfest, Irrealis der Gegenwart.)
IV. Die Nebensätze).
Vorbemerkung: Dem einfachen Satze steht gegenüber der zusammengesetzte Satz. In ihm sind zwei oder mehrere vollständige Sätze zu einem Satzganzen verbunden. Die Zu- sammensetzung kann zweierlei Art sein a) beiordnend, wenn jeder der verbundenen Sätze der Form nach unabhängig und selbständig ist³), b) unterordnend, wenn der eine Satz vom anderen abhängig ist oder einen Satzteil desselben vertritt. Da wir fünf Satzteile haben, so muss es auch fünf Arten der Nebensätze geben, nämlich Subjekt-, Prädikat-, Objekt-, Ad- verbial- und Attributsätze. Entsprechend dieser Einteilung werden die Nebensätze im fol- genden zur Besprechung kommen ⁴).
A. Die Subjekt- und Objektsätze“).
a. Die Dass-Sätze, auch Inhaltssätze genannt’).
Die eine Gruppe der Nebensätze, die das Subjekt oder Objekt des Hauptsatzes bilden, sind die Dass-Sätze. Nebens., die mit dieser Konjunktion anfangen, sind abhängig von Verben) oder deren Stellvertretern d. h. prädikativen Adjektiven oder Prädikatsnomina mit sein. Die Verba, von denen solche Dass-Sätze abhängig sind, bezeichnen:
¹) Fragen wie: Du solltest jemals Dich bessern? halte ich überhaupt nicht für begehrende Fragen; vielmehr scheint in dieser gewiss seltenen Form der Frage das„Sollen“ potentialer Natur. Die Frage lautet in bestimmterer Form: Besserst du Dich jemals? Durch„solltest“ wird die Frage mit geringerer Bestimmtheit er- hoben. Das lateinische ut in diesem Falle beweist nichts für die deutsche Auffassung.
²) Zu diesem Abschnitt ist zu vergl. Beilage II.
³) Über sie ist in Quinta und Quarta zu handeln.
⁴) Die Prädikatsätze, die sehr selten vorkommen(Lyon, Handb. der deutsch. Sprache I 212), sind ausser Acht gelassen.— ¹² Uber die relativischen Subj.- und Objektsätze vergl. S. 21.
⁵) Hierzu ist zu vergl. Beilage IV.
²) Wortverbindungen wie:„die Römer und Häduer schlossen ein Bündnis, dass“, Adjektive mit folgendem„dass“ wie:„Möglich, dass“ und adverbiale Ausdrücke wie:„Angenommen, dass“ werden nicht be- sonders aufgeführt, da sie sich ohne Schwierigkeiten auf einfache Verba zurückführen lassen.


