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1. Teil (1895)
Entstehung
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(Als Beilage zum Programm des Grossherzoglich.

Uhlands TrauerspielErnst, Herzog von Schwaben

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Zweck dieser Arbeit ist nicht, einen Beitrag zur deutschen Litteraturgeschichte zu lièérè sondern zusammenfassend zur Darstellung zu bringen, was sich dem Verfasser in mehrjähriger Unterrichtsthätigkeit als inhaltlich und methodisch wertvoll bei der Behandlung des Uhlandschen Trauerspiels»Ernst, Herzog von Schwaben« zur Einführung in die dramatische Lektüre auf dem Gymnasium ergeben hat. Beschränkung in der Stoffauswahl, eine elementare Behand- lungsweise aller auf die Technik des Dramas und das Wesen der Tragödie bezüglichen Fragen ergab sich hieraus von selbst.

Schon Hiecke war in seinem»Deutschen Sprachunterricht« dafür eingetreten, Uhlands dramatische Dichtungen in den Kreis des Schulunterrichts zu ziehen; aber erst seit Wendt in Herrig's Archiv für das Studium der neueren Sprachen und Litteratur(1854, Bd. 15) durch eingehende Betrachtung des Aufbaus und des Charakters der Handlung in des Dichters Dramen den Nachweis erbracht hat, dafs diese eines erhöhten Interesses gerade seitens der Schule wert sind, wandte die pädagogische Welt sich ihnen mit grölserem Eifer zu; erfahrene Schulmänner sprachen sich in Wendts Sinn aus. Es trat dann H. Weis- mann mit einer Abhandlung hervor(L. Uhlands dramatische Dichtungen, Frankfurt a. M., Sauerländer 1863), deren ausgesprochener Zweck eine Würdigung der Uhlandschen Dramen als Schullektüre war. Die Resultate seiner Untersuchungen bezüglich des »Herzog Ernst« hat Weismann dann im Wesentlichen seiner Ausgabe dieser Tragödie(vgl. Cottas Sammlung von Schulausgaben deutscher Klassiker) einverleibt. Er betrachtete es nicht als seine Aufgabe, den Wert der dramatischen Dichtungen Uhlands gegen die zum Teil sehr wegwerfenden Urteile der Litterarhistoriker zu verteidigen, sondern wollte nur zeigen, wie man sie fruchtbar machen könne für die Jugend. Lange blieb die Weismannsche Schulaus- gabe des»Herzog Ernst« die einzige; erst i. J. 1893 erschien die Ausgabe von H. Grohn in Schöninghs Sammlung deutscher Klassiker(18. Bd., Paderborn). Den bekannten Grundsätzen dieser Sammlung gemäſs begleitet der Herausgeber das Stück in seinem Ver- lauf mit Fufsnoten sprachlichen und historischen Inhalts, je nachdem der Wortlaut der Dichtung zu Erklärungen aufforderte; im Anhang folgt dann eine Besprechung der einzelnen Aufzüge

¹ Der II. Teil folgt als Beilage zum Programm des nächsten Jahres.

² Das in den nachfolgenden Blättern Gebotene wird manchem noch als zuviel erscheinen; indessen Verf. glaubte für seine Zwecke eines Abdrucks der wichtigsten Abschnitte aus Wipo und einer eingehenden Erzählung des Lebens Ernsts nicht entraten zu können: vgl. unten S. 2 u. 4 Anm. 2.

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