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wende ich mich für jetzt zum Könige zurück. Wahrhaftig mit Gottes Willen wurde der erwählt, in dem Gott selbst das Zeugnis vorgesehen hatte, welches er als König später von den Menschen empfangen sollte. Denn er war ein Mann von grolser Demut, vorsichtig im Rate, wahrhaft in Worten, wacker in Thaten, frei von allem Geize, der freigebigste aller Könige.—(3) Als die Wahl beendigt war, eilten alle mit gröſster Freudigkeit den König nach Mainz zu geleiten, damit er dort die hochheilige Salbung empfange(S. Sept. 1024). Sie gingen frohes Sinnes, die Geistlichen sangen Hymnen, die Laien stimmten Lieder an, beide auf ihre Art. Solchen Preis hat meines Wissens Gott von den Menschen an éinem Tage an éinem Orte noch nicht empfangen. Wäre Karl der Grolse mit seinem Scepter leibhaftig erschienen, so wäre das Volk nicht fröhlicher gewesen, und es hätte sich nicht mehr über eines so grofsen Mannes Wiederkunft freuen können als über dieses Königs erstes Auftreten.— Als der Gottesdienst und die königliche Weihe aufs gebührlichste vollzogen waren, eröffnete der König den Zug. Und wie wir vom Könige Saul lesen, schritt er wie eines Hauptes länger denn alles Volk dahin, und wie umgewandelt zu einer Haltung, die man früher nie an ihm gesehen, und so kehrte er mit dem geistlichen Gefolge heiteren Angesichts in würdevollem Schritte in seine Wohnung zurück. Sodann wurde er an der Tafel mit königlicher Pracht empfangen, und verlebte jenen ersten Tag seiner königlichen Herr- lichkeit ganz nach Gebühr.—(4) Wie man nun dem Könige Treue schwur, darüber zu sprechen halte ich nicht besonders für nötig, da ja der oft wiederkehrende Brauch zeigt, dals alle Bischöfe, Herzöge und die übrigen Fürsten, die Bannerherrn und die gemeine Ritterschaft, ja sogar alle Freien, wenn sie von einiger Bedeutung sind, den Königen den Eid der Treue leisten; ihm jedoch unterwarfen sich alle durch einen um so aufrichtigeren Schwur, je lieber sie ihn leisteten.— Ueber allen stand des Königs geliebte Gemahlin Gisela mit ihrer Einsicht und Klugheit. Ihr Vater war Hermann, Herzog von Alamannien; ihre Mutter war Gerberga, die Tochter Konrads, des Königs von Burgund, dessen Vorfahren dem Geschlechte Karls des Grolsen entsprossen waren.— Obgleich sie von so hohem Adel und von der anmutigsten Schönheit war, plieb sie frei von aller Ueberhebung; im Gottesdienste voll Ehrfurcht, beständig im Gebet und im Almosen- geben, und das so geheim sie konnte, merkend auf jenes Wort des Evangeliums:»Lasset eure Gerechtigkeit nicht offenbar werden vor den Menscheu«. Denn sie war hohen Sinnes, von vorzüglicher Einsicht, nach Ruhm verlangend, nicht nach eitlem Lob, sie liebte die Sittsamkeit, lag mit Beharrlichkeit ihrem weiblichen Berufe ob, nie unnützer Weise verschwendend spendete sie in ehrbaren und nützlichen Dingen überaus reich- lich, sie war reich an Gütern und verstand es die höchsten Ehrenstellen wohl zu verwalten.— Auf über- einstimmendes Verlangen der Fürsten geweihet(21. Sept. 1024), folgte sie als notwendige Gefährtin dem Könige.—(6) Die Ritter fesselte dieser dadurch sehr, dafs er die althergebrachten Lehen der Eltern keinem der Nachkommen nehmen liefs. Aufserdem glaubten sie, dals in Bezug auf die häufigen Geschenke, durch die er sie zu kühner That anfeuerte, auf der ganzen Welt sich niemand finde, der ihm gleiche. Es könnte Zweifel erregen zu erzählen, wie freigebig er war, wie freundlich, wie standhaft, wie unerschrocken, allen Guten geneigt, den Schlechten streng, gegen die Unterthanen gütig, gegen die Feinde herb, im Handeln durch- greifend; für das grölstmöglichste Gedeihen des Reiches war er unermüdlich thätig, und erreichte in kurzem so viel, dals niemand zweifelte, nach Karls des Grolsen Zeiten habe kein des Königsthrones würdigerer ge- lebt. Daher besteht das Sprichwort: An Konrads Sattel hangen Karls Bügel.— Unter solchen Umständen verbreitete sich der Name und der Ruhm des Königs über die Grenzen der Völker, er drang bis über die Fluten des Meeres; überall erzählte man sich von seiner Kraft und Tüchtigkeit, die in stets unerschöpf- licher Frische strömte.—(8) Nachdem aber König Konrad einen königlichen Rat zu Basel gehalten und die Grenzen Burgunds gegen den Willen Rudolfs, des Königs von demselben Burgund, sorgsam besetzt hatte, zog er über den Rhein bis nach Sachsen. Weshalb ich aber den König Rudolf erwähne, will ich kurz sagen. Da jener Rudolf, der König von Burgund, in seinem hohen Alter die Regierung nachlässig führte und dadurch bei den Fürsten seines Reiches den grölsten Unwillen erregte, so lud er den Kaiser Heinrich II., seiner Schwester Sohn, in sein Land ein, bestimmte ihn für die Zeit nach seinem Tode zum Könige voen Burgund und liels ihm die Fürsten des Reiches schwören. Um diese Sache zu befördern, wendete Kaiser Heinrich gar sehr oft unsäglich viel Geld auf. Aber nach dem Tode des Kaisers Heinrich wollte der König Rudolf seine Versprechungen rückgängig machen. König Konrad jedoch, das Reich eher zu mehren als zu mindern bestrebt und vonseines Vorgängers Mühen die Früchte zu ernten gesonnen, unterwarf sich Basel, damit er sehen könnte, ob König Rudolf seines Versprechens gedächte. Sie beide hat später die Königin Gisela, die Tochter der Schwester eben des Königs Rudolf, wohl versöhnt.—(10) Zu derselben Zeit(1025) verabredeten sich, vom Teufel dem Friedensstörer angestiftet, Herzog Ernst von Alamannien, Herzog Kuno von Franken und Friedrich, Herzog von


