12
Lothringen, mit noch vielen anderen gegen den König Konrad und, wiewohl sie vieles unternahmen und viele vergebliche Befestigungsanstalten ins Werk setzten, so erreichten sie nichts als ihr eigenes künftiges Unheil. Denn sie sämmtlich gering schätzend beschlols König Konrad mit Heeresmacht nach Italien zu ziehen. Aber Herzog Ernst, der ihn demütiglich bis nach Augsbur g begleitete, wurde auf Verwendung seiner Mutter, der Königin, und seines noch ganz kleinen Bruders Heinrich und anderer Fürsten nach langer Weigerung des Königs mit Mühe wieder zu Gnaden an genommen.—(11) Im Jahre der Fleischwerdung Christi 1026 bestimmte König Konrad auf Rat und Bitten der Fürsten des Reiches seinen Sochn Heinrich, der noch ein Knabe war, zu seinem Nachfolger und trat selbst mit zahlreichem Heere den Zug nach Italien an. Auf diesem Heerzuge erhielt der vorher genannte Ernst„Herzog von Alamannien, nachdem er eine Weile dem Könige Kriegsdienste geleistet hatte, von diesem die Abtei Kem pten zu Lehen, wie- wohl es gegen Fug und Recht war, ein freies Stift in unfreien Dienst zu geben, und wurde zum Schutze des Vaterlandes mit Ehren zurückgeschickt.—(19) Inzwischen waren, während der Kaiser inltalien ver- weilte(1027), bei den Deutschen fruchtloser Weise grolse Milsgunst, viele Anschläge, viele Partei- ungen gegen den Kaiser ausgebrochen. Ein Graf in Schwaben Namens Welf, reich au Land und mächtig im Kampfe, und der Augsburger Bischof Bruno gerieten mit einander in Streit und richteten durch Raub und Brand viel Schaden im Reiche an. Schliefslich brach der genannte Graf in Augsburg selbst ein, plünderte den Schatz des Bischofs und verwüstete die ganze Stadt.— Ernst, der Herzog von Alamannien, der Stiefsohn des Kaisers Konrad, der noch kurz vorher durch Verleihung von Lehen und Aemtern von ihm geehrt war, fiel wiederum ab, sann vom Teufel angetrieben auf Empörung, verwüstete auf Antrieb einiger seiner Mannen die Provinz Elsals und zerstörte die Burgen des Grafen Hugo, der mit dem Kaiser blutsverwandt war. Darauf drang er mit einer grolsen Heerschar junger Leute in Burgund ein und fing an oberhalb der Burg zu Solothurn eine Insel mit Damm und Wall zu befestigen. Aber Rudolf, der König der Burgunder, hinderte ihn daran, aus Furcht einen Feind des Kaisers aufzunehmen. Von da zurückziehend legte er oberhalb Zürich eine feste Burg an und fügte durch gewaltsame Heimsuchung der Reichenauer Kirche und ecbenso der Abtei St. Gallen dem Vaterlande nicht geringen Schaden zu. So beharrte er, Gesetz und Gerechtigkeit hintansetzend, bis zu des Kaisers Rückkehr bei seinen frevelhaften Unternehmungen.—(20) Nachdem Kaiser Konrad den Frieden durch ganz Italien hin gesichert hatte, kam er wieder glücklich nach Alamannien zurück und begann in einer vertraulichen Besprechung mit seinen Getreuen zu Augsburg über die Landesverräter zu verhandeln(Juli 1027). Von da nach der Stadt UIm kommend hielt er daselbst einen öffentlichen Reichstag. Hierher kam der Herzog Ernst nicht als bittender, sondern um voll Vertrauen auf seine zahlreiche Mannschaft, welche aus den auserlesensten Kriegern bestand, nach seinem Belieben sich mit dem Kaiser zu verständigen, oder auf dem Wege der Gewalt von da wieder zurückzukehren. Und in einer Unterredung mit den Seinigen erinnerte er dieselben zuerst an das eidlich gegebene Versprechen der Treue, sodann ermahnte er sie ihn nicht zu verlassen, auf dals sie nicht ihre Ehre verlören.— Auf solche Worte hin erwiderten ihm zwei Grafen„Friedrich und Ans-— helm, im Namen der übrigen folgendermalsen:»Wir wollen nicht leugnen, dals wir euch die Treue fest versprachen gegen alle, mit Ausnahme dessen, der uns euch gegeben hat. Wenn wir unseres Königs und und Kaisers Knechte und von ihm euch zu Rechte übergeben wären, so wäre es uns nicht erlaubt uns von euch zu trennen. So aber, da wir frei sind und den höchsten Beschützer unserer Freiheit auf Erden in unserm Könige und Kaiser haben, gehen wir, sobald wir ihn verlassen, der Freiheit verlustig, der kein rechtschaffener anders als mit dem Leben zugleich entsagt. Unter diesen Umständen wollen wir euch in allem gehorchen, was ihr ehrbares und gerechtes von uns fordert. Wenn ihr aber das Gegenteil wollt, so werden wir freiwillig dahin zurückkehren, von wo wir bedingungsweise zu euch gekommen sind.« Als der Herzog solches gehört und gemerkt hatte, dafs er von den Seinigen im Stiche gelassen werde, ergab er sich dem Kaiser auf Gnade und Ungnade; und der Kaiser verbannte ihn nach Sachsen auf eine Felsenburg, Gibichenstein genannt, damit er dort in Strafhaft gezüchtigt von weiterer Empörung ab- liefse.—(21) Alamannien durchziehend unterwarf der Kaiser alle, welche sich gegen ihn empört hatten, und zerstörte ihre Befestigungen(August 1027); und als er bis nach Basel kam, hatte er eine Unterredung mit Rudolf, dem Könige von Burgund. Nachdem unter Vermittelung der Kaiserin Gisela der Friede zwischen ihnen befestigt und die Herrschaft über Burgund dem Kaiser unter denselben Bedingungen übergeben war, wie es früher seinem VorgängerHeinrichverliehen gewesen war, kehrte der König reich beschenkt mit den Seinigen nach Burgund zurück. Der Kaiser aber kam den Rhein hinab ziehend nach Franken und dort ergab sich ihm der Herzo g Kuno, Sein Vetter,


